Die häufigsten Erkrankungen

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SKELETTERKRANKUNGEN
Skeletterkrankungen im Wachstumsalter
Zu den Skeletterkrankungen, die ausschließlich im Wachstumsalter eines Hundes auftreten, gehört die Kraniomandibuläre Osteopathie. Vorwiegend betroffene Hunderassen sind Scotch-, Cairn-, und West-Highland-Terrier. Dabei kommt es zu schmerzhaften, ev. tastbaren Knochenzubildungen des Unterkiefers im Alter von 4 bis 7 Monaten. Das Öffnen des Fanges, u.U. sogar die Futter- und Wasseraufnahme kann beeinträchtigt sein. Die Diagnose besteht in einer klinischen und röntgenologischen Untersuchung, die Therapie in einer medikamentösen Schmerz- und Entzündungsbekämpfung. Gegen Ende des Wachstums schwinden die Schmerzen, und die Knochenzubildungen können sich wieder zurückbilden.
Die sogenannte Hypertrophe Osteodystrophie kommt bei mittelgroßen bis großen Hunden jugendlichen Alters vor und ist charakterisiert durch schmerzhafte Auftreibungen des unteren Endes von Unterarm und Unterschenkel mit Fieber und Bewegungsunlust. Die Diagnose ergibt sich durch eine Röntgenuntersuchung, die Therapie besteht in der Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten und Vitamin C. Gegen Ende des Wachstums bilden sich die Auftreibungen häufig zurück.
Die Panostitis eosinophilica stellt eine schmerzhafte Knochenentzündung junger, großwüchsiger Hunde dar. Die Symptome bestehen in einer plötzlich auftretenden, ev. von einer Extremität auf die andere umspringenden Lahmheit, das Leiden verschwindet im Erwachsenenalter ohne Nachwirkungen. Bei Druck auf die unteren Enden des Oberarm- bzw. Oberschenkelknochens zeigen betroffene Tiere heftige Schmerzreaktionen. Die klinische Verdachtsdiagnose wird durch eine Röntgenuntersuchung untermauert. Die Therapie besteht in der Gabe von Antibiotika, entzündungshemmenden Medikamenten und eventuell in einer Entfernung der Mandeln.
Gefährliche Überversorgung: Knochen- und Gelenksschäden verschiedenster Natur können durch die zusätzliche Gabe von Kalzium-, Phosphor- (Schlämmkreide, Knochenmehl und dgl.) und Vitamin D-Präparaten bzw. durch überreichliche Fütterung von wachsenden, großwüchsigen Hunden produziert bzw. verschlimmert werden, wovor ausdrücklich gewarnt werden soll!

Knochenverletzungen
Durch Verletzungen der Wachstumsfugen der Röhrenknochen kann es zu Knochenverkrümmungen oder zu einem Wachstumsstop des betroffenen Knochens kommen. Symptome einer solchen Verletzung sind durch Gewalteinwirkung von außen verursachte Lahmheiten, ev. mit Schmerzhaftigkeit und Schwellung im Bereich eines Knochenendes. Die Diagnose wird wiederum durch eine klinisch-röntgenologische Untersuchung gestellt, und die Therapie besteht im Anlegen eines ruhigstellenden Verbandes bis hin zu chirurgischen Korrekturen bereits verkrümmter Knochen.
Knochenbrüche bei Hunden können aus verschiedenen Gründen passieren. Der häufigste Grund ist äußere Gewalteinwirkung (Autounfall, Sturz aus großer Höhe…), selten durch Knochenschwund (Osteoporose) bedingt durch reine Fleischfütterung oder chronische Nierenerkrankungen. Im Bereich von Knochentumoren kann, ausgelöst durch ein Bagatelltrauma, ein Bruch entstehen. Die für den Tierbesitzer erkennbaren Symptome eines Knochenbruchs bestehen in hochgradiger Lahmheit, Schmerz, Schwellung, ev. abnormer Beweglichkeit mit Reibegeräusch und Fehlstellung im Bruchbereich. Brüche können gedeckt oder offen sein. Die Diagnose durch den/die Tierarzt/Tierärztin wird durch ein Röntgenbild präzisiert. Die Therapiemöglichkeiten sind vielfältig. Bei gedeckten, nicht oder wenig verlagerten Brüchen von (Jung-) Hunden genügt in der Regel ein mehrwöchiger versteifter Verband. Bei offenen Brüchen oder solchen mit starker Verlagerung der Bruchenden oder komplizierten Brüchen (z.B. Splitterfrakturen) sollte operiert werden. Die Operationsmöglichkeiten reichen je nach Art des Bruchs von einer Knochennagelung über externe Fixation, Verschraubung bis zur Verplattung.

Knochentumore
Knochentumore treten bei älteren Hunden auf und sind charakterisiert durch eine sich rasch verstärkende, therapieresistente Lahmheit und ev. eine schmerzhafte Schwellung um den Tumor. Die Diagnose wird anhand einer Röntgenuntersuchung gestellt. Die Prognose für unbehandelte Knochentumoren ist schlecht, und die meisten Tiere müssen innerhalb kurzer Zeit wegen zunehmender Schmerzen euthanasiert werden. Bei gutem Allgemeinbefinden und nach röntgenologischem Ausschluss von Metastasen (Lunge) besteht die Therapie in einer Amputation der betroffenen Extremität in Verbindung mit einer Chemotherapie. Selbst große Hunderassen zeigen kaum Probleme nach einer Amputation, und die Besitzer sind meist sehr zufrieden mit der Lebensqualität ihres Hundes.

Knochenentzündung
Unter Osteomyelitis versteht man eine infektiöse Entzündung des Knochens, die meist im Gefolge von Knochen- oder Weichteilverletzungen auftritt, seltener durch eine Infektion über den Blutweg oder nach Knochenoperationen. Symptome einer Osteomyelitis sind Schwellung und Schmerzhaftigkeit im betroffenen Bereich, Lahmheit und Fieber. Die Diagnose wird anhand einer klinischen und röntgenologischen Untersuchung, ev. in Verbindung mit einem Blutbild gestellt. Die Therapie erfolgt entweder nur konservativ in Form einer hochdosierten Antibiotikabehandlung oder in Verbindung mit einer chirurgischen Sanierung des betroffenen Knochenbereichs.



>>> WUFF -ÜBERSICHT


Gelenks- und Skeletterkrankungen des Hundes
In WUFF 2/2003
GELENKSERKRANKUNGEN:
– Hüftgelenksdysplasie
– Ellbogengelenksdysplasie
– Osteochondrose
– Patellaluxation

In WUFF 3/2003
– Legg-Calvé-Perthes-Erkrankung
– Gelenksentzündungen
– Arthrosen
– Gelenksverletzungen

In WUFF 4/2003
SKELETTERKRANKUNGEN:
– Kraniomandibuläre Osteopathie
– Hypertrophe Osteodystrophie
– Panostitis eosinophilica
– Verletzungen
– Knochentumoren
– Entzündungen



>>> WUFF STELLT VOR


Der Autor

Dr. Klaus Lehmann ist ehemaliger Assistenzarzt an der Klinik für Chirurgie und Augenheilkunde der Veterinärmedizinischen Universität Wien, jetzt freiberuflich tätig im Tierambulatorium Wiener Neustadt, Tierärzte Mag. Michaela und Dr. Klaus Lehmann
– Grazer Straße 46, A-2700 Wiener Neustadt.
– Tel.: 02622-83003 Notfall: 0699-12622500
www.tierambulatorium.com
[email protected]

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