Die Entzündung der Bauchspeicheldrüse beim Hund

0
2207

Eine der wichtigsten Funktionen der Bauchspeicheldrüse ist (neben der Produktion des Hormons Insulin) die Produktion von Verdauungsenzymen, deren Produktion u.a. durch Nahrungsaufnahme stimuliert wird. Über ein Gangsystem gelangen die Enzyme aus der Drüse in den Darm. Erst dort entfalten sie im Normalfall ihre Wirksamkeit und spalten die mit der Nahrung aufgenommenen Eiweiße, Fette und Kohlehydrate auf, bzw. bereiten sie für die weitere Verdauung vor. Eine Reihe von Schutzmechanismen bewirkt, dass die Enzyme nicht schon in der Drüse ihre Wirksamkeit entfalten.
Unter bestimmten (krankhaften) Voraussetzungen kommt es aber dazu, dass die Verdaungsenzyme schon in der Bauchspeicheldrüse aktiv werden. Und das bedeutet, dass sie beginnen, die Drüse selbst zu verdauen. Die Folge ist eine Bauchspeicheldrüsen-Entzündung (Pancreatitis). Der genaue Grund, warum es dazu kommt, ist nicht sicher geklärt.

Risikofaktoren
Man kennt aber verschiedene Risikofaktoren, bei deren Vorhandensein die Bauchspeicheldrüsen-Entzündung häufiger auftritt. Dazu gehören Übergewicht, sehr fettreiche Nahrung, zu hohe Blutfettwerte, aber auch Nebenwirkungen bestimmter Pharmaka. Auch tritt diese Erkrankung bei manchen Rassen auffallend vermehrt auf, wobei die wissenschaftliche Literatur u.a. Zwergschnauzer, Yorkshire Terrier, Silky Terrier und Miniaturpudel nennt.

Krankheitsverlauf
Die Erkrankung kann akut auftreten und dann wieder völlig geheilt sein, oder sie kann chronisch werden, mit immer wiederkehrenden Krankheitsepisoden. Es kann ein sehr dramatischer Verlauf unter Mitbeteiligung anderer Organsysteme (Schock, Blutgerinnungsstörungen, Herzarhythmien, Leber- und Nierenschaden bis hin zum Tod) sein, oder eine leichte Form mit uncharakteristischen Symptomen im Sinne einer „Unpässlichkeit“, die nur wenige Stunden oder Tage anhält.

Schwierige Diagnose
Wenn die äußerlichen Krankheitssymptome einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse für die Diagnose kaum verwertbar sind, wie kann sie dann überhaupt diagnostiziert werden? Das Thema ist tatsächlich problematisch, da es auch keinen einzelnen Labortest gibt, der die Krankheit beweist. Es sind zwar verschiedene Blutwerte erhöht, was sie aber auch bei anderen Erkrankungen sein können. Dennoch ist eine Blutabnahme mit Bestimmung einer Vielzahl von Parametern bei Verdacht auf Pancreatitis obligatorisch.
Eine Röntgenaufnahme des Bauches dient nur dazu, andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen zu erkennen und von einer Bauchspeicheldrüsen-Entzündung abzugrenzen. Besser ist da schon eine Computertomographie, die das Organ und ihre Entzündung zwar sehr gut darstellen kann, aber eine sehr teure und aufwändige Untersuchung ist, bei der der Hund auch narkotisiert werden muss. Günstiger ist da schon der Ultraschall in der Hand des geübten Untersuchers, womit man die entzündliche Schwellung des Organs und vor allem die gefürchteten Komplikationen wie Abszesse, zystische Veränderungen und Gewebszerstörungen erkennen kann. Allerdings ist das Organ bei einer Überlagerung durch eine Darmblähung, wie sie im Gefolge einer Bauchspeicheldrüsen-Entzündung typisch ist, im Ultraschall dann nicht mehr ausreichend zu beurteilen. Oft genug aber haben erfahrene Tierärzte das „Gespür“ für diese Krankheit und beginnen, ohne weitere aufwändige Diagnostik zu betreiben, sofort mit einer entsprechenden Therapie. Bei der schwersten, oft letal verlaufenden Form steht allerdings zunächst die Aufrechterhaltung der vitalen Funktionen (Herz-Kreislauf-System, Atmung) im Vordergrund.

