Der Mops

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Als unser Mops ein Möpschen war – ein altes Kinderlied, das heute kaum jemand mehr kennt.
Über den Ursprung der Rasse und ihre Entwicklung gibt es interessante Theorien und Geschichten.
Liane Rauch hat sie recherchiert. Der Mops ist ein liebenswürdiger Begleiter des Menschen, seine Gesundheit – Folge züchterischer Übertreibungen – wird jedoch von vielen Kynologen kritisiert. Dennoch, eine neue positive Entwicklung scheint sich anzubahnen …

Konfuzius und andere Herkunftsgeschichten
In uralten Chroniken aus der Zeit Konfuzius‘ (550 – 479 v. Chr.) kann man bereits von kleinen, kurznasigen Hunden lesen. Das Vorkommen der „Chincha-Bulldogge“, ein ausge­storbener Hundestamm aus Süd­amerika, wurde bei Ausgrabungen aus der ­präkolumbianischen Zeit nachgewiesen. Die alten Kynologen sind unterschiedlicher Ansicht. So wirft Buffon den Mops mit der Bulldogge in einen Topf, sieht ihn also als bri­tischen Hund. Vero Shaw nimmt an, die ­Rasse käme aus Holland, und bringt als Theorie außerdem sogar Russland ins Spiel. Paul Mégnin tippt auf Südafrika oder China. Allen Theorien kann man ein kleines Körnchen Wahrheit ab­gewinnen.

Auf einen chinesischen Ursprung könnte die sog. Seidenstraße hin­deuten. Bereits in der Bronzezeit (ab etwa 2.200 v. Chr.) gab es eine Verbindung zwischen China und Europa. Über diesen Handelsweg kamen nicht nur Waren und neue Kulturen nach Europa, sondern sicher auch Pflanzen und Tiere. Zu bedenken bleibt, die Transporte gingen ja nicht nur von China nach Europa, sondern auch umgekehrt von Europa nach Asien. Ob die bei Konfuzius erwähnten kurznasigen Hunde nun von Asien nach Europa oder eben von Europa nach Asien gingen, kann man beim besten Recherchewillen nicht mehr beweisen.

Genau so möglich kann die Süd­amerika-Theorie sein. Bereits 15.000 v. Chr. besiedelten asiatische Stämme, die über die Beringstraße kamen, die südamerikanischen Länder. Und der Skelettfund eines Hundes aus der Chancay-Kultur (Mittelperu 1300 – 1450 n. Chr.) zeigt einen mopsgroßen Hund mit kurzem, breitem Schädel und markantem Vorbiss. Weitere Schädel und Keramikfunde geben ein recht genaues Bild dieser einer Zwergbulldogge ähnelnder Hunde ab. Die Frage bei dieser Theorie: Waren diese Hunde in Südamerika schon vorhanden oder wurden sie von den asiatischen Volksstämmen mitgebracht? Kurzhaarige Hunde ohne Unterwolle und Hunde ohne Fell sind aus dem südamerikanischen Raum mehrere bekannt, aus dem asiatischen Raum aber nicht.

Buffons Theorie zur Herkunft aus Britannien scheint auch nicht ganz abwegig zu sein. In seinem Werk­ ­„Histoire naturelle“ schreibt er über den Bulldog in verschiedenen Va­riationen. Die optische Ähnlichkeit ist sehr groß, man bedenke, dass die Englische Bulldogge früher zierlicher war. Der Haken an dieser Theorie: Die Mastiffs, aus denen die Bulldoggen entstanden sind, kamen relativ spät nach Britannien. Da waren die Asiaten und Südamerikaner schon lange im Besitz kurznasiger Hunde. Am ab­wegigsten erscheinen mir den Recherchen zufolge die Shaw-Theorien. Im alten Holland waren zu frühen Zeiten nordische Typenhunde verbreitet, und in der Geschichte Russlands lässt sich nicht ein einziger Hinweis auf einen kurzhaarigen und stumpf­nasigen Gesellschaftshund finden.

Wann und wie der Mops nun ­wirklich nach Europa kam, wird sich nicht mehr hundertprozentig nachvoll­ziehen ­lassen. Am wahrscheinlichsten ist wohl doch die China-Theorie, weil hier geschichtlich die längste Handelsverbindung mit Europa nachgewiesen ist. Eine Existenz von mopstypischen Hunden in Europa ist ab 1425 mit Zeichnungen und Figuren belegt.

