Die Bären und Geysire von Yellowstone – Heimreise im Rudel

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Der Weg ist das Ziel, doch wenn der Weg so schön ist, dass man sich wünscht, niemals am Ziel anzukommen, dann könnte das Amerika sein.
Wir befinden uns mittlerweile im Badlands Nationalpark. Eine sehr bekannte Sehenswürdigkeit in dieser Gegend ist der Mount Rushmore. Aus diesem Berg wurden die Köpfe der vier US-Präsidenten Washington, Lincoln, Jefferson und Roosevelt gemeißelt. Ein Hubschrauberflug über die vier Präsidentenköpfe zeigt uns diesmal ein aus Menschenhand erschaffenes Wunder.

Yellowstone
Nach einigen hundert Meilen ist es dann endlich so weit, wir kommen in den Yellowstone Nationalpark, der Höhepunkt unserer Reise. Er ist der älteste und sicher meistbesuchte Nationalpark Amerikas. Hier gibt es nicht nur eine wunderbar vielfältige Tierwelt, sondern auch weltberühmte Geysire. Der bekannteste, weil verlässlichste ist der „Old Faithful”, ein Geysir, der ca. alle 90 Minuten ausbricht. Dieses Schauspiel der Natur muss ich natürlich auf Film bannen, platziere also die Wuffis schön davor und warte. Doch diesmal lässt er sich Zeit. Rodos fängt an zu raunzen. Die vorbeigehenden Touristen lächeln über die Hunde und ihr am Boden sitzendes, gebannt den noch untätigen Geysir beobachtendes Frauerl. Doch das Warten lohnt sich, endlich bricht er aus und ich verewige meine Hunde mit Old Faithful auf dem Papier.

Panik vor dem Bären
Nach dieser anstrengenden Tätigkeit setze ich mich ein wenig auf eine Bank um zu lesen, die Hunde unter dem Tisch. Auf einmal rennen schreiend Leute an. Rodos, der glaubt, ich werde angegriffen, stürzt sich auf das erste Opfer und versucht ihn in das Bein zu zwicken. Zufällig blicke ich geradeaus und sehe den Grund der aufgeregten, laufenden Menschen. Ein Schwarzbär mit zwei Jungen geht ein paar Meter von meinem Tisch entfernt über die Wiese. Jetzt liegt es an mir, zu rennen, einerseits um die Hunde zu retten, anderseits um meinen Photoapparat zu holen. Die Wuffis verstehen mich glücklicherweise, finden das Laufspiel sehr lustig und so bringe ich sie aus der Gefahrenzone. Im Nachhinein bekomme ich natürlich eine strenge Rüge von meinem Mann, weil man vor einem Bären niemals davonlaufen darf.

Hunde gehören zur Familie
Auch die schönen Tage im Yellowstone gehen leider dem Ende zu und wir brechen auf, zu unserer letzten Strecke, der Fahrt nach Vancouver. Im Glacier Nationalpark überqueren wir die Grenze nach Kanada und verbringen noch ein paar wunderschöne Tage auf einer Ranch am Bull River, 80 Kilometer von der nächsten Zivilisation entfernt. Auf die Frage, ob wir denn mit den Hunden hierbleiben dürfen, antwortet uns der Besitzer, dass ein Hund zur Familie gehört und bei ihm immer willkommen ist. Das ist Balsam für unsere Seelen!
Auch am Christiane Lake, mit 21° Grad der wärmste See Kanadas, finden wir ein erwähnenswertes Motel. Hier hängt ein Schild „pets are welcome” (Haustiere willkommen) und in der Rezeption eine Tafel mit folgenden Worten:
„Hunde willkommen!
Wir hatten niemals einen Hund hier, der geraucht und die Decken angezündet hat. Wir hatten niemals einen Hund, der die Handtücher gestohlen, den Fernseher zu laut aufgedreht oder einen lautstarken Streit mit seinem Reisebegleiter gehabt hat. Wir hatten niemals einen Hund, der betrunken war und die Einrichtung kaputt gemacht hat. So, wenn dein Hund für dich garantieren kann, dann bist auch du willkommen.”
Uns fällt auf, dass es in Kanada mit Hund viel leichter ist, vielleicht hätten wir hier unser Jahr verbringen sollen? Doch dazu ist es zu spät, der Tag der Heimreise naht.

Die Heimreise beginnt
Mein Mann bringt mich mit den Hunden zum Flughafen in Vancouver, leider muss ich alleine fliegen. Wir kommen zum Lufthansa-Schalter, werden sehr nett betreut, zahlen allerdings für die Hunde doppelt soviel wie beim Hinflug. Beim genaueren Ansehen der Tickets bemerke ich, dass der Weiterflug von Frankfurt nach Wien erst einen Tag später stattfinden soll. Ich mach’ mir jedoch keine Sorgen, checke die Hunde nur bis Frankfurt ein und gebe ihnen ihre Beruhigungstabletten. Kurz darauf fängt Bonita zu wackeln an, legt sich gemütlich in ihrer Box hin und sieht mich nur mehr weggetreten an. Jedoch Rodos, der Sture, wehrt sich gegen den Schlaf und sitzt zitternd in der Kiste. Bis sie eingeladen werden, bleibe ich bei ihnen, diesmal schon wesentlich ruhiger.
Der Flug ist angenehm kurz, nur neun Stunden und ich genieße es, nach einem Jahr wieder in Deutsch angesprochen zu werden. In Frankfurt warte ich bei der Gepäckausgabe auf die Hunde, die wieder erst relativ spät kommen. Aber sie wirken weder verängstigt noch verstört, sondern sind nur erfreut, mich zu sehen. Ein Mann des Personals weist mich darauf hin, dass ich die Hunde aus den Boxen rauslassen kann. Erst da wird mir bewusst, dass ich ja in Deutschland bin und Hunde am Flughafen nicht verboten sind. Doch dann wird es schwierig. Ich habe zwei riesige Boxen, zwei Hunde an der Leine, einen äußert schweren Rucksack als Handgepäck, Frankfurt ist ein riesengroßer Flughafen und ich bin wie gesagt, ganz allein.

