Der Hundemantel-Test – Wenn’s draußen nass und kalt ist

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Es sorgt immer wieder – so auch im WUFF-Forum (www.wuff.eu) – für Diskussionen: Das Thema Hundemäntel. WUFF-Leserin Renate Zipf hat für ihre Hündin Lille eine Reihe von Modellen ausprobiert und für ihre ­Zwecke adaptiert. Hundemäntel-Firmen können daraus manch ­wichtige Anregung gewinnen. Und ­Interessenten profitieren von den Erfahrungen der WUFF-Leserin.

Das Thema Hundemäntel ist immer für Diskussionen gut. Während die Einen darauf schwören, dass ihr Hund ihn braucht – und liebt –, ­halten andere das für eine Verweichlichung und gar Vermenschlichung des Hundes. „Wozu hat denn der Hund ein Fell?", fragt eine Userin im WUFF-Forum und gesteht gerade mal noch den ganz kleinen Hündchen bei Regen oder im ­Winter ein Mäntelchen zu. „Aber eine ­Dogge?" Wenige Minuten später kommt die Antwort einer anderen Forum-Userin: „Da kommt es nicht auf die Hundegröße an, sondern auf das Fell. Hunde mit kurzem Fell können schon mal frieren, auch wenn sie groß sind". Ein kleiner Westie mit rauem Fell brauche hingegen wohl eher kein Mäntelchen, meint sie.

Auch Tierärzte sind ähnlicher Ansicht. Was würde gegen ein Mäntelchen bei großer Kälte oder Regen und Schnee sprechen, wenn es den Hund friert, hört man oft. Und das Argument, dass Streunerhunde und Wölfe ja auch gut ohne auskämen, wird nicht gelten gelassen, denn Haushunde, die im Winter in gut beheizten Woh­nungen leben, würden eben kein Fell wie Streunerhunde ausbilden, und Wölfe seien sie schon lange keine mehr.

Diejenigen, die ihrem frierenden Vierbeiner ein Mäntelchen umhängen, sind meist selbstbewusste Hundehalter, die sehr wohl über das heimliche Schmunzeln mancher Passanten Bescheid ­wissen. Doch eine WUFF-Forum-Userin bringt es auf den Punkt: „Mir ist es schnurzegal, was andere dazu sagen. Die Gesundheit meiner Hündin ist mir tausendmal wichtiger!"

Wie auch immer, die Diskussionen werden nicht auf­hören, auch nicht im WUFF-Forum. Thema dieses Beitrages ist aber weniger eine grundsätzliche Debatte, als vielmehr eine Darstellung der unterschiedlichsten Arten von Hundemänteln. WUFF-Leserin Renate Zipf hat mit ihrer ­Hündin Lille, einer kurz-rauhaarigen Kromfohrländer-Hündin, einige Modelle getestet. Grund für ihr Interesse für Hundemäntel war der Umstand, dass Lille ein ganz kurzes Fell ohne Unterwolle hat und ihr Frauchen schnell bemerkte, dass Lille immer fror, vor allem an nasskalten Tagen und bei Schnee. Im Folgenden nun Renate Zipf über ihre Erfahrungen mit „Kromfohrländers Hunde­garderobe" – oder „Germany’s Best Dog-Model".

Lilles erstes Mäntelchen stammt von der Firma Wolters (siehe Foto 1). Es sah recht hübsch aus, hatte aber den Nachteil, dass es am Hinterteil Lilles ständig hochstand, wenn sich die Hündin nach vorne bückt, um bspw. zu schnuppern, also immer! Daher brachte ich hinten zwei weiche Gummis an, wodurch das Teil mehr Halt hatte. Allerdings werden die Gummis wohl nicht allzu lange halten. Da Lille zudem deutlich an Substanz zugelegt hat, wurde das Mäntelchen am Hals recht knapp, ein neues war nötig.

Die nächste Anschaffung war ein sehr günstiges Fleecemäntelchen (Foto 2). Es hatte über den ganzen Rücken einen Reißverschluss. Doch schon nach kurzer Zeit war der kaputt, er klaffte. Ich bestellte ein zweites Modell und nähte aus den Resten des ersten einen Gürtel, den Lille um die Taille trug. So war die Hündin auch am Bauch warm verpackt und alles lag schön an. Aber Lille legte weiter an Gewicht zu, und nun wurde dieser Mantel recht eng um die Brust.

