Der österreichische Kurzhaarpinscher

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1995

Bereits vor 4000 Jahren hielten die Pfahlbauer in Mitteleuropa Hunde. Skelettfunde aus dieser Zeit sind unseren heutigen Pinschern verblüffend ähnlich. Diese mittelgroßen Hunde, denen es an jeglichen anatomischen Übertreibungen fehlte, die mit einem wetterfesten Haarkleid ausgestattet waren und deren Wesen es an Selbstständigkeit vermutlich nicht mangelte, scheinen schon früh bei der Domestikation entstanden zu sein und ihr Erbe ist noch heute in vielen Rassen lebendig – unter anderem auch im Österreichischen Kurzhaarpinscher.

Ländlicher Hundeschlag
Die eigentliche Rassegeschichte des „Österreichers” beginnt aber erst im zweiten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts. DDr. Emil Hauck fand auf seinen Reisen durch das alte Österreich besonders im ländlichen Gebiet immer wieder einen bestimmten Hundetypus vor. Dieser Landpinscher war im Begriff durch Mischlinge, bzw. andere Rassen, z.B. Schäferhunde verdrängt zu werden. Emil Hauck erkannte die Notwendigkeit, dieses Stück österreichischer Kultur zu schützen und durch seine Aufzeichnungen und sein Engagement legte er den Grundstein zur Reinzucht des Österreichischen Pinschers.
Der Verein der Hundefreunde, ein weiterer Förderer des Österreichischen Pinschers, veranlaßte ab 1921 die planmäßige Zucht. Die Rassevertreter wurden in ein Sammelregister eingetragen und auf Ausstellungen gezeigt. 1927 stellte man die Rassekennzeichen auf und am 16. Oktober 1928 war es endlich soweit: Der Österreichische Kurzhaarpinscher wurde vom ÖKV (Österreich. Kynologenverband) anerkannt. 1929 kam es zur Gründung des „Vereins zur Förderung der Reinzucht des Österreichischen Kurzhaarpinschers” und das Zuchtgeschehen nahm einen hoffnungsvollen Anfang. Nach dem 2. Weltkrieg gab es noch 10 Zwinger und von 1948-1954 wurden 55 Welpen registriert.

Vor dem Aussterben
Ab 1954 begann eine schwere Zeit für die Pinscherzucht. Gerade einmal 43 Welpen wurden in den folgenden 18 Jahren geboren. Als es Ende der 70er Jahre nur noch einen Deckrüden gibt, steht die Rasse kurz vor dem Aussterben. Doch hier nimmt die Geschichte eine glückliche Wendung. Im Zwinger „vom Schildbach” (Brigitte Mangold) fallen von 1979 – 1983 vier Würfe mit 29 Welpen. Von da an geht es wieder bergauf. Sowohl im Inland als auch im Ausland beginnen Züchter sich für den Österreichischen Pinscher zu interessieren. Heute leben etwa 500 Österreichische Kurzhaarpinscher über ganz Europa verteilt, somit ist die Rasse zwar nach wie vor selten, hat aber ihren Liebhaberkreis, und es gibt regelmäßig Würfe bei Züchtern in Österreich, Deutschland, Holland, Belgien, Dänemark und Finnland.

Das Wesen des Pinschers
Die Aufgaben des historischen, am Bauernhof gehaltenen, Landpinschers waren das Bewachen von Hab und Gut seiner Familie, das Freihalten der Ställe und des Hauses von Maus und Ratte und das Treiben von Vieh. Auch heute noch ist das Wesen des Österreichischen Pinschers von diesen Grundeigenschaften geprägt. Dennoch paßt er sich bemerkenswert gut an die verschiedensten Lebensumstände an.
Wenn man sich also mit dem Gedanken trägt, einen Ö-Pinscher Welpen zu sich zu nehmen, sollte man sich darüber im Klaren sein, daß aufgrund seiner Vergangenheit als Bewacher von Haus und Hof der Pinscher Fremdem grundsätzlich mißtrauisch gegenübersteht. Ein guter Züchter ist deshalb stets bemüht, seine Welpen schon in den ersten 8-10 Wochen mit Umwelteinflüssen verschiedenster Art bekannt zu machen. Diese Bemühungen müssen von den frischgebackenen Hundebesitzern weitergeführt werden, darum kann man den Besuch von Welpenprägungsspieltagen wärmstens empfehlen.