Die Therapie
Die Therapie der Bauchspeicheldrüsen-Entzündung gehört – ebenso wie die Diagnose – in die Hand eines Tierarztes. Behandlungsversuche durch den Besitzer können dem Hund unnötig Leid verursachen und sogar das Leben des Tieres gefährden. Bemerkt der Hundebesitzer Krankheitszeichen bei seinem Tier, wie sie im Kasten auf der linken Seite erwähnt sind, sollte er sofort seinen Tierarzt aufsuchen. Wenn dieser nach seinen diagnostischen Maßnahmen zum Schluss kommt, dass eine Bauchspeicheldrüsen-Entzündung vorliegen könnte, besteht seine Ersttherapie zunächst aus drei Grundpfeilern, wie Dr. Spillmann aus Gießen auf der kürzlich in Salzburg durchgeführten Jahrestagung der Vereinigung Österreichischer Kleintiermediziner ausführte (siehe auch Bericht über Durchfallerkrankungen in WUFF 11/03):
1. Eine sofortige Reduktion der Sekretionstätigkeit der Bauchspeicheldrüse, d.h. durch Medikamente und Nahrungskarenz wird die Drüse veranlasst, die Produktion und Sekretion dert Verdauungsenzyme einzustellen,
2. Schmerzlinderung, und
3. Verhinderung oder Bekämpfung von Komplikationen, wie u.a. Schock, Nierenversagen, Herzrhythmusstörungen, Bauchspeicheldrüsen-Entzündung.
Auch die möglichen weiteren Folgen der Erkrankung erfordern eine tierärztliche Betreuung: Diabetes (Zuckerkrankheit), da ja die Insulin produzierenden Zellen der Drüse durch die Entzündung zerstört sind, oder die Ausbildung von Zysten oder Verwachsungen mit Nachbarorganen.

Resumee
Die Bauchspeicheldrüsen-Entzündung ist eine nicht seltene Erkrankung, die aufgrund ihrer sehr uncharakteristischen und vieldeutigen Symptome oft diagnostisch problematisch ist. Bleiben erste Krankheitszeichen unbehandelt, weil der Hundebesitzer vielleicht „noch zuwarten“ möchte, bevor er zum Tierarzt geht, kann sich die Entzündung oft schlagartig verschlechtern, was bis zum Schock und Tod des Tieres führen kann. Eine rechtzeitige Therapie durch den Tierarzt kann daher Spätkomplikationen vermindern und oft auch lebensrettend sein.



>>> WUFF – INFORMATION


Symptome der Entzündung der Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüsen-Entzündung (Pancreatitis) kann in verschiedenen Schweregraden auftreten, von der milden Form einer Entzündung bis zur tödlich verlaufenden Gewebszerstörung mit Schock. Daher sind die äußerlichen Symptome sehr unterschiedlich, und es gibt kein eindeutiges Anzeichen, bei dessen Auftreten man diese Krankheit verlässlich diagnostizieren kann.

Uncharakteristische Symptome
So ähneln die Krankheitszeichen der Bauchspeicheldrüsen-Entzündung denen einer Gastritis (Magenschleimhautentzündung), einer Darm- oder Bauchfellentzündung oder einem Nierenversagen.

Leitsymptome
Als wesentliche Symptome gelten Lethargie, Futterverweigerung, Erbrechen, Schmerzen, auch Durchfall, Fieber u.a. Symptome. Da die Hunde auch kaum Flüssigkeit zu sich nehmen, führen Erbrechen und – falls vorhanden – Durchfall zu einer gefährlichen Dehydratation.

TEILEN
Vorheriger ArtikelRechtzeitige Diagnose rettet Hundeleben!
Nächster ArtikelDer Floh
Dr. Hans Mosser
Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT