Der Hunderetter

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Es gibt sicher unterschiedlichste Meinungen über jene, die sich in Spanien, Griechenland, Rumänien – oder wo auch immer – um herrenlose Hunde kümmern, solange in Österreich und Deutschland die Tierheime überfüllt sind. Aber das Engagement, der Wille zu helfen und der Erfolg geben Menschen wie Michael Schmorenz Recht.

Kündigte den Job
Noch in seinem ehemaligen Job war Michael 1996 das erste Mal in Rumänien. Das Elend der Hunde in diesem Land, die streunen, verhungern, krank sind, erschlagen werden, ließ ihm keine Ruhe mehr. Wenige Jahre später war es dann soweit: Michael kündigte seinen Job, bewarb sich 2001 bei einer Tierschutzorganisation und zog nach Rumänien. Zuerst gegen Bezahlung, seit Februar dieses Jahres jedoch als „One-Man-Show“, weil ihm die Arbeit der Organisation (bzw. der Organisatoren) nicht länger behagte. Und als eben diese „One-Man-Show“ hat er inzwischen wahrscheinlich mehr bewirkt als viele, viele andere. In kürzester Zeit hat er viele Hunde an gute Plätze in Österreich und Deutschland vermittelt. Aber um das allein geht es nicht. Es geht vielmehr darum, vor Ort ein Umdenken der Menschen zu bewirken.
Wie verkraftet man es, wenn man täglich mit dem Hunde-Elend konfrontiert ist? Michael Schmorenz: „In der Anfangszeit fiel es sehr schwer, jedes einzelne Schicksal tat sehr weh. Man muss ein wenig abstumpfen, „zumachen“, Scheuklappen aufsetzen. Das Herz und das Gefühl aber darf man dennoch nicht verlieren. Ein Balanceakt sondergleichen.“

Lebt mit 50 Hunden!
Ursprünglich hatte der Hunderetter seine Kapazität auf 30 Hunde festgelegt – heute sind es 50, mit denen er lebt. Was bringt´s? Ein ganz klein wenig Umdenken hat er schon erreicht. Wenn´s auch nur gerade mal 1 % ist: Vereinzelt werden Hunde bereits nicht mehr erschlagen, sondern „schamvoll“ bei ihm abgegeben … „Bei ihm“! Dazu muss man wissen, was das bedeutet: Das ist kein profimäßiges Tierheim mit allem, was man braucht, sondern eine Bruchbude, 6 km von der nächsten kleinen Ortschaft entfernt.

So lebt der Hunderetter
Sein „Haus“ beschreibt Michael folgendermaßen: „Das Haus selbst ist in einem desolaten Zustand. Ich bewohne lediglich eine Hälfte, die andere nutzt der Besitzer von Zeit zu Zeit. Mir stehen ca. 35 m2 zur Verfügung. Mein Zimmer selbst ist 3,5 x 3,8 m klein. Dazu eine Toilette und ein Raum, den man als Küche bezeichnen kann. Die Fenster sind alt und zugig, von Decke und Wänden fällt der Putz, und das Haus beginnt, mangels ordentlichem Fundament und aufgrund der Hanglage, ganz langsam wegzubrechen. Die Risse in den Wänden sprechen eine deutliche Sprache. Ansonsten habe ich eigentlich alles hier, was das Leben ermöglicht und stellenweise auch angenehm macht: Eine Waschmaschine, fließend Wasser per E-Pumpe aus dem Brunnen in guter Qualität, TV mit Satellitenempfang, warmes Wasser dank Boiler, Kühlschrank und diverse andere, grundsätzlich so normale Dinge, dass man sie meist gar nicht erwähnt. Das alles funktioniert jedoch nur, wenn nicht, wie so oft, der Strom ausfällt oder die Wasserleitung vom Brunnen im Winter einfriert. Für rumänische Verhältnisse bin ich recht komfortabel ausgestattet, im Vergleich zu Mitteleuropa aber schlechter als ein Sozialhilfeempfänger. Aber ich kann damit leben, wenn es auch manchmal nicht leicht ist.“ Nicht leicht? Naja: Im Winter hat er es 6 km zum nächsten Geschäft, zu Fuß, denn mit seinem Uralt-Opel gibt es dann kein Vorwärtskommen.