Eigenwillig
Bei der Erziehung unseres Ö-Pinschers sollten wir wegen seines eigenwilligen Wesens (böse Zungen behaupten Pinscher seien stur und bockig) so gut es geht, auf Zwang und Druck verzichten, denn wenn man es schafft, den eigenen Willen durch Motivation mit Ball oder Leckerli auch zum Willen des Hundes zu machen, ist der Grundstein für eine erfolgreiche Ausbildung gelegt. Manchmal wird man jedoch trotzdem nicht umhin kommen, dem Pinscher mit „Nachdruck” den richtigen Weg zu weisen.
Und was die Gesprächigkeit dieser Rasse betrifft, so muß man bedenken, daß jeder Hund, dem langweilig ist, sich eine Beschäftigung sucht und der Österreichische Pinscher bellt eben sehr gerne. Hat er aber ein erfülltes Hundeleben mit täglichen Spaziergängen, Spiel und viel Familienanschluß und läßt man es erst gar nicht zu langen Keiftiraden kommen, so bellt auch ein Ö-Pinscher nicht mehr als so mancher andere Hund.

Kinder und Pinscher
Den Kindern der Familie sind Pinscher meist sehr zugetan, jedoch müssen im Zusammenleben einige Regel beachtet werden. Die Eltern sollten ihren Sprößlingen einen respektvollen Umgang mit dem Hund lehren. Am Schwanz oder an den Ohren ziehen, den Hund sekkieren ist absolut tabu. Hündinnen sind Kindern gegenüber zwar meist sehr duldsam, ein Rüde kann bei einer solchen Behandlung allerdings schon einmal mit Unmut reagieren. Außerdem sollte dem Pinscher ein Rückzugsplatz, auf dem er von den Kindern nicht gestört werden darf, eingerichtet werden. Dann steht einem harmonischen für beide Seiten beglückenden Zusammenleben von Kind und Hund nichts mehr im Wege.

Pinscher in der Pubertät
Wie Kinder, so kommen auch Österreichische Pinscher in die Pubertät. Besonders halbstarke Jungrüden haben schon so manchen Pinscherbesitzer auf die Palme gebracht. Aber da müssen Sie durch! Bleiben Sie konsequent und geduldig, besuchen Sie eine gute Hundeschule, trinken Sie Baldriantee und seien Sie beruhigt: Auch das geht vorüber!

Haustreuer Hund
Nicht unerwähnt bleiben sollte die sogenannte „Haustreue” des Österreichischen Pinschers, streunen und jagen sagen ihm nicht zu, lieber bleibt er zuhause und läßt sich von Frauchen oder Herrchen, immer bereit diese gegen Eindringlinge zu verteidigen, die Ohren kraulen. Mit anderen Haustieren gibt es in der Regel keine Probleme. Katzen, Schafe, Ziegen, Rinder, Schweine und Pferde usw. werden bei Gewöhnung toleriert. Wenn es aber um Mäuse, Ratten und Maulwürfe im Garten geht sind Pinscher gnadenlos. Seitdem eine Pinscherdame bei uns eingezogen ist, haben wir keine Maulwürfe mehr, statt dessen aber einige Löcher im Rasen.
Anderen Hunden gegenüber verhält sich der Österreichische Pinscher meist gleichgültig, mitunter aber auch abweisend. Am besten können sich die positiven Eigenschaften dieser Rasse demnach in „Einhundehaltung” entfalten.

Alles in allem kann der Österreichische Pinscher charakterisiert werden als ein fröhlicher, lebhafter Hund mit eigenen Ideen, der sich sehr stark an seine Familie bindet und mit großer Leidenschaft seiner Berufung als Wächter nachgeht. Wenn sie sich aber mit einem exotischen Rassehund schmücken wollen, ist der Ö-Pinscher für sie wohl nicht geeignet. Allzu oft wird er für einen Mischling gehalten. Aber gerade das ist es, was die meisten Liebhaber dieser Rasse so schätzen. Kein Hund gleicht dem anderen, jeder ist einzigartig. Es gibt unzählige Farbkombinationen, kurzes Stockhaar, langes Stockhaar, mannigfaltige Ruten und Ohrformen: da ist für jeden Geschmack etwas dabei!
Vor einiger Zeit gab es Bestrebungen schwarz-lohfarbene und langstockhaarige Hunde von der Zucht auszuschließen. Wenn man aber bedenkt, wie klein der Genpool dieser Rasse ohnehin schon ist, so kann sich sicher jeder vorstellen, daß, sollte es jemals zu einer solchen Entscheidung kommen, dies für den Fortbestand des Österreichischen Pinschers nicht sehr vorteilhaft wäre.

Robuste Hunde
Doch im Moment ist es um die Gesundheit unserer Pinscher noch gut bestellt. Diese Hunde haben eine sehr robuste Konstitution, neigen nicht zu Verdauungs-, Fell- und Haut-, Ohr- oder Augenproblemen und sehen ihren Tierarzt meist nur zu den jährlichen Wiederholungsimpfungen.
Da unsere heutigen Österreichischen Pinscher nur von wenigen Ursprungstieren abstammen und somit relativ eng verwandt sind, wurden und werden auch heute noch, um die Vitalität zu erhalten und Inzucht zu vermeiden, Mischlinge bzw. Ö-Pinscher unbekannter Herkunft, die von einem Spezialrichter zuvor auf Formwert und Wesen eingehend überprüft werden, zur Zucht eingesetzt. Trotz allem blieb jedoch auch der Österreichische Pinscher von Erbfehlern nicht ganz gefeit: Vereinzelt treten Zahnfehlstellungen und Probleme mit dem Bewegungsapparat (Hüftdysplasie, Patellaluxation) auf. Im Durchschnitt werden Pinscher etwa 13 Jahre alt, aber auch ein 15-17 jähriger „Österreicher” ist keine Seltenheit.

Ich will einen Pinscher
Sind Sie nun neugierig geworden? Dann sehen Sie sich am besten einige Exemplare dieser alten österreichischen Rasse an! Bei der Auswahl des Welpen sollten Sie sich nicht allein auf Farbe und Aussehen des Tieres konzentrieren, sondern sich auch vom Züchter beraten lassen, ob die Charaktereigenschaften Ihres Favoriten mit Ihrer Familienstruktur harmonieren.
Das Schicksal, zum Modehund zu verkommen, wird dem Österreichischen Kurzhaarpinscher wohl erspart bleiben. Es bleibt aber zu hoffen, daß dieser lustige, naturbelassene beste Freund des Menschen auch künftig in Land und Stadt seine Liebhaber findet.

Noch kein Pinscher-Klub
Zur Zeit gibt es keinen Klub für den Österreichischen Kurzhaarpinscher. Beim ÖKV übernimmt das Referat für Österreichische Rassen die Betreuung des „Österreichers”. Seit vielen Jahren kümmert sich die Familie Mangold, die man als Retter des Österreichischen Pinschers bezeichnen kann, um die Welpenvermittlung, die Herausgabe des „Pinscherboten” (Informationsblatt für alles was den Ö-Pinscher betrifft; erscheint 4 x jährlich) und die Organisation der jährlich stattfindenden „Pinschertreffen”.

Pinschertreffen am 26.9.1999
Das heurige Pinschertreffen, das zwanzigste an der Zahl, findet am Sonntag den 26. September auf der Schallaburg bei Melk statt (Treffpunkt: 13 Uhr am Parkplatz). Wer Interesse am Österreichischen Pinscher hat, ist herzlich eingeladen vorbeizuschauen. Außerdem wird es auch bei der Bundessiegerausstellung in Tulln am 2./3. Oktober einen Infostand des Österreichischen Kurzhaarpinschers geben.

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Haltung, Pflege, Fütterung

An seine Haltung stellt der „Österreicher” keine großen Ansprüche. Er fühlt sich bei physischer und psychischer Auslastung sowohl im Einfamilienhaus mit Garten, als auch in einer Stadtwohnung und selbstverständlich am Bauernhof „pinscherwohl”. Ein Minimum an Zeit erfordert die regelmäßige Fellpflege: 1 x wöchentlich (mit Ausnahme des Haarwechsels) bürsten ist bei der kurzstockhaarigen Variante ausreichend.
Die Fütterung gestaltet sich ebenfalls recht unkompliziert: Die wenigsten Pinscher sind mäkelig, ab der Lebensmitte muß man aber auf ihre Figur achten.
Nicht geeignet ist der Ö-Pinscher für inkonsequente Menschen, für solche, die einen „hündischen” Untertan wünschen und für lärmempfindliche Personen.

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Das Aussehen

Der „Österreicher” ist ein mittelgroßer, rumpfiger und stämmiger Hund mit lebhaftem, wachsamen Wesen.
Sein Kopf erinnert im Umriß an eine Birne, die Schläfen und Kaumuskulatur ist gut ausgebildet und der Stirnabsatz deutlich ausgeprägt. Der Fang ist kräftig und sollte etwas kürzer als der Oberkopf sein. Hündinnen haben meist einen etwas zierlicheren Kopf. Die Augen sind rundlich, gerade eingesetzt und gut pigmentiert. Der Nasenspiegel ist groß und dunkel pigmentiert. An Ohrformen kommen vor: Kippohren, Knopfohren, Rosenohren, Flatterohren und Stehohren. Die zwei letzteren allerdings sehr selten. Das Scherengebiß stellt die erwünschte Form dar, es kommt aber auch das Zangengebiß vor. Der Hals ist kurz bis mittellang und kräftig.
Der Rumpf mit Rücken, Lende und Kruppe sollte breit, kräftig, gut bemuskelt und weder zu abschüssig noch zu waagrecht sein. Die Brust ist ebenfalls breit, sehr tief und tonnenförmig gewölbt. Die Vorbrust ist gut ausgeprägt.
Die Vorder- und Hintergliedmaßen sind gut gewinkelt, die Pfoten geschlossen, mit aufgebogenen Zehen und kräftigen Krallen.
Die Rute ist hoch angesetzt und wird meist über dem Rücken getragen. Der Grad der Ringelung kann von der Posthornrute bis zu einem leichten Bogen variieren.
Die Höhe wird im Standard mit 35 -50cm angegeben, die meisten Pinscher sind heute aber 46 +/- 4cm hoch.
Fell und Farben: Es kommen sowohl Kurzstockhaar als auch Langstockhaar (seltener) vor und den Österreichischen Pinscher gibt es in folgenden Farben: semmelgelb, fahlgelb, braungelb, hirschrot, wildfarben, schwarz und braun mit braunen und weißen Abzeichen.

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Kontaktadressen:
– Brigitte Mangold, Oberschildbach 6, A-3232 Bischofstetten, Tel.: 02748/81 22
– Christine Arhant, A-3073 Stössing 31, Tel.: 02744/74 48

WUFF-Internet
Die WUFF-Homepage: http://www.wuff.at

Links zum Ö-Pinscher:
http://berg.heim.at/almwiesen/410004/
Eine sehr gute und ausführliche Homepage mit Züchteradressen, Welpenseite, Ausstellungsergebnissen usw.
http://www.marripyt.dk3.com/
Eine Seite von dänischen Züchtern auf dänisch und englisch
http://www.geocities.com/Petsburgh/Fair/2975/index.htm
Eine Seite von österreichischen Züchtern mit Pinschereignungstest, Geschichte des "Österreichers" usw.

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