Stress in Frankfurt
Also besorge ich einen Gepäckswagen, staple die Kisten drauf und kann leider nichts mehr sehen. So versuche ich mich seitlich nach vorne blickend, halbwegs geradeaus zu bewegen, schaffe es irgendwie einen Stock höher zu kommen und sehe als erstes meterlange Menschenschlangen vor den Lufthansa-Schaltern.
Keine Möglichkeit hier irgendwo Gassi zu gehen, da der Flughafen nur aus Beton besteht und ich auch die Boxen nicht alleine lassen kann. Ich beschließe, mich nicht am Check-In anzustellen, sondern am Ticket-Verkauf Schalter, wo ich wirklich nach einer halben Stunde bis zu einer netten Dame vorgerückt bin. Ich erzähle ihr von meinem Problem mit dem falsch eingetragenen Datum, sie fragt mich, ob ich den Flieger um 11.45 Uhr nehmen will oder den drei Stunden später. Ich möchte natürlich den nächst möglichen, sehe aber das Problem darin, dass es bereits 11.30 Uhr ist. Sie meint, das geht sich aus und erklärt mir, ich solle die Wuffis zum Gate mitnehmen und sie dort einladen lassen. Also rase ich los, so gut das eben geht, mit einem Gepäckwagen mit, wo ich nicht sehen kann, was vor mir passiert und den zwei Hunden an der Leine. Bis zum Security-Check geht es halbwegs gut, doch dann muss ich meinen Wagen stehen lassen. Ich erkläre den Beamten, dass ich mein Flugzeug erwischen muss und noch drei Kilometer vor mir habe, sie sind ziemlich unfreundlich und meinen, das sei nicht ihr Problem. Da versagen endgültig meine Nerven und ich breche in Tränen aus. Plötzlich sind alle ganz nett. Sie geben mir ein Wagerl, das für Handgepäck bestimmt und dadurch viel zu klein ist, ich versuche dennoch die Kisten hinauf zu geben und renne weiter.

Der Verzweiflung nahe
Die Hunde sind schon ganz verwirrt, dann fallen noch die Boxen runter und ich bin kurz vor der Verzweiflung. Eine fremde Frau sieht das, versucht mich zu beruhigen, schnappt sich zwei Flughafenarbeiter und erklärt ihnen dass sie mir doch helfen sollen. Dann geht alles recht schnell, die zwei Männer besorgen einen Wagen für den Transport der Boxen, ein anderer fährt mit einem kleinen elektrischen Auto vorbei und nimmt mich mit den Hunden mit. Als ich am Gate ankomme, steigen gerade die letzten Leute in den Zubringerbus ein. Ich erkläre der Dame am Schalter noch einmal schnell, wo die Hunde hingehören, sie verspricht mir, sich darum zu kümmern, dass sie verladen werden und schon bin auch ich durch die Tür.

Zurück in Wien – ohne Hunde!
Eine Stunde später lande ich endlich in Wien. Jetzt haben wir es endlich geschafft, denke ich mir. Freudig lächelnd gehe ich zu einem Herrn der Lufthansa und frage, wo denn meine Hunde herauskommen. Seine Gegenfrage lautet allerdings: „Sind Sie Frau Nagl?” Noch nichts ahnend, aber etwas verwundert antworte ich mit „Ja”. „Es tut mir leid, aber Ihre Hunde sind in Frankfurt zurückgeblieben.” Nun ja, was soll ich darüber noch schreiben? Meine Familie, die mich mit großem Transparent begrüßt, wird heulend empfangen. Dafür habe ich aber auch endlich Trost und Anteilnahme wegen meiner schrecklichen Heimreise. Die nächsten drei Stunden des Wartens sind hart. Ich denke dauernd an die armen Wuffis, die in Frankfurt in den engen Boxen sitzen und seit über 15 Stunden keine Möglichkeit haben, um Gassi zu gehen.

Wieder vereint
Auch die schrecklichsten Stunden vergehen und als das Flugzeug landet, sind meine Hunde diesmal das erste, was ausgeladen wird. Freudig begrüssen sie mich und endlich sind wir wieder vereint. Unser Traum ist damit zu Ende. Unser altes Leben, gemeinsam mit den Hunden, die uns in diesem Jahr auf ca. 20.000 Kilometern durch Amerika treu begleitet haben, geht weiter …

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