Eine halbe Tonne Trockenfutter im Monat
Natürlich braucht er auch Geld, um helfen zu können – und er gibt ganz offen zu: Wie sollen die Hunde überleben, wenn ich nichts zu beißen habe?“ Ein paar Leute helfen ihm mit Spenden. Für Michael bedeutet das großes Glück: „Ich brauche sehr viele Medikamente für die Hunde, oft einen Tierarzt, ich lasse Hündinnen kastrieren, und wenn das Spendenfutter nicht reicht, muss ich dazu kaufen. Allein ein monatlicher Einkauf von Impfstoffen, Wurmkuren und diversen anderen Medikamenten macht meist 300 Euro aus. Muss ich zusätzlich noch Futter kaufen, wird es ein wenig eng. Zur Zeit brauche ich etwa 500 kg Trockenfutter monatlich.“
Und trotz allen Mangels an Geld und Platz: Michael würde nie einen Hund vergeben, wo nicht zuvor der neue Platz in Deutschland oder Österreich „gecheckt“ wurde. Da hat er seine Freunde, die Vorbesuche machen, das Umfeld abklären und dann eine Mail nach Rumänien schicken: „OK – oder nicht OK“. Lieber behält er dann Hunde selbst, wenn er weiß, dass sie es bei ihm besser haben.

Vertrauenssache
Spenden? Klar möchte er welche haben. Aber er darf offiziell keine annehmen. Auf die Frage, ob es eine Garantie gäbe, dass die Spenden den Hunden zugute kommen, sagt er völlig offen: „Ich verwende die Gelder, so wie es nötig ist. Ich mache keine Buchhaltung, wofür ich was verbraucht habe. Gut, ich kann für Ausgaben Belege sammeln und diese Spendern zur Verfügung stellen. Oft aber bekomme ich keine Belege. Grundsätzlich muss ich sagen, dass es einfach Vertrauenssache ist und man sich auf mein Wort verlassen muss. Ich kann nicht anfangen, über ein- und ausgehende Geldbeträge genau Buch zu führen. Das ist Zeit, die ich nicht habe, die den Hunden verloren geht. Ich betone nochmals, dass ich nahezu allein arbeite. Wer mir traut, kann in irgendeiner Form helfen. Traut man mir nicht, kann ich es auch verstehen. Denn eine Garantie kann ich nicht geben. Nur das Versprechen, dass ich jede Möglichkeit nutzen werde, dass es den Hunden bei mir gut geht, und dass ich so viele, wie finanziell möglich, bei mir aufnehmen werde. Auch helfe ich gerne mal anderen Tierschützern hier in Rumänien, sofern es meine Möglichkeiten zulassen. Das aber kann dann auch belegt werden.“

>>> WUFF – HILFE VOR ORT

Wer helfen möchte

Für das Projekt kann an die Schönfelder Tierhilfe e. V. „Glückshof“, einem integeren Verein, der Michael Schmorenz schon seit langem unterstützt, gespendet werden. Dieser Verein ist als gemeinnützig anerkannt und kann Spendenbescheinigungen ausstellen. Jeder gespendete Cent kommt direkt bei Michaels Hunden an. Spenden bitte an:
Schönfelder Tierhilfe „Glückshof“,
D-31547 Rehburg-Loccum.
Kennwort „Rumänienhilfe“.
Kontodaten für österr. Spender:
IBAN-Code: DE92 2565 0106 0000 2486 66. BIC-Code: NOLADE21NIB. Sparkasse Nienburg.
Hinweis: Bei Angabe von IBAN- und BIC-Code (statt BLZ und Kto.nr.) auf einer EU-Überweisung fallen in Österreich keine erhöhten Überweisungsgebühren nach Deutschland an!
Kontodaten für deutsche Spender:
Sparkasse Nienburg, BLZ 256 501 06,
Konto 248666
Info: http://www.streunerhilfe.de
E-Mail: hunderettung@web.de
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