Der Scottish Terrier – Gentleman im Frack

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2032

Er sei der Gentleman unter den Terriern, sagen Freunde dieser Rasse. Andere nennen ihn – liebevoll – einen „mürrischen General“. Am bekanntesten ist er aber durch die Verwendung als Werbeträger für einen Scotch Whisky: der Scottish Terrier.  Im Folgenden einige Notizen zur Rasse.

Schon sehr alte Quellen, wie die Bücher von Jacques du ­Fouilloux (La Venerie, 1561) und Dr. Stevens (The Noble Art of Venerie, 1575 und The Maison ­Rustique, 1572), berichten über einen „Erdhund, gebraucht für die Jagd nach Fuchs und Dachs“. Vielleicht war dieser Erdhund seiner Beschreibung nach ein Vorgänger unseres heutigen Scottish Terriers. Im 17. Jahrhundert, als König James VI. von Schottland James I. von England wurde, schrieb er an den Laird of Caldwell nach ­Edinburgh, dass man ein halbes Dutzend ­Terrier als Geschenk nach Frankreich schicken möge. In diesem Schreiben nannte der König einen Earl of Montieth, der angeblich gute Terrier hätte. Und später schrieb der englische Kynologe Rawdon B. Lee „Der Scottie ist die älteste Varietät einer einheimischen englischen Rasse … Über Generationen war er ein sehr populärer Hund in den Highlands, wo er – seltsam genug – als Skye ­Terrier bekannt war, obwohl er sich von diesem langhaarigen unsportlichen Wesen, das wir heute Skye Terrier nennen, völlig unterschied.“

Zucht nach Leistung
Die Aufgabe, die diesen „Erdhunden“ zugedacht war und für die sie gezüchtet wurden, lag im Jagdwesen, wo sie unter der Erde Raubzeug aufspüren und erledigen sollten. Dementsprechend verfügt der Scottish Terrier über einen kräftigen Körperbau mit kurzen Läufen. Ein wichtiges Einsatzgebiet fand er auch in der Bekämpfung von Ratten auf schottischen Gutshöfen, eine typische Plage in damaliger Zeit.

Jeder hat seinen eigenen wahren Scottie
Beziehen wir uns auf sichere ­historische Fakten über den Ursprung des schottischen Terriers, so kann man feststellen, dass die erste Hunde­ausstellung, auf der die Rasse­bezeichnung Scottish Terrier geführt wurde, 1860 stattgefunden hat. Sicher ist auch, dass 1879 im ­Londoner Alexandra Palace anlässlich einer vom English Kennel Club veranstalteten Ausstellung dreizehn als Scottish Terrier bezeichnete Hunde zu sehen waren. Dokumentiert ist auch 1877 eine Anzahl von Leser­briefen im Live Stock Journal, wo einige Schotten, die auf den Ausstellungen Hunde mit dem Namen „Scottish Terrier“ gewinnen sahen, dagegen protestierten und über Aussehen und ­Charakter des „wahren“ Scottish Terriers diskutierten. Diese Diskussion wurde immer heftiger geführt, sodass sich die Herausgeber des Journals dazu entschlossen, sie mit folgender Aussage zu beenden: „Wir sehen keinen Sinn in der Fortführung dieser Diskussion, wenn jeder Leserbriefschreiber den Hund, den er selbst besitzt, als den einzigen und wahren Typ bezeichnet.“ Captain Gordon Murray nahm die Herausforderung der Diskussion über den wahren Scottie-Typ auf und schrieb einen Leserbrief unter dem Pseudonym Strathbogie. Darin beschrieb er im Detail das Rassekonzept eines Scottish Terriers. Dies beruhigte die Wogen und um 1880 schrieb J.B. Morrison einen Rassestandard, der von allen akzeptiert wurde. 1882 wurde der Scottish Terrier Club of England als Spezialrasseclub gegründet.

Der „Whisky-Hund“
Mit dem Scottie wird zumeist die Farbe Schwarz assoziiert. Vielleicht deshalb, weil die meisten ­berühmten Scotties schwarz waren oder aufgrund der Verwendung eines ­schwarzen Exemplars dieser Rasse als Sujet in der weltweiten Werbung für den Black-and-White-Scotch. Tatsächlich aber gibt es den Scottish Terrier in mehreren Farbschlägen, neben Schwarz auch in Weizenfarben und gestromt. Nur Weiß ist nicht die Farbe des Scotties, sondern die seines Verwandten, des Westhighland White Terriers.

Mürrischer General?
Man nennt den Scottish Terrier auch einen „mürrischen General“, was wohl durch seine betonten Augenbrauen bedingt ist. Gegenüber Fremden ist der Scottie zurück­haltend und durch sein stark territorial orientiertes Verhalten gibt er einen recht guten Wachhund ab. Das Terrierwesen in ihm verleiht ihm starkes Selbst­bewusstsein, vor allem auch anderen Hunden gegenüber, sodass eine ­liebevolle, aber sehr konsequente Erziehung vom Welpen­alter an ­unabdingbar ist! Ist er ­erwachsen, strömt er in den Augen vieler ­Hundefreunde eine Art von Würde aus, weshalb man ihn auch den ­„Gentleman unter den Terriern“ nennt. „Weicher Kern in ­rauer Schale“ ist ebenfalls ein Ausdruck, den man dieser Rasse nachsagt. Der Schotte will nicht jedermann gefallen, so wie etwa ein Golden Retriever, sondern will mit seinen Eigentümlichkeiten angenommen werden, wie er ist. Eigentümlichkeiten wohlgemerkt, nicht Ungezogenheiten! Darauf legen die Freunde dieser Rasse großen Wert. Alles eine Sache der Erziehung, heißt es. Abschließend zu diesem Thema ein Zitat des Zoologen Dr. Theodor Haltenorth, der das Scottiewesen in einem kleinen Büchlein (Rassehunde-Wildhunde) wie folgt beschreibt: „Temperamentvoll, klug, gelehrig, etwas eigensinnig, treu, anhänglich, wachsam, schneidig und wetterhart“.

Haarkleid und Pflege
Wer nicht bereit ist, einen gewissen Zeitaufwand für die regelmäßige Pflege seines Vierbeiners aufzubringen, dem ist vom Erwerb eines Hundes abzuraten. Der Scottie will täglich gekämmt und gebürstet werden, damit das Haarkleid nicht verfilzt. Zur Fellpflege gehört auch das Trimmen, das im Alter von 5-6 Monaten erstmals durchgeführt wird und danach mehrmals im Jahr, je nach Geschwindigkeit des Haarwuchses. Meist lässt man dies von Spezialisten durchführen, bei den Rasseklubs ­(siehe Infokasten am Ende des Artikels) bekommen Sie weitere Tipps zu diesem Thema.

Ist der Scottie kupiert?
Manche glauben, die spitzen, aufrecht stehenden Ohren und die kurze aufrechte Rute seien kupiert. Nichts von alledem: Reinste Natürlichkeit ist das beim Scottie. Da war keine Schablone, kein Kupiermesser, keine Schere dran, sondern dies gehört in den Bereich des „art of breeding“, der Kunst der Hundezucht.

Leben mit dem Scottie
Aufgrund seiner Kurzläufigkeit ist der Scottish Terrier kein idealer Jogging- oder Marathonpartner, aber umso mehr ein wunderbarer Begleiter bei auch langen Spaziergängen und Wanderungen. Dabei sollten Sie aber immer auf seinen Jagdinstinkt ­achten. Dies auch, wenn Ihr Nachbar eine ­Katze hat.

Er ist ein recht außergewöhnlicher Hund, der seine Zuneigung nicht immer so deutlich zeigt, wie man es gerne haben würde, was aber nicht bedeutet, dass sie nicht vorhanden wäre. Die terriertypische Neugier liegt ihm ebenfalls im Blut und eine fremde Umgebung ist ihm geliebte Herausforderung. Der Ausdruck „power in a small package“, frei übersetzt mit „kleines Kraftpaket“, besteht nicht zu Unrecht, denn er betrifft nicht nur seinen Körper, sondern auch seine Psyche. Ein Büchlein der 1950er ­Jahre versichert, dass dem Scottie trotz seiner „Verstädterung“ die Grabfreude und Raubzeugschärfe geblieben sei, ihn sein Charakter aber auch zu einem angenehmen, wachsamen Wohnungs- und Begleithund mache, der „Haus und Hof jederzeit ratten-, mäuse- und katzenfrei hält“.

HINTERGRUND

Die Gesundheit des Scotties

Der Scottish Terrier ist ein robuster Hund. Im Vergleich zu manch anderer Hunderasse finden sich ernste Erbkrankheiten relativ selten. Dass dies auch so bleibt, liegt in der Hand des seriösen bemühten Züchters. In der einschlägigen Literatur werden folgende genetisch bedingte Erkrankungen beim Scottie beschrieben.

Der „Scottie Cramp“ ist ein plötzlich auftretender Krampf (Spasmus), wobei die Glieder, der Rücken und die Rute plötzlich völlig steif werden. Dieser Krampf wird durch Stress-Situationen wie Jagen, Raufen, Anstrengung u.a. provoziert. Der Hund verliert dabei nicht das Bewusstsein und hat auch keine Schmerzen. Ursächlich ist wahrscheinlich eine genetisch bedingte Serotonin-Stoffwechselstörung im Zentralen Nervensystem. Sobald der Stimulus verschwindet, wird alles wieder normal. Die Erkrankung beeinträchtigt nicht das übrige Leben des Scotties und wird auch mit dem Alter nicht schlimmer. Eine medikamentöse Behandlung des „Scottie cramps“ ist selten erforderlich und wenn doch, dann nur bei schweren Fällen.

Von Willebrand‘s Disease (VWD) ist eine autosomal vererbte Erkrankung, die bei Menschen, Schweinen, Hasen und Hunden auftritt und die ­normale Blutgerinnung beeinträchtigt. Mit einem einfachen DNA Test lässt sich VWD heute nachweisen. Folgen der VWD sind demnach verlängerte ­Blutungszeiten bei allen Verletzungen und Operationen.

Weitere berichtete Erbkrankheiten sind Schilddrüsenprobleme (Über- oder Unterfunktion), Epilepsie und die craniomandibuläre Osteopathie (CMO). Letzteres Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch ein abnormales Wachstum des Unterkiefers zwischen dem 4. und 7. Lebensmonat. Glück­licherweise lässt sich die CMO in ­dieser Phase vom Tierarzt therapeutisch sehr gut beeinflussen.

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