Der LANDSEER – ein sanfter Riese

0
1949

Die kanadische Provinz Neufundland ist das Ursprungsland von zwei bei uns etablierten Hunderassen: Während die Rasse ­Neufundländer weitestgehend bekannt ist, ist die zweite von dort stammende Rasse eher unbekannt: Der Landseer. Erst ­europäischen Züchtern ist die Etablierung dieser Rasse zu verdanken, da sie ansonsten möglicherweise von der Bildfläche ­verschwunden wäre. Als ursprünglicher Arbeitshund wird der Landseer heute vorwiegend als Haus- und Familienhund gehalten, da seine Charakterstärken erst durch den engen Kontakt mit seiner Familie so richtig zur Geltung kommen.

Der Ursprung der Riesen
Dass der Landseer aus Neufundland stammt, ist heute unumstritten, doch wie die Rasse genau entstand und aus welchen Kreuzungen sie zustande kam, liegt weiterhin im Verborgenen. In seiner Heimat war der Landseer ein treuer Helfer, der für körperlich harte Arbeiten eingesetzt wurde. So be­gleitete er Fischerboote und half die Netze wieder an Bord zu ziehen. Auch für den Transport von Baumstämmen in der Forstwirtschaft hatte er seinen Nutzen. Sein stattlicher Körperbau ermöglichte ihm, schwere Lasten selbst durch unwegsames Gelände zu ziehen. Im 18. Jahrhundert wurden englische und französische Seefahrer schließlich auf die Rasse aufmerksam und nahmen einige Exemplare mit der Bezeichnung „Newfoundland Dog“ nach Europa mit. Dort wurde der Landseer schnell zu einem sog. ­Prestige-Tier. Adelige hielten ihn vor allem aufgrund seiner schönen Fellzeichnung und seines robusten Körperbaus. Der Maler Sir Edwin Landseer glänzte zu dieser Zeit mit Tier- und speziell Hundeporträts. Auf unzähligen seiner Bilder malte er die neue Rasse der „Newfoundland Dogs“ und verschaffte ihnen somit über die Grenzen Englands hinweg Bekanntheit.

Der Dichter Lord Byron ließ im Jahre 1808 im Park seines Schlosses Newstead Abbey auf das Grabmal seines weiß-schwarzen Freundes folgende Worte einmeißeln: „An dieser Stelle ruhen die Gebeine von Einem, welcher Schönheit besaß ohne Eitelkeit, Stärke ohne Übermut, Mut ohne Wildheit und alle Tugenden des Menschen ohne seine Laster.“

Nach dieser ersten Verbreitungswelle kamen die Hunde ab Mitte des 19. Jahrhunderts wieder aus der Mode. Während die schwarzen Neufundländer, damals ebenso als „Newfoundland Dogs“ tituliert, an Popularität gewannen, verdrängten sie die weiß-schwarze Fellzeichnung, was schließlich dazu führte, dass nur die schwarzfarbenen als Neufundländer bezeichnet werden durften. Gerade noch rechtzeitig beschloss Dr. Gordon Stables 1880, den Hunden den Namen des Malers zu geben, der diese Hunde so sehr geliebt hatte, Landseer. Diese Rassebezeichnung führte zur klaren Unterscheidung der zwei kanadischen Hunderassen und schuf damit den Landseern ein Recht auf Erhaltung ihrer rassetypischen Merkmale.

Ab 1900 wurde dann mit der Zucht auf dem europäischen Kontinent begonnen. Doch erst im Jahr 1960 beschloss die FCI den Landseer als eigenständige Rasse anzuer­kennen.

Eine Legende
Ein Bild des Malers Sir Edwin Landseer entstand im Jahr 1831 und wurde zu einem seiner berühmtesten Werke: Es stellt den Landseerrüden Paul Pry dar, wie er gelassen auf einer Kaimauer liegt und zugleich wachsam über die Wasseroberfläche blickt. Dieser Rüde besaß einen außergewöhnlichen Beschützerinstinkt und schien aufkommende Gefahr förmlich zu riechen. Seinen Besitzer brachte er zweimal nach einem Schiffbruch an Land. Beim ersten Mal überlebte der Halter, beim zweiten Mal konnte er aber nur mehr tot von dem Hund geborgen werden. Von da an verbrachte Paul Pry sein Leben im Hafen und beobachtete die Geschehnisse im Wasser. So manchem Kind rettete er bei Badeunfällen durch sein beherztes Eingreifen das Leben – dieser Rettungstrieb war in seinem Wesen verankert. Noch heute gilt dieser Rettungstrieb als ein typischer Charakterzug des Landseers.

