Der Rassehund: Irrwege der Schauzucht und ein Weg zur Lösung

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Wozu das derzeitige System der Hundezucht (vorwiegend sog. Schönheits- oder Schauzucht)
mit den zunehmenden Erbkrankheiten und Qualzuchten geführt hat, ist bekannt und mittlerweile schon Thema der Tagespresse. Was früher nur Hundebesitzer betraf, hat den Weg in die breite Öffentlichkeit gefunden. Seit vielen Jahren weist Dr. Hellmuth Wachtel schon – nicht zuletzt auch in WUFF – auf die ursächlichen Probleme hin und schlägt Lösungen vor. In diesem Artikel stellt der anerkannte Hundefachmann eine entscheidende Systemänderung  vor, für die es sich zu kämpfen lohnt – im Sinne unserer Hunde!

Das heutige Zuchtsystem unserer Familien- und Gesellschaftshunde geht auf das Jahr 1859 zurück, als in Großbritannien die erste Hundeausstellung stattfand. 1873 wurde der britische Kennel Club als zentraler Zuchtverband gegründet und Zuchtbücher und Hundeaus­stellungen zur Kontrolle der Rein­rassigkeit eingeführt. Großbritannien erwarb sich so eine Vorrangstellung in der Hundezucht, wie schon zuvor in der Nutztierzucht.

Die Situation der Rassehunde war jedoch damals eine andere als heute. Mit Ausnahme der sog. Gesellschaftshunde (meist Zwergrassen) waren die meisten Hunderassen damals im Wesentlichen ­Gebrauchshunde für die Jagd oder den Dienst bei der Herde. Daher wurden auch nur dafür geeignete Hunde zur Zucht ver­wendet (Selektion auf ­Leistung), und die damals aufgestellten Rasse­standards beschrieben den Körper­bau so, wie er jeweils für die ­spezielle Arbeitsleistung einer Rasse am ge­eignetsten war, was im Aus­­stel­lungs­­ring als „soundness“ bezeichnet wurde.

Doch in der nun eingeführten „Schauhundezucht“ ging es bald nicht mehr so sehr um die Leistung, sondern vielmehr darum, wie ein Hund aussah, also um die Schönheit – oder was die Liebhaber dafür hielten. Äußere Erscheinungsmerkmale wurden in der Hundezucht dominierend, denn nun begannen sich die Verhältnisse bald grundlegend zu ändern. Bald setzte man viele Hunderassen nicht länger für Arbeiten ein, sondern sie wurden zu Familienhunden, auch Gesellschaftshunde (Pets) genannt. Bei den Hunderassen, die auch weiterhin für die Arbeit gezüchtet wurden, bildeten sich dann – neben diesen „Arbeitslinien“ – sog. „Schau- oder Schönheitslinien“ heraus. Letztere waren für die Arbeit dann nur mehr bedingt oder gar nicht mehr einsetzbar, denn alle Fähigkeiten vermindern sich oder gehen verloren, wenn sie nicht weiter selektiert werden. 

Ein schweres Versäumnis
Hier müssen wir nun auf etwas aufmerksam werden: Bei der Auf­stellung des neuen, aus Großbritannien kommenden Zuchtsystems wurden die Hunde durch einen Richter auf Ausstellungen nach ihrem äußeren Erscheinungsbild beurteilt. Man hat aber dabei nicht bedacht, wie es sich auf die Gesundheit und Arbeits­fähigkeit der Hunderassen auswirken würde, wenn ihre Verwendung in der Hundezucht nur noch durch eine äußere Beurteilung im Schauring bestimmt wird. 

Aber schon bald hatte die ­Beurteilung im Schauring nicht mehr un­bedingt nur mit den rassetypischen Eigenschaften und Merkmalen zu tun, ­sondern zunehmend mit dem Geschmack und den Vorlieben des Richters. Das heißt, die Bewahrung des überlieferten „Werkes“ früherer Züchtergenerationen war fortan nicht mehr gewährleistet, sondern nun begannen Veränderungen nach dem Geschmack der Richter.

Beginn der Qualzucht
Diese Art der Bewertung im Ausstellungsring führte dann in den letzten Jahrzehnten bei nicht wenigen ­Rassen zur sog. Qualzucht, also einer zu Schmerzen und Leiden führenden Veränderung. Die Hunde waren also nicht einmal mehr vor schädlichen anatomischen Veränderungen, Übertreibungen und Auswüchsen des Geschmacks der Richter geschützt. Kurze Beine wurden immer kürzer, lange Haare immer länger, kurze Schnauzen immer kürzer usw. So kam es zunehmend zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie bspw. zu ­Einschränkungen im Bewegungs­apparat und beim Atmen.

Dazu verschärfte sich nun das Problem der sog. Inzuchtdepression ­(Senkung von Vitalität und ­Gesundheit einer Rasse durch die Inzucht). Durch die neue Art der Hundezucht nach „Schönheit“ wurden natürlich die­jenigen Hunde in der Zucht bevorzugt, die nun dem neuen, im Ausstellungsring hoch bewerteten Typ ent­sprachen. Die jetzt favorisierten Rüden wurden dadurch vermehrt in der Zucht ein­gesetzt. So ­produzierten immer weniger (hochprä­mierte) Rüden einen immer größeren Teil der Nachzucht einer Rasse. Bald bestand so ein Teil nur mehr aus Halbgeschwistern, was bei weiterer Verpaarung in den folgenden Generationen zur weiteren Erhöhung des Inzuchtkoeffizienten einer Rasse führte. Der Inzuchtkoef­fizient ist ein Maß für das Inzuchtniveau und den damit verbundenen Verlust an genetischer Vielfalt.

Die Bedeutung genetischer Vielfalt
Ein Ergebnis dieser Veränderung war bald das Auftreten immer neuer Erbkrankheiten, die von den bevorzugten und daher häufig eingesetzten Deck­rüden in den Rassen vererbt wurden. Besonders schädlich wirkt es sich aus, wenn dabei ein wichtiger Faktor der Immun­abwehr des Organismus, der MHC (Major Histocompatibility ­Complex), an genetischer Variabilität verliert. Dieser komplizierte genetische Schutzfaktor schützt die Hunde einer Rasse vor den unzähligen Krankheitserregern in der Umwelt. Die Selektion auf Arbeitsleistung hingegen favorisiert wertvolle Genformen (Allele) und hilft so, die genetische Vielfalt zu erhalten. Solange diese Hunde noch „Arbeit“ haben, braucht man sich also um sie und ihre Gesundheit meist ­keine allzu großen Sorgen machen. Wenn auch bei den Arbeitsrassen oft eine Bewertung im Ausstellungsring eine Rolle spielt, so doch nicht die ausschließliche.

Gefährdete Hunderassen
Populationsgenetische Maßnahmen zur Erhaltung unserer Hunderassen sind heute vordringlich! (siehe Kasten auf Seite 52) Vor allem Rassen mit kleiner Population sind besonders gefährdet. Hier wäre die Einkreuzung einer verwandten Rasse eine oft notwendige Maßnahme. Doch der Widerstand dagegen ist stark, selbst in Fällen wie dem Nova Scotia Duck Tolling Retriever (Toller). Diese kleine Retrieverart ist so stark ingezüchtet, dass alle Hunde untereinander genetisch bereits so verwandt sind wie Geschwister (siehe A. Däuber, „SOS Rassehund“, WUFF 7/2010 und „Von der Domestikation zur Deformation“, WUFF 10/2010).

Ein anderer krasser Fall totalen Un­verständnisses ist der Dalmatiner. 
Hunde dieser Rasse leiden gehäuft an Taubheit und Harnsteinen. Heute gibt es bei dieser Rasse eine Linie, die durch Kreuzung mit einem Pointer (einer nah verwandten Rasse) von der ­letzteren Krankheit befreit ist. Obwohl der Anteil des Pointers bei diesen Dalmatinern heute nur noch 1% ausmacht und die Tiere von den anderen ­Dalmatinern auch nicht mehr zu unterscheiden sind, weigern sich die Zuchtvereine noch immer, ­diese – aus ihrer Sicht – „Mischlinge“ an­zuerkennen, wenngleich sich eine gewisse Bewegung in dieser Sache heute anzubahnen scheint.

Der Widerstand nimmt zu!
Denn der Widerstand gegen die derzeitige horrende Situation in der Hunde­zucht mit ihren schon in der Tagespresse kritisierten ­Auswüchsen wird stärker. In den USA haben die Hundezüchter bereits mit radi­kalen ­Tierschutzbewegungen zu kämpfen, die die Haltung von Haus­tieren überhaupt ablehnen. In Großbritannien, der „Mutter der Hunde­zucht“, hat die ­Veröffentlichung des BBC-Dokumentarfilmes PDE ­(„Pedigree Dogs Exposed“, d.h. ­Rassehunde bloßgestellt) 2008 immerhin erstmals zu einem bedeutsamen Umdenken selbst bei dem für die internationale Hundezucht so gewichtigen, bisher ultrakonservativen British Kennel Club geführt (siehe H. Wachtel, „Hundezucht: Die größte Veränderung seit 100 Jahren“, WUFF 3/2009). Dieser Dokument­arfilm wurde inzwischen bereits in 20 Ländern gezeigt und ist auch auf You Tube zu sehen.

Erst jetzt also versucht man – sehr spät – dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. In Deutschland und Österreich gibt es zwar bereits das gesetzliche Verbot der Qualzucht, doch in Wahrheit ist es bisher „totes Recht“ und wird es wohl bleiben. Dies des­wegen, weil für die Landwirtschaft und Nahrungsmittel­industrie hochproduktive, aber billige Fleischtiere sehr wichtig sind, was sich aber manchmal nur durch Qualzucht dieser Nutztiere erreichen lässt, wie bspw. Puten, die heute mit so ­großen Fleischmassen im Brust­bereich gezüchtet werden, dass sie nicht mehr stehen können, sobald sie das Schlachtgewicht erreicht haben!

Welpenkauf: Russisches Roulette?
Wenig Erfolg hatten bisher die Be­mühungen, die Zahl der Deckakte von Rüden zu begrenzen, um den dadurch bedingten enormen Verlust an genetischer Vielfalt einzuschränken. Der Grund: Ein auf Hundeausstellungen hochprämierter (und daher in der Hundezucht begehrter) Rüde kann einem Züchter unter Umständen ein beträchtliches Einkommen an sog. Deckgebühren verschaffen. Zwar haben z.B. Deutsche Schäferhunde in Deutschland immerhin ein Decklimit, das aber liegt bei sage und schreibe 80 (!) Deckakten pro Jahr!

Wir sehen, dass das derzeitige System der Rassehundezucht von Gesellschafts­hunden aufgrund der vorwiegend äußeren Bewertung der Zuchttiere im Schauring die betreffenden Rassen nicht mehr vor ­schweren Gefährdungen schützen kann. Wäre schon zur Zeit der Einführung dieses Systems die Populationsgenetik bekannt gewesen, hätte es wohl nicht so weit kommen können. Doch zum großen Pech für die Rassehunde wurden die Grundlagen der Populationsgenetik erst in den 1920er Jahren wissenschaftlich erforscht. Das hat in weiterer Folge dazu geführt, dass sich heute die Rassen der Schauzucht, diese „Pechvögel“, in derselben Situation wie gefährdete Tierarten befinden. Das, obwohl die wissenschaftliche Genetik heute weit genug entwickelt ist, um so etwas zu ver­hindern. Sie haben häufig eine zu geringe genetische Vielfalt, die ­darüber hinaus weiter im Schwinden ist. Schon seit Jahren wird immer wieder auf diese brisante Situation hingewiesen, doch es gibt kaum mehr als bloße Lippenbekenntnisse oder bisher unzureichende Maßnahmen. Viele seriöse Züchter wissen zwar Bescheid und wenden das auch an, doch gegen das System kommen sie nicht an.
 
Systemreform erforderlich
Das System der Schau-Rassehundezucht hat sich also zu Beginn zunächst als ungeheuer erfolgreich ­erwiesen, obwohl es inzwischen auf völlig ­falschen Grundsätzen beruht. Doch nun muss dieses System von Grund auf neu organisiert werden. ­Tierzucht, die unter folgenden ­Kriterien be­trieben wird, muss zwangsläufig zum ­Niedergang führen:
•  Ein System, das einem Schönheitsbewerb entspricht, mit dem Er­gebnis, dass die siegreichen Rüden (und im geringeren Ausmaß die eben­solchen Hündinnen) übermäßig oft zu Zucht verwendet werden, wodurch besonders deren rezessive und  polygenetische ­Erbdefekte in der ­Zuchtpopulation verbreitet werden, und so das Inzuchtniveau erhöht und der Genpool verkleinert wird
• Fehlende grundlegende Gesundheitsorganisation
• Nichtbeachtung der Bewahrung des Genpools durch ein krasses Missverhältnis männlicher und weiblicher Zuchttiere
• Dominanz der sogenannten Linienzuchtmethode (ein züchterischer Ausdruck für weniger intensive Inzucht), die zu einem erheblichen Teil Paarungen von Großvätern und Enkelinnen betrifft (also sogar eine Inzestkombination!)
• Häufiger Wegfall der Vitalitäts- und Fitnessselektion.

Die grundsätzlichen Gefahren der Schauhundezucht sind im Kasten auf Seite 56 zusammengefasst. Das Ergebnis dieses Zuchtsystems führt häufig bei den Hunden zu Problemen wie einem Mangel an Vitalität, Leiden und Schmerzen durch Qualzucht, verringerte Intelligenz und Anpassungsfähigkeit, vermehrte Infektionen und Erbkrankheiten. Hundefreunde tragen ein erhöhtes finanzielles und emotionales Risiko, wenn sie einen Schaurassehund erwerben. Das kann auf die Dauer die Nachfrage nach solchen Rassen vermindern, was dann einerseits deren Existenz gefährdet und andererseits wegen der dadurch verkleinerten Population zur weiteren Erhöhung des Erkrankungsniveaus führt. Tatsächlich aber hat heute das Zuchtsystem, so wie es seit Jahrzehnten betrieben wird, dazu geführt, dass der Erwerb eines Rassehundes wegen der möglichen chronischen Erkrankungen und Erbkrankheiten oft einem Russischen Roulette gleicht. Inzucht hat sich neuerdings als eine Form von genetischem Stress erwiesen, der dem Altern vergleichbar ist. 
 
Der Ringrichter bestimmt die ­derzeitige Hundezucht
Die Beurteilung durch einen ­einzelnen Ringrichter, der oft in ­Minutenschnelle im Ausstellungsring ein Urteil über einen Hund fällen muss, mag das Produkt seiner großen Erfahrung und vielleicht gar ­künstlerischen Vor­stellung von dem idealen Erscheinungs­bild einer Hunderasse sein, wobei langjährige kynologische Erkenntnisse mitspielen mögen. Das Schicksal einer Rasse aber kann man in der Tierzucht so allein zu keinem positiven Ergebnis leiten, wie ja auch die aktuelle Situation des Schaurassehundes zeigt. Und leider, nicht selten war sogar bei so mancher Beurteilung eine gewisse Vorliebe zur Karikierung maßgebend.

Insgesamt ergibt sich daraus: das ­weitere Beibehalten des derzeitigen Systems stellt die Schaurassehunde­zucht immer mehr aufs Spiel. Eine Änderung liegt also im Interesse aller Beteiligten,  also nicht zuletzt dem der Züchtergemeinschaft selbst, die bis jetzt gleich einem von einer Schlange fixierten Kaninchen wie gelähmt der bevorstehenden Gefahr entgegen­geblickt hat. Der Widerstand gegen die derzeitige Form der Hundezucht wird inzwischen immer stärker.  Ist nun die vorgeschlagene Umkehr durchführbar und kann sie wirklich noch zu einem Erfolg führen?

Zwar ist das derzeitige System international so stark verankert, dass ein weltweiter Wandel auf den ersten Blick illusorisch erscheint. Dennoch – ein regionaler Zusammenbruch liegt schon heute im Bereich des Möglichen.  

Eine neue Organisation der ­Hundezucht!
Was also tun? Es liegt letztlich allein an den Hundeliebhabern, den Hunde­züchtern und deren Organisationen, eine neue, auf ethischen und genetischen Grundsätzen beruhende Hundezuchtorganisation aufzubauen. Die Zeit läuft uns davon, denn bloße Lippenbekenntnisse sind jetzt nicht länger mehr tragbar, da manche Experten bereits davon sprechen, dass in naher Zukunft manche Rassen aussterben könnten.

Zwar gibt es bereits viele verantwortungsvolle Züchter, welche die Regeln der Populationsgenetik beachten, doch steht diesen bemühten und verantwortungsvollen Züchtern das heutige vorsintflutliche Zuchtsystem diametral entgegen! Auch wenn durch dieses „Schaurassezucht“-System die Hundezucht dort ist, wo sie heute leider ist, wird dieses System von den Hundezuchtorganisationen bis heute nicht grundsätzlich in Frage gestellt.

Auch von Seiten der Hundebesitzer gibt es in Deutschland keine und gab es in Österreich bis vor kurzem noch keine Organisation (Österr. Hundehalterverband, Anm. d. Red.), die dem Interesse der Hundehalter für ein besseres Gesundheitsniveau ihrer Hunde eine Stimme verleihen könnte. Denn nur so bestünde eine Aussicht auf eine wesentliche Änderung des Systems!  Auch die  Meinung der Hundefreunde, also der „Konsumenten“, müsste in der Hundezucht eine Stimme haben!

Eine mögliche Lösung: ­Kynologisches Fachteam statt nur Einzelrichter
Nur eine konsequente Zucht auf Gesundheit und Vitalität kann ­Besserung erhoffen lassen, die der Auslese entspricht, ähnlich wie sie in der Natur stattfindet. Zwar ist kaum daran zu denken, dass die ­Beurteilung des Erscheinungsbildes keine Bedeutung mehr hätte, sie dürfte aber nicht so einseitig bleiben, und ihr müsste zumindest eine Vitalitäts­selektion vorgeschaltet werden, und sie dürfte nicht so einseitig bleiben! Das heißt konkret, dass der Einfluss des Richtens nach dem äußeren Rassestandard im Ausstellungsring dieser Vitalitäts­beurteilung folgend in die „zweite ­Reihe“ zurückgestellt werden muss. Das Manipulieren mit dem Erscheinungsbild, wie es im Ausstellungsring durch den jeweiligen Geschmack des Richters verursacht wird und schon so oft zur Qualzucht geführt hat, muss ein Ende nehmen.

Dazu sollte der einzelne Ringrichter durch ein dreiköpfiges Fachteam ersetzt werden. Ein solches fach­liches Beurteilungsteam müsste aus einem genetisch ausgebildeten Tierarzt, einem langjährigen erfahrenen Hunde­züchter sowie einem kynologisch versierten Hundefreund bestehen, und vor allem, es dürfte nicht mehr im Ausstellungsring tätig sein. In diesem entscheidenden Team würden also alle Parteien vertreten sein, ­welche durch die Hundezucht betroffen sind und ein Interesse an ­gesunden Hunden haben sollten: Tierärzte, Hundezüchter und Hundehalter. 

Man müsste deshalb Hundeausstellungen nicht abschaffen. Ganz im Gegenteil, man könnte diese zu Publikumsvorstellungen aufwerten, bei denen man die ausgestellten Hunde auch anders präsentieren könnte als – so wie derzeit im Ausstellungsring üblich – nur ruhig dazustehen und ein paar Mal im Kreis herum­geführt zu werden. Auf solchen Ver­an­stal­tungen könnte man auch weitere Infor­mationen über die ausgestellten ­Hunde geben, wie bspw. Ergebnisse von Sport- und Wesensprüfungen und dgl.

Ein lohnendes Ziel
Rassehunde haben eine große, emotionell stark an sie gebundene Anhängerschaft, die sich leider vielfach an die vorhandenen Probleme bei hochgezüchteten Hunden, als vermeintlich unvermeidbar, bereits gewöhnt hat. Doch das sind sie keineswegs, eine entscheidende Besserung ist möglich! Ein Ziel, das anzustreben sich lohnt.    

Das vorgeschlagene Schema des neuen Bewertungssystems in der Hunde­zucht könnte m. E. erstmals beide beteiligten Lager, die Züchtergemeinschaft einerseits und die Hundebesitzer und Liebhaber andererseits, in der gemeinsamen Sache zum Wohl des Rassehundes zusammenbringen. Vielleicht entsteht so ein grundlegend erneuertes System der Hundezucht, als das Ergebnis der Wünsche der Hundeliebhaber, der Fähigkeiten der Züchter und des Wissens der Ethologen, Zoologen Kynologen, Veterinärmediziner und Genetiker! Auch die Wissenschaft, die sich mit der Erhaltung der Biodiversität befasst, sollte wegen ihrer Kenntnisse in der Rettung aussterbender Arten mit vertreten sein. Zwar ist der Hund gewiss nicht vom Aussterben bedroht, wohl aber sind nicht wenige Rassen stark gefährdet. Es ist wichtig zu wissen, wie man den Genvorrat gefährdeter Hunderassen unter Vermeidung von Risiken ergänzen kann. Die zu schaffende Hundezuchtorganisation sollte in jährlichen Zusammenkünften die Ergebnisse mit dem neuen System diskutieren und für die weitere Tätigkeit bewerten.   

Mit der Konzentration des Zucht­systems auf die große Aufgabe, den Hunderassen wieder genetische Vielfalt zu vermitteln, um ihre vielfältigen Fähigkeiten zu optimieren, die Krankheiten zu reduzieren und sie vom genetischen Stress, der die Inzucht darstellt, weitestgehend zu entlasten, erfüllen wir die Wünsche vieler Menschen, die sich dann um ihre Lieblinge viel weniger Sorgen machen müssten.    

Der Hund ist ein dem Menschen so nahestehendes und in vieler Hinsicht wichtiges Haustier, dass sein Wohl und Wehe in der derzeitigen Situation in die Hände aller damit ­Beteiligten gelegt werden müsste, für eine gemeinsame Bereinigung der bestehenden und drohenden Probleme. Und dafür ist es wert zu kämpfen!

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