Woher kommt der Name Mops?
Hier kann man, geht man alte Bücher und Aufzeichnungen durch, noch mehr Theorien finden als zur Ent­stehungsgeschichte. Bis ins Italien im Jahre 1550 gehen die Vermutungen zurück. Sie hier alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Nur zwei, die am wahrscheinlichsten sind, seien hier genannt. Das englische „Pug“ wird vom lateinischen „pugnus“, was Faust oder faustgroß heißt, abgeleitet. Vermutet wird der Zusammenhang wegen der Form des Kopfes. Möglich wäre auch die Ableitung vom holländischen „mopperen“, was so viel wie „brummende Geräusche von sich geben“ oder „schnarchen“ bedeutet. Das holländische mopperen geht ­wiederum auf das althochdeutsche „mup“ zurück, übersetzt wird das mit „das Gesicht verziehen“.

Legenden und ein geheimer Orden
Eine der ältesten nachgewiesenen Überlieferungen stammt aus dem Jahre 1618. Ein Mops namens Pompey soll seinen Herrn, den Prinzen Wilhelm von Oranien (Wilhelm der Schweigsame), durch lautes Bellen vor einem Attentat gewarnt haben. Der Prinz konnte rechtzeitig fliehen und soll sein restliches Leben nie mehr ohne Mops auf Reisen gewesen sein. Mit einem „Schutz-Mops“ geriet auch Napoleon I. (1769 – 1821) aneinander. Als er in der Hochzeitsnacht zu seiner frisch angetrauten Josephine Beauharnais ins Ehebett wollte, soll ihr Mops Fortuné Napoleon völlig ungeniert ins Bein gebissen haben. Belegt ist auch die Geschichte eines Mopses des ­Herzogs von Württemberg, der 1730 bei ­Belgrad in der Schlacht gegen die ­Türken verloren ging. Für alle unerklärlich tauchte der Mops, nach einem langen Weg nach Hause, im Schlossgarten zu Winnenden wieder auf. Ein Denkmal im Schlossgarten erinnert heute noch daran. Übrigens: Napoleon hat Fortuné verziehen.

Sogar einem Orden gab der Mops seinen Namen. Die Geschichte dazu klingt mehr als kurios. 1738 wurden von Papst Clemens XII. die Freimaurer­logen verboten. Sich von Frankreich her ausbreitend ent­standen geheime, meist aus Adeligen bestehende Freimaurerbünde. Einer nannte sich der Mopsorden, am 10. Januar 1745 in Nürnberg gegründet. Die Angehörigen dieses Bundes nannten sich „Möpse“.

Das Wesen
Alte Kynologen gehen hart mit dem kleinen Hund ins Gericht. So beschreibt Dr. Friedrich Walther in seinem Werk von 1817 den Mops als „mit kurzer, schwarzer, aufgewor­fener, abgestumpfter Schnauze, ­runzeliger, verdrießlicher Stirne, ­kurzem dicken Leib. Er ist ein Bullen­beißer im Kleinen, wenig lebhaft, pflanzt sich auch nicht häufig fort, wie es scheint, etwas dumm, mit anderen Hunden verglichen“. Noch schlechter kommt der Mops bei H.G. Reichenbach weg: „Die Rasse hat bei der Haltung in Stuben, wozu sie allein fähig ist, viel Unangenehmes, das ausdruckslose Gesicht steht allerdings mit einem Mangel an geistigen Fähigkeiten in Verbindung, dazu kommt, dass diese Hunde leicht von Räude, Gicht, Blindheit und Hundswut befallen werden, dass sie ferner, besonders wenn sie einige Jahr alt sind, äußerst viel bellen und knurren, gegen Hunde immer falsch und bösartig sind, weshalb sie heutzutage immer seltener werden, obwohl sie ein sehr hohes Alter erreichen.“ Haben die Möpse doch ein gutes Maß von der Bulldogge abbekommen, die von alten Kynologen auch schon als „verdrießlicher“ Hund bezeichnet wurde? Die alten Beschreibungen klingen durchaus ähnlich.

Übrig ist von dem alten Wesen, das Anfang des 19. Jahrhunderts beschrieben wird, allerdings heute eindeutig nichts mehr, wie Mops­liebhaber versichern. Mehr dazu im Text zum Mops aus Sicht des Hunde­psychologen und der Hundetrainerin (siehe Kästen).

Aufstieg, Niedergang und ­Auferstehung
Im 18. Jahrhundert war der Mops der Hund der Könige, Edelleute und der adeligen Gesellschaft. Die Nachfrage stieg, und das brachte natürlich die Menschen auf den Plan, die mit den Hunden nur Geld verdienen wollten. So ziemlich alles, was mopsähnlich aussah, wurde miteinander verpaart, um den großen Bedarf an Hunden zu decken. Dass damit ein Niedergang der Rasse verbunden war, ist klar. Hans Räber schreibt dazu in seiner Rasse-Enzyklopädie: „Jetzt wurde der Hund zum Mittelpunkt im Bieder­meierstübchen allein stehender Damen, diese stopften ihn mit Konfekt und anderen Leckerein voll, so dass der einst aktive, muskulöse Mops, der oft seinen Herren auf die Schlacht­felder begleitet hatte, sich in eine pralle Wurst verwandelte und sich vor Faulheit und Verfettung kaum mehr von seinen Seidenkissen rührte“.

Ludwig Beckmann schreibt 1895, dass die Rasse fast komplett verschwunden ist. Der Ruf, der dem Mops durch z.B. die Geschichten von Wilhelm Busch vorauseilte, als dick, dumm und gefräßig bezeichnet, hat seinem Ansehen sehr geschadet. Selbst in Brehms „Thierleben“ (1863) schnitt der Mops nicht sehr gut ab: „Die Welt wird nichts verlieren, wenn dieses abscheuliche Thier den Weg allen Fleisches geht“. Die Mopszucht lag damals völlig am Boden.

Doch dann kamen Lord und Lady Willoughby d’Eresby und Mr. Morrison. Mopsliebhaber, die bereits in den 1860er Jahren alles daran setzten, den Mops zu retten. Die „Willoughby-Möpse“ stammten von einem steingrauen Mopsrüden aus Ungarn und einer grauen Hündin aus Holland ab. Alle Hunde dieser Linie gehen auf dieses Ursprungspaar zurück. Die „Morrison-Möpse“ trugen im Unterschied zu den Willoughby-Möpsen das gelbe Fell. Als Lady Brassey 1878 aus China nach England zurückkehrte, hatte sie zwei schwarze Möpse mit teilweise weißen Abzeichen im Gepäck. Da die Farbe schwarz sehr selten war, wurden diese beiden Hunde natürlich sofort zu einer Sensation. 1890 gab es eine eigene Ausstellungsklasse für schwarze Möpse, und schon in ­dieser Zeit wurden in Deutschland der „sauberen Farbe“ wegen, Möpse mit Pinschern gekreuzt. Ludwig Beckmann schreibt von Einkreuzungen der Bulldoggen, um die breitere Stirn zu verfestigen, und Strebel berichtet sogar von einem Langhaarmops, durch die Einzüchtung von Pekingesen.

Problem: Qualzucht Mops
Der Mops mit seinem derzeitigen Exterieur gilt in Expertenkreisen heute eindeutig als Qualzucht. Das Problem ist – wie bei anderen Rassen auch – die bedenkenlose Übertreibung von Rassemerkmalen, hier die breite Stirn und eine übertrieben kurze Nase. Hans Räber schreibt dazu: „Wie so oft als Folge einer falschen Interpretation des Standards trachten nun Züchter immer wieder nach Übertreibungen verschiedener Rassemerkmale, wobei sie leider noch von manchem Richter unterstützt werden“. Zunehmend werden heute vor allem die Ausstellungsrichter in die Verantwortung genommen. Es gibt Richter, die Hunde, die vor lauter Atemnot noch nicht mal drei Schritte laufen können, auf die vorderen Plätze werten. Gerade beim Mops würde auf Hundeausstellungen noch immer einzig die Optik bewertet werden, kritisieren Kynologen. Das öffnet leider „Geldmachern“ Tür und Tor. Selbstverständlich soll ein Mops auch so aussehen wie ein Mops, doch das, was auf großen Ausstellungen häufig zu sehen ist, habe mit einem Hund nichts mehr zu tun, heißt es. Würden Richter auf Ausstellungen endlich mehr auf Vitalität, Gesundheit und – wie es ja im Rassestandard steht – „Lebhaftigkeit“ achten, bliebe Züchtern gar nichts anderes übrig als körperliche Übertreibungen zu vermeiden. Alle erblichen Handicaps, die der Mops heute zeigt, sind lt. Experten angezüchtet. Egal ob Kieferfehlstellungen, Hornhautentzündungen, Luftröhrenkollaps, Kaiserschnittgeburten usw., sie könnten mit verantwortungsbewusster Auswahl der Zuchthunde auf Lebensfähigkeit über einen relativ kurzen Zuchtzeitrahmen der Vergangenheit angehören. Dass dies grundsätzlich auch für andere zu kritisierende Hunderassen gilt, ist selbstverständlich.

Der Retro-Mops: Die Lösung?
Als Beispiel für eine positive Entwicklung in der Mops-Zucht könnte der Continental Bulldog dienen. Hier wurde hinsichtlich der Lebensqualität der Hunde schon viel erreicht. Wobei natürlich beim Mops nicht gleich eine neue Rasse entstehen soll, was ja beim Continental Bulldog passierte, wenngleich am Anfang aber nicht so geplant war. Hier war es ursprünglich um eine gesundheitliche Verbesserung des English Bulldogs gegangen.

Dass der „Altdeutsche Mops“, auch wenn die Bezeichnung nicht ganz richtig ist, mit Einkreuzung von ­Pinschern keine Neuerfindung des 21. Jahrhunderts ist, wissen wir dank alter Aufzeichnungen ja. Wie kam es dann, dass die Rasse im Laufe der Zeit so „verunstaltet“ wurde? Wieder werden hier von den Experten die Ausstellungsrichter in die Verantwortung genommen. Nur wenige, viel zu wenige Richter scheinen langsam umzudenken. Leider ist es ja noch immer so, dass der Hund dem Rassestandard angepasst wird, der Standard sich leider aber nicht am Hund orientiert. Und stellt sich so manche „Erblast“ als zu hartnäckig heraus, wird sie einfach als typisches Rassemerkmal in den Standard aufgenommen. Paradebeispiel hier der Chihuahua, bei dem die offene Fontanelle nun einfach ein Rassemerkmal ist. Im Standard beim Mops werden u.a. „sehr große Augen, vorstehend, kugelförmig“ verlangt. Nicht beachtet werden die damit verbundene erhebliche Verletzungsgefahr der Augen und die extreme Neigung zu Entzündungen.

Viele Nasenlöcher der „klassischen“ Möpse sind nur noch Schlitze, die ein leichtes Atmen einfach nicht erlauben. Die Nasenlöcher beim Retro-Mops hingegen werden wieder runder, die Luftzufuhr in die Lunge damit wieder einfacher und effektiver. Die Augen des Retro-Mopses treten wieder etwas zurück, die Verletzungsgefahr minimiert sich damit. Und der Hund bekommt wieder eine Rute, mit der er wirklich wedeln kann.

Darüber, ob es denn nun wirklich die optimale Lösung ist, in eine schon immer nur als Gesellschaftshund gehaltene Rasse den Parson Russell ­Terrier einzubringen, wie dies beim Retro-Mops der Fall ist, kann man geteilter Meinung sein. Ein Anfang ist es auf jeden Fall und tut der Rasse sicherlich auch gut. Der Russell ist im Wesen vom Mops einfach schon sehr weit weg, hat ein völlig anderes Zuchtziel und bringt das logischerweise auch in den Mops ein. Genau so verhält es sich natürlich auch mit dem Pinscher, der ja ähnlich dem Russell einen ausgeprägten Jagdtrieb vererbt. Die Zeit wird zeigen, was die Rückzüchtung auf einen gesunden Mops aus diesen Verpaarungen bringt.

Gesund in die Zukunft
Für die Initiatorin der IG Mops ­(Interessensgemeinschaft Mops – kein Zuchtverein), Monika Katzer, deutet sich ein Wandel in der Zucht der Rasse an. Viele züchten in der Absicht, der Rasse Mops zu einer Verbesserung zu verhelfen. Hunde mit der Bezeichnung „Retro-Mops” haben in der Regel längere Nasen und sind vital und gesund. Wichtig wäre es nun, dass die verschiedenen Zuchtrichtungen, die sich diesem Ziel verschrieben haben, sich gegenseitig tolerieren, in Kontakt treten und bestenfalls auch zusammen helfen. Die IG Mops und das dazu gehörende Forum bieten hierfür eine Plattform für Züchter aller Zuchtrichtungen (egal welcher Verein) und sind herzlich willkommen. Die IG-Mops finden Sie im Web: http://www.ig-mops.de

Fazit
Die Geschichte des Mopses war also eine sehr wechselhafte. Schon am Boden liegend hat sich die Zucht ­wieder entwickelt, allerdings nach Aussagen von Experten in das andere Extrem. Es wäre daher an der Zeit, dem Mops zu seiner Liebenswürdigkeit auch wieder die Gesundheit zu geben, die er verdient. Vielleicht wird die Zucht des „Retro-Mopses“ ­generell einen positiven Einfluss auf die Zucht auch des „klassischen“ Mopses ausüben.

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