Der Riesenschnauzer – Kein Hund für Jedermann

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Früher sah man mehr Riesenschnauzer auf Hundeplätzen als heute. Und als Gebrauchshund ist er schon lange aus der Mode gekommen, obwohl er wirklich seinen Hund stehen kann …
Der ­Riesenschnauzer ist ein Hund, der sehr an ­seinen ­Besitzer bzw. seine ­Familie ­gebunden ist und ihnen dadurch viel Freude macht. ­Zugleich aber sind die ­Haltungsbedingungen nicht so, dass er für Jedermann geeignet wäre. Als Gebrauchshund fordert er nämlich Auslastung und sein Fell braucht aufwändige Pflege.

 

Der Riesenschnauzer ist der jüngste Spross der großen Schnauzer- und Pinscher­familie, wobei der Verwandtschaftsgrad zwischen einem Riesen- und einem Zwergschnauzer nicht größer ist als zwischen einem Pudel und einem Schnauzer. Der Riesenschnauzer ist eine deutsche Rasse, die ursprünglich oft auf Bauernhöfen im süddeutschen Raum zu finden war. Heute ist der Riesenschnauzer das vergrößerte Abbild des Mittelschnauzers, so wie der Zwergschnauzer dessen verkleinertes Abbild ist.

 

Wie alles begann
Mit der planmäßigen Züchtung soll um 1913 begonnen worden sein, den ­ersten Hinweis auf einen riesenschnauzerartigen Hund gab es auf einem Gemälde von 1850 (s. Räber 1995). Die einschlägige Literatur berichtet, dass seinerzeit ungarische Hirten, die Vieh nach Süddeutschland getrieben haben, große, schwarze, strupphaarige Hunde mitbrachten, die sie ab und zu an Bauern verkauften. Ob daraus aber ein Zusammenhang osteuropäischer Hirtenhunde mit dem Riesenschnauzer abgeleitet werden kann, ist zweifelhaft.

 

Großformat
Der Riesenschnauzer ist mit einem robusten Fell ausgestattet, das laut Rassestandard schwarz oder grau gesprenkelt (pfeffersalz) sein darf. Er hat einen eher ­quadratischen Körperbau, der groß, kräftig und respekteinflößend sein soll. Der kräftige Kopf mit den langen Augenbrauen und dem typischen Bart soll zum Körper passen. Ein V-förmiges Klappohr ist hoch angesetzt, die Rute ist naturbelassen. Riesenschnauzer sind sehr robuste und muskulöse Hunde. Die Größe variiert von 60 bis zu 70 cm. Sie erreichen ein Gewicht von ca. 35 bis 50 kg. Wie bei den meisten großen Hunderassen weist auch der Riesen­schnauzer eine erbliche Disposition für Hüftdysplasie auf.

 

Sehr halterbezogen
Liebhaber und Züchter schätzen seine Charaktereigenschaften. Der Riesen­schnauzer ist ein Hund, der sehr auf seinen Halter bzw. seine Familie be­zogen ist und Fremden gegenüber neutral bis reserviert reagiert.

 

Seit 1925 wird er als Polizei- und Diensthund verwendet und zählt somit zu den sog. Gebrauchshunderassen. Als weitere typische Wesenszüge des Riesenschnauzers werden sein ausgeglichenes Wesen und eine sehr große Anhänglichkeit gegenüber seinen Menschen genannt. Aufgrund seiner Ausdauer, Schnelligkeit und angeborenen Belastbarkeit soll er sich gut zum Begleit-, Sport-, Gebrauchs- und Diensthund eignen, wenngleich er in den letzten Jahren im Hundesport etwas „aus der Mode“ gekommen ist. Einer der Gründe, die dafür genannt werden, ist die Tatsache, dass der ­Riesenschnauzer nicht so unterwürfig sei wie manch anderer Gebrauchshund. Aus diesem Grund müsse er aber auch konsequent und gleichzeitig sensibel und mit Fingerspitzengefühl geführt werden, heißt es.

 

Der Riesenschnauzer ist eindeutig kein Couch-Potato, sondern braucht viel Bewegung und Beschäftigung, ­gleichzeitig aber auch seine Ruhe­pausen. Wer kein Interesse am klassischen Hundesport hat, muss seinen Riesenschnauzer unbedingt anders beschäftigen, wie z.B. mit Nasenarbeit oder Joggen.

 

 

Der Riesenschnauzer aus der Sicht der Hundetrainerin
von Liane Rauch

 

Starker Schutztrieb
Der Riesenschnauzer besitzt einen ausgeprägten Schutztrieb, den man nicht unterschätzen soll. Alle Schnauzer, die ich bisher kennengelernt habe, egal welcher Schlag, zeigten stark territoriales Verhalten und eine extrem große Selbstsicherheit. Der Schnauzer ist eine der neun von der FCI anerkannten Gebrauchshunderassen und wurde früher gerne bei der Polizei und als Militärhund eingesetzt. Heute sieht man diese Rasse nur noch äußerst selten „im Dienst“, da sie wie andere Gebrauchshunderassen auch, unter erblich bedingten Schäden leidet, die einen Einsatz nicht immer möglich machen. Überhaupt sieht man diese imposanten Hunde heute nur noch sehr selten, was schade ist, sind sie doch wunderbare Begleiter.

 

In Temperament und Bewegungsdrang steht der Große seinen kleinen Verwandten in nichts nach. Wegen seines großen Gewichtes sollte man bei diesem Schnauzer-Schlag auf jeden Fall standfest sein, denn diese Hunde haben keine Berührungsängste. Sie rempeln, schieben und schubsen für ihr Leben gerne. Riesenschnauzer sind außerordentlich lauffreudige Hunde, wurden sie in ihrem Ursprung schließlich als Treibhund eingesetzt, der das Vieh über lange Strecken vorwärts treiben sollte. Der Schnauzer liebt ­ausgedehnte Wanderungen, Rad­touren und lange Spaziergänge.

 

Rettungshund & Mantrailer
Gut geeignet ist der Schnauzer, ­vorausgesetzt er ist gesund, als ­Rettungshund und Mantrailer. Sein außerordentlicher Geruchssinn lässt ihn in diesem Bereich ­hervorragende Leistungen erbringen. Sein wetter­festes Fell schützt ihn auch bei schlechtes­tem Wetter. Selbstverständlich diese Arbeit bitte nur in fachmännischen Händen betreiben. Denn leider gibt es, vor allem beim Mantrailing, inzwischen viele sog. Trittbrettfahrer, die auf die gerade in diesem Bereich konsequent erforderliche Ausbildung keinen großen Wert legen. So manchen „Freizeit-Rettungshund“ oder „Spaß-Trailer“ möchte ich im Notfall nicht wirklich auf verunglückte Menschen loslassen. Hier geht es um Menschenleben, und die im Rahmen eines Hundesports ausgebildeten Hunde erfüllen nicht automatisch auch den Anspruch, den ein Hund bei dieser Arbeit haben muss.

 

Grundsätzlich könnte man den Riesen­schnauzer in allen Bereichen des Hundesports einsetzen. Sportarten wie z.B. Agility und Dog-Frisbee sollte man nur mit Riesenschnauzern ohne HD oder ED betreiben und mit solchen Tieren, die nicht zu groß und zu schwer sind. Für Agility sollte eine ungefähre Grenze von 65 cm Schulterhöhe und ein Gewicht von 30 kg gelten. Größere und schwerere Hunde sollten nicht zu viel springen, da es definitiv nicht gesund für die Schultergelenke der Hunde ist.

 

Grundgehorsam
Eine ordentlich aufgebaute Grunderziehung setze ich für JEDE Rasse voraus, bei einem Gebrauchshund wie dem Schnauzer ist sie aber oberstes Gebot! Die meisten Hunde dieser ­Rasse, die ich kennengelernt habe, waren als Begleithund, ohne große sportliche Ambitionen, voll und ganz zufrieden. Luna, eine ­wunderschöne, pechschwarze Hündin, ist mir am ­besten im Gedächtnis geblieben. Sie lebte völlig problemlos und zufrieden in einer Familie mit zwei Kindern, einer Katze und drei Meerschweinchen. Vormittags war sie mit Frauchen gemeinsam zu Hause, nachmittags spielte sie mit den Kindern. Nur abends gab es immer wieder kleine Diskussionen. Luna sollte eigentlich im ­Wohnzimmer schlafen, die Tür zur Diele nachts geschlossen bleiben. Doch Luna war da anderer Meinung. Mit ausdauernder Sturheit zog sie ihre Schlafdecke, die Frauchen ins Wohnzimmer legte, immer wieder in die Diele. War die Tür zur Diele geschlossen, verlieh sie ihrem Unmut lautstark Ausdruck, MIT Decke im Fang. Ein Hundetrainer sagte der Familie, daran müsse gearbeitet werden, sonst würde Luna noch dominanter werden. Die Familie konnte mit diesem „Problem“ aber gut leben, und Luna wurde dadurch auch in anderen Bereichen keineswegs dominant. Luna durfte dann doch in „ihrer“ Diele glücklich werden. Ein Schnauzer hat eben seinen eigenen Kopf.

Die Fellpflege des Schnauzers, egal welcher Schlag, ist sehr zeitauf­wändig und teuer. Alle Schnauzerschläge müssen wenigstens 3 – 4 Mal im Jahr getrimmt werden.

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