Das nächste Modell bekamen wir geschenkt, es war aus synthetischem Veloursleder (Foto 3). Scheinbar sollte ein größerer, nein, vielmehr ein längerer Hund hineinpassen, denn er war für Lille viel zu lang. Also schnitt und nähte ich es auf ihre Maße. Es passt und sitzt nun gut, ist aber keine Augenweide und auch recht warm.

Der nächste Versuch (Foto 4): Ein maßgeschneidertes Mäntelchen einer Firma, das man über das Internet bestellen kann (hundumschick.de). Außen Anorakstoff und innen leichter Fleece erschien mir ideal, zumal der Schnitt ganz einfach und leicht zu handhaben war. Jedoch rutschte der Gurt, der den am Rücken liegenden Latz unter dem Bauch fixieren soll, immer bis fast an den Hals nach vorne und der Rest des Mantels zur Seite. Da ­konnten auch die um die Hinterbeine angebrachten ­Gummis nichts daran ändern. Allerdings hatte dieser Mantel im Vergleich zu den bisherigen einen großen ­Vorteil. Er hatte auf dem Rücken eine Öffnung zum ­Einhaken des Geschirrs. Ich verbesserte das Produkt, indem ich eine Führungsschleife für den Gurt und zwei offene Abnäher am Hinterteil des Mantels anbrachte. Nun funktioniert es gut.

Im letzten Herbst nun suchte ich einen Ersatz für den Fleecemantel und fand ein „Norwegermodell" (Foto 5). Es ist ganz aus Fleece und wird mittels Klettverschlüssen auf beiden Brustseiten verschlossen. Aber leider wieder nur eine Öffnung für ein Halsband, nicht aber für ein Brustgeschirr. So versuchte ich zunächst, das Geschirr über der Jacke zu benutzen, doch dann scheuerten die Ärmelausschnitte innen an der Achsel, und schon nach dem ersten Spaziergang waren die leicht gerötet. ­Ansonsten aber sitzt das Norwegerpullichen gut und morgens trägt Lille es oft, denn da muss sie sowieso nicht an die Leine, weil wir beide meist allein auf weiter Flur sind.

Am besten jedoch passt Lille ein Modell der Firma Dogifashion (Foto 6). Es ist warm gefüttert, sitzt perfekt auch ohne Gummis, durch einen elastischen Verschluss unter dem Bauch und Durchzugsbänder am hinteren Mantelrand, und – es hat eine Öffnung für ein Geschirr. Es kommt dann zum Einsatz, wenn es sehr kalt oder schneenass ist.

Von derselben Firma besitzen wir inzwischen noch ein ­weiteres Fleecemäntelchen mit Rollkragen (Foto 7), ein cooles Bikershirt mit festknöpfbarer Kapuze aus Fleece, der aber außen wie ein Shirt-Stoff aussieht (Foto 8) und ein leichtes Shirt mit der Aufschrift „Bodyguard" (Foto 9). Die Modelle dieser Firma sitzen bei Lille bei richtig ge­wählter Größe prima.

Für nicht so kalte, aber nasse Tage besorgte ich für ­Lille einen Regenmantel der Firma Hurtta (Foto 10). Er ist ungefüttert und hat einen unter dem Bauch ­durchgeführten Latz, der auf dem Rücken mit einem Gurt verschlossen wird. Er funktioniert gut mit Haltebändern für die Hinterbeine, hat aber leider wieder keine Öffnung für das Brustgeschirr, was ich bei einem so hochpreisigen Modell als Minuspunkt empfinde.

Zum Abschluss möchte ich noch einen kleinen Einblick in die Intimsphäre einer Kromfohrländerhündin geben: Das Bademäntelchen. Bei nassem Wetter muss der Hund nach dem Gassigehen unten herum abgespült werden, sonst hat man überall in der Wohnung den feinen Sandschmutz. Damit sich Lille danach nicht erkältet bekommt sie das Bademäntelchen über (Foto 11). Sie sieht darin zwar aus wie ein mittelalterliches Streitross, doch es erfüllt seinen Zweck. Sitze ich beim Kaffee, liegt Lille warm unter einer Decke und trocknet vor sich hin.

Abschließend noch ein Hinweis. Vielleicht fragen Sie sich, warum Lille auf den Fotos oft so betreten dreinschaut. Sie fand es offenbar doof, wenn sie im Haus für dieses Foto­shooting was anprobieren musste, ließ es aber brav über sich ergehen. Machen wir uns hingegen zum Gassigehen fertig, ist es ihr letztlich völlig egal, was ich ihr überstülpe, Hauptsache es geht – geschützt – hinaus zum Flitzen und Hopsen, und das auch bei Regen, Kälte und Schnee. Und das ist ja letztlich der Sinn der Sache!

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