Der etwas andere Neufundländer
Im Vergleich zu den schwarzen ­Neufundländern ist der Landseer hochläufiger, schlanker und somit auch aktiver. Allerdings ist ein Rüde mit einer Schulterhöhe von bis zu 80 cm und einem Gewicht von 75 kg nicht zu unterschätzen. Im FCI-Rasse­standard, in den der Landseer erst 1960 aufgenommen wurde, ordnet man ihn der Gruppe 2, Sektion 2.2, also den molossoiden Rassen zu. ­Seine braunen bis dunkelbraunen Augen verleihen dem Hund mit weißem Fell und schwarzen Platten einen besonders treuherzigen Blick. Große Hunde bedeuten aber auch mehr Schmutz im Haus – das trifft auch auf den Landseer zu. Sein Haarkleid ist mit Ausnahme des Kopfes dicht und lang. Das Fell des Landseers bedarf zwar regel­mäßiger Pflege, allerdings ist tägliches Kämmen und Bürsten nicht nötig. Bedingt durch einen leichten Fettfilm auf den Haaren fallen Erde und anderer Schmutz von alleine wieder ab, sobald er trocken ist. Auf dem weißen Fell befinden sich die schwarzen Platten im Rumpf- und Kruppenbereich. Der Hals, die Vorbrust, der Bauch sowie die Läufe und die Rute müssen standardgemäß weiß sein.

Ein Familienhund wie aus dem ­Bilderbuch
Ein Landseer wird in der Aufgabe als Familien- und Haushund seine Rolle finden. Dabei sollte aber beachtet werden, dass er einen engen Kontakt zu seiner Familie braucht, um ­seine hochgeschätzten Eigenschaften entfalten zu können. Während er den Kindern ein guter Spielgefährte ist und unermüdliche Geduld aufbringen kann, zeigen sich seine Charakterstärken auch im Umgang mit anderen Haustieren. So kann der Landseer auch ohne weiteres mit anderen ­Tieren gemeinsam im Haushalt ge­halten werden.

Was für einen Landseer allerdings von großer Bedeutung ist, ist die Eingebundenheit in die Aktivitäten seiner Familie. Er möchte möglichst überall dabei sein und erweist sich als ein aufmerksamer Begleiter. Auch im Urlaub reist er gerne mit. Da für diese Rasse das kühle Nass eine besondere Anziehungskraft besitzt, tobt er sich gerne im Wasser aus. Immer öfter wird der Landseer auch als Wasser­rettungshund ausgebildet. Neben dieser Tätigkeit besitzt er durch sein ruhiges, geduldiges Wesen auch die besten Voraussetzungen für weitere Therapiehundeausbildungen.
 
 „Stärke ohne Übermut“ – der ­Landseer im Alltag
Ideal zur Haltung des sanften Riesen ist ein Haus mit eingezäuntem Garten. Diese Rasse braucht ihre Freiheit und hat auch einen starken Bewegungsdrang. Eine kleine Wohnung oder gar ein Zwinger ist für diesen Hund ­absolut nicht geeignet. Allgemein gilt er als angenehmer und ruhiger Haushund, der nicht ohne Grund bellt und Fremde zwar wachsam beäugt, aber Gäste des Hauses immer freundlich begrüßt.

Ausgewogene Ernährung ist für den Landseer besonders wichtig. Außerdem sollten Sie bei der Anschaffung eines Landseers die höheren Futterkosten beachten, da ein über 70 kg schwerer Hund größere Portionen benötigt.

Die Zucht von Landseerwelpen ist in den letzten 20-30 Jahren erneut erstarkt und die Rasse hat sich ­regeneriert. Dennoch gilt der Landseer weiterhin als eher seltene ­Rasse, da sich die Anzahl der Tiere im deutschen Sprachraum auf wenige ­Tausend beschränkt. Der Welpenpreis liegt zwischen 900 und 1600 Euro. Bei dieser Preisspanne sollten Sie nicht auf das günstigste Angebot zurückgreifen, sondern die Zuchtverhältnisse und die Eignung des Züchters überprüfen.

Der Landseer ist mit seiner gut­mütigen Art und seinem prachtvollen Äußeren ein Unikat, der das Familien­leben mit Sicherheit bereichert, sobald Sie gewisse Voraussetzungen für diese Rasse erfüllen.

INFORMATION

Adressen und Vereine

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT