Der Weg zum perfekten Hundefoto – Tipps und Tricks von der Profi-Fotografin

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Viele glauben, dass eine teure Kamera automatisch dazu führt, dass Fotos besser werden. Das ist jedoch nicht der Fall. Das Aller­wichtigste ist vielmehr, dass man mit seiner Kamera umgehen kann, die Zusammenhänge der Technik versteht und den Blick schult. Tipps und Tricks für das perfekte Hundefoto.

Für Anfänger empfehle ich für den Einstieg in die Fotografie erst einmal eine einfachere Ausrüstung anzuschaffen, um sich mit der Technik vertraut zu machen. Profikameras haben ein sehr umfangreiches Leistungsspektrum, das Anfänger nämlich sehr oft völlig überfordert. Wenn man weiß, was einen später dann als Fotothema besonders interessiert, und wenn man etwas geübter ist, kann man Stück für Stück aufrüsten. Dann ist es auch sinnvoll, in ein gutes Objektiv zu investieren. Gute Objektive sind zwar teuer, aber lieber ein sehr gutes Objektiv als viele Fehlkäufe, denn das wird mit der Zeit auch einiges an Geld verschlingen. Ich nutze für die Hundefotografie u.a. ein 70-200mm Tele Zoom Objektiv.

Jeder der eine Kamera besitzt, die manuelle Einstellungen zulässt, kann seine Ergebnisse schon um Längen verbessern! Schon mit ein paar ein­fachen Tricks, wie sie im Folgenden vorgestellt werden, erzielen Sie ­bessere Ergebnisse.

Fotografieren Sie Ihren Vierbeiner immer auf Augenhöhe
Generell gilt beim Fotografieren von Hunden die Regel „immer auf Augenhöhe“. Grundsätzlich stimmt dies auch, doch bei großen Hunden mache ich eine Ausnahme und fotografiere, wenn möglich, auch sehr oft aus einer tiefen Position, das heißt im Liegen oder im Sitzen. Sie wirken dann noch imposanter, majestätischer und das Bild wird spannender.

Entwickeln Sie einen Blick für die Bildgestaltung
Achten Sie beim Fotografieren Ihres Lieblings auch immer auf den Hintergrund! Fotografieren Sie z.B. im den Sommermonaten immer früh morgens oder in den Abendstunden, dann ist das Licht nicht mehr so hart. ­Richtiges Licht kann eine ganz besondere Stimmung erzeugen und ist ein sehr wichtiger Faktor in der Fotografie. Daher kommt es auch darauf an, zu welcher Jahreszeit Sie fotografieren. Der unterschiedliche Stand der Sonne nimmt nämlich sehr großen Einfluss auf die Lichtstimmungen im Bild. Licht hat verschiedene Farben – je nach Tageszeit und Witterung.

Grundsätzlich können Sie bei fast allen Lichtsituationen fotografieren, wobei ich in der Hundefotografie in den Sommermonaten die Mittags­sonne immer meide. Wenn die Sonne im Sommer sehr hoch steht, ist das Licht um die Mittagszeit sehr hart. ­Ungünstige Schatten entstehen und es ist sehr schwer, Lichtreflektionen in den Augen der Hunde zu realisieren. Die Augen werden durch den hohen Stand der Sonne einfach nicht ­optimal ausgeleuchtet. Durch das sehr ­grelle Licht kneifen die Hunde auch die Augen zusammen, weil es sie blendet, und das ist keine gute Voraus­setzung für attraktive Porträts. Achten Sie darauf, dass Sie die Sonne im Rücken haben, es sei denn, Sie möchten bewusst Gegenlichtaufnahmen gestalten.

Achten Sie beim Blick durch den Sucher auch immer darauf, dass der Hund Licht im Auge hat. Ohne ­Lichtreflexe in den Augen wirken Hunde­porträts nicht lebendig. ­Besonders bei Hunden mit sehr ­dunklen Augen macht sich das sehr negativ bemerkbar.

Trauen Sie sich die Automatik zu überwinden
Es gibt Kameramodelle mit Automatik­programmen, z.B. dem „Sportprogramm“. Das Sportprogramm soll für bewegte Motive eingesetzt werden. Ich habe das damals bei meiner ersten digitalen Spiegelreflexkamera auch ausprobiert und die Ergebnisse waren alles andere als zufriedenstellend. Die Kamera regelt natürlich alles auto­matisch. Sie stellt in diesem Programm u.a. auch den ISO-Wert generell auf einen hohen Wert ein, z.B. ISO 400, und das aber auch, wenn Sie an einem sonnigen Tag einen weißen Hund fotografieren möchten! (Der ISO Wert beschreibt die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors). Ein so hoher ISO-Wert wäre also absolut unnötig und würde die Bildqualität, je nach Kameramodell, negativ beeinflussen. Es gibt Kameramodelle, die ab einem ISO-Wert von 400 schon ein unerwünschtes Bildrauschen verursachen. Des Weiteren haben Sie auch keinen Einfluss auf die Fokussierung. Die Kamera entscheidet nach Kontrastumfang und Entfernung des Motives zur Kamera selbst, wo die Schärfe liegt. Sicher haben Sie schon einmal festgestellt, dass Sie bei der Nutzung diverser Automatikprogramme mehrere Fokuspunkte im Sucher sehen, die „wild“ hin und her springen. Und irgendwann hören Sie einen Quittungston , womit die Kamera signalisiert, dass sie etwas gefunden hat, auf das fokussiert werden kann. Nur leider ist es oft nicht das, was eigentlich im Bild scharf abgebildet sein soll. Bei Hundeporträts sieht man sehr häufig, dass die Nase des Hundes gestochen scharf ist, während die Augen schon in der Unschärfe verschwimmen.

Das wird einzig und alleine dadurch verursacht, dass die Kamera sich etwas sehr Kontrastreiches sucht und etwas, das am nächsten an der Linse ist, und das ist dann eben die Hundenase. Wählen Sie also immer ein Fokusfeld manuell aus und platzieren Sie es beim Blick durch den Sucher auf einem Auge des Hundes, um dort die perfekte Schärfe zu erhalten.

Wenn Sie besondere Lichtstimmungen einfangen  wollen, z.B. Ihren Hund im Wald bei wenig Licht fotografieren möchten, werden Sie mit Automatik­programmen keine wirklich guten Ergebnisse erzielen.

Wenn durch die Bäume nur wenig Licht durchscheint, erhalten Sie sehr stimmungsvolle und teilweise mystische Bilder. Diese Belichtung ist eine Herausforderung, der Automatikprogramme nicht gewachsen sind. In einem Programmmodus wird je nach Kameramodell bei wenig Licht u. U. der interne Blitz automatisch ausgeklappt. Nur wenn Sie sich manuell an die richtige Belichtung herantasten, können Sie Ihre Wunschergebnisse umsetzten.
Da die Kamera ja nicht weiß, wo Sie Ihren Schärfepunkt im Bild fest­legen möchten, wird es selten passen. Stellen Sie also Ihre Kamera auf den manuellen Modus „M“ ein, wenn Sie ambitioniert und kreativ fotografien möchten!

Der Hintergrund – Genau so ­wichtig wie das Hauptmotiv
Um nicht vom Motiv abzulenken, muss der Hintergrund immer in die Bildgestaltung miteinbezogen ­werden. Schon beim Blick durch den Sucher sollte man darauf achten, dass sich keine Objekte im Bild befinden, die störend wirken. Sind z.B. Häuser oder Zäune im Hintergrund zu sehen oder ein Baum, der das Bild stören könnte? Falls Sie den Hund im eigenen ­Garten fotografieren möchten, achten Sie auch darauf, dass auch hier der Hinter­grund harmonisch ist. Evtl. stören Gartenmöbel oder Dekoartikel das Bild oder ein Teil des Hauses und der Gartenzaun sind im Bild. Wenn Sie gerade erst mit der Fotografie beginnen, müssen Sie anfangs noch auf so viele Dinge der Kamera achten, und dann konzentrieren Sie sich auch so sehr auf das Motiv, sodass Sie alles andere im Sucher gar nicht wahrnehmen – das ist normal. Versuchen Sie aber trotzdem, auch wenn Sie jetzt das erste Mal Hunde fotografieren, schon auf solche Dinge zu achten.

Versuchen Sie auch bewusst wenige Fotos zu machen, konzentrieren Sie sich vielmehr auf Bildgestaltung und besondere Situationen und auf spezielles Licht. Wenn man die Hunde sehr genau beobachtet, sich Zeit nimmt, gibt es viele besondere Momente. Manchmal ist es nur ein Blick oder die Kopfhaltung, die das Bild besonders macht. Häufig werde ich gefragt, „wie machst du das, dass die Tiere immer das machen, was du willst?“. Aber genau so ist es nicht. Sie sollen nicht machen, was der Fotograf will. Wenn Sie Tiere fotografieren, haben Sie nur begrenzt Einfluss. Wie schon erwähnt gibt es Möglichkeiten, die man ausschöpfen kann. Hunde, die ohne Problem länger sitzen bleiben, können Sie wunderbar porträtieren. Mit Hunden, die sehr gerne apportieren, können sehr schön verschiedene Laufphasen erarbeitet werden. Aber grundsätzlich gilt im Bereich der Tierfotografie, auf den richtigen Moment zu warten und daher genau zu beobachten!

Es ist heute so leicht, Unmengen von Fotos anzufertigen. Alles, was nicht gefällt oder missglückt, wird einfach wieder gelöscht. Mir macht es aber nicht wirklich Spaß, später auf meinem Computer mehrere Hundert Fotos anzusehen und auszuwerten. Unabhängig davon ist das für mich auch ein zeitliches Problem.

Zu Zeiten der Analogfotografie und des chemischen Films mussten Fotografen schon sehr genau überlegen, was und wie sie etwas fotografierten. Es gab keine Möglichkeit, vor Ort schon das Bildergebnis zu überprüfen und es dann erneut zu versuchen. Fotografie hat für mich etwas Medita­tives. Obwohl es ja nun mal mein Job ist, kann ich wunderbar abschalten, sobald ich durch den Sucher schaue. Es ist so, als würde man in eine andere Welt abtauchen. Seien Sie achtsam, versuchen Sie innere Ruhe zu finden und schöpfen Sie Ihr kreatives Poten­zial aus. Denken Sie immer daran: zuerst entsteht eine Bildidee im Kopf!

Aufgrund der ganzen Erfahrungen aus meinen vielen Workshops weiß ich, was für die Teilnehmer wichtig ist. Das gilt für Anfänger und auch für Profis. Meine Workshops werden auch von Fotografen besucht, die sonst Ihren Schwerpunkt z.B. in der People-Fotografie haben und die auch lernen möchten, wie man Hunde richtig in Szene setzt und das perfekte Bewegungsbild schießt.

Ganz wichtig ist aber, egal, was Sie fotografieren, Sie müssen mit dem Herzen dabei sein. Seien Sie kreativ! Ich bin der Meinung, dass nicht immer nach Lehrbuch gearbeitet werden muss. Sie werden schnell merken, dass gerade im Bereich der Tierfotografie der Bildaufbau nicht immer minutiös planbar ist. Dies besonders dann nicht, wenn Bewegung ins Spiel kommt.

Ich wünsche Ihnen ganz viel Spaß beim Fotografieren und immer gutes Licht!

Ihre Regine Heuser

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Regine Heuser
Regine Heuser gilt als eine der erfolgreichsten Tierfotografinnen. Sie hatte schon die Hunde von Wolfgang Joop, Udo Walz, Johann Lafer und vielen anderen Prominenten vor ihrer Kamera. Zudem hat Sie sich als Autorin zahlreicher Fachbücher zur Tierfotografie (Hund/Pferd/Katze) einen Namen gemacht. Ihre Fotoworkshops sind stark nachgefragt. Kein Wunder, denn jeder Teilnehmer wird auf seinem eigenen Kameramodell gecoacht, marken- und systemunabhängig. www.regineheuser.de

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