Die kleinen Racker … – Das Blogger-Special

0
1195

Wirbelwind Pepples mischt alle auf

Mit dieser Ausgabe starten wir das neue WUFF Blogger-­Special. In jeder Ausgabe schreibt ein  Blogger mit Hund ­einen Kommentar zu einem bestimmten Thema. Passend zum Themen­special Kleinhunde schreibt Andreas Moll in dieser Ausgabe über seine Erlebnisse und Beobachtungen, wenn er mit seinem Wirbelwind Pepples unterwegs ist.

„Vorsicht, mein Hund ist manchmal ein wenig zickig!“ Auf diese Weise werde ich täglich mehrmals in den Parks des Kölner Südens gewarnt, wenn ich mit meiner fast fünfjährigen Misch­lingshündin Pepples meine Hunderunden drehe. Mit ihren 13 Kilogramm Lebendgewicht gehört meine schwarze Hündin nominell zu den kleinen Hunden. Pepples lässt sich aber keinesfalls in eine Handtasche stecken, wie es die 36-jährige Hotelerbin Paris Hilton gerne tut. Ihre Chihuahuas nehmen im Leben der Amerikanerin einen festen Platz ein, haben in Frau Hiltons Privatjet einen ­eigenen Platz und dürfen überall mit hin. Das liest man in der Klatschpresse, doch weiß ich, dass die kleinen Vierbeiner im Amateurvideo „One Night in Paris“ absolut keine Rolle gefunden haben. Ganz ehrlich: Diese Tatsache beruhigt mich, auch wenn ich selbst beim ersten Studium des Filmes damals eher unruhig geworden bin!

Kleine Hunde – kurz gehalten
Vielleicht liegt es ja an meiner selektiven Wahrnehmung, doch habe ich den Eindruck, dass gerade die kleinen, niedlichen Hunde viel zu viel Zeit ihres Lebens auf den Armen ihrer Halter verbringen. Bei Begegnungen mit Artgenossen rasten die „Hochgehobenen“ dann regelmäßig aus, bellen und keifen aus dieser gesicherten Position, was das Zeug hält, und werden durch ihre Halter meist noch durch ein unterstützendes, zufriedenes Lächeln angestachelt. Als Erklärung höre ich dann sehr oft, dass der kleine Hund schon einmal eine unangenehme Begegnung mit einem großen Hund hatte. In den wenigsten Fällen macht es Sinn, den Hundehaltern bzw. –trägern zu erklären, dass die Hunde vier Pfoten haben, um diese zu benutzen, und Hunde mit Artgenossen ihre Erfahrungen machen müssen – quasi Aug’ in Aug’.

Und wenn Gassi gegangen wird, werden die Yorkshire Terrier, Möpse, Papillons und Zwergspitze meist an der Leine kurz gehalten. Bei einer Begegnung mit meinem ebenfalls angeleinten Hund zerren die Halter ihre kleinen Lieblinge dann noch ein bisschen enger zu sich und würgen ihren Vierbeiner. Kommen die wieder zu Atem, bellen diese Hunde, als gebe es kein Morgen mehr. Klar, denn es muss der Schreck weggebellt und das Frauchen verteidigt werden. Das Ergebnis ist für alle Parteien nervend. Mittlerweile kennt Pepples ihre Pappenheimer und macht vorsorglich einen Bogen um diese Hund-Mensch-­Gespanne.

Speed-Dating auf der Hunde­freilauffläche
In der Wildbahn – hier in Köln nennt man diese Areale „Hundefreilauf­flächen“ – sieht die Sache ein wenig anders aus. Mein an anderen Hunden sehr interessierter Hund freut sich, wenn er im Park einen potenziellen Spielkameraden entdeckt, läuft manchmal in vollem Tempo auf die Tiere zu und dreht erst Zentimeter vorher ab. Der Kölner Hunde-Verhaltens-Therapeut Masih Samin erklärte mir, dass dies sehr ungehobelt und „eine Unart meines Hundes“ sei. Ich weiß das, versuche auch tatsächlich, meinem Hund diese Rabaukigkeit abzutrainieren – allerdings mit nur mäßigem Erfolg. In dieser von Pepples auf besondere Art interpretierten Form des Speed-Datings kommt mein Hund mit entsprechenden Artgenossen schnell in Kontakt. Große Hunde kläffen einmal, fletschen die Zähne und zeigen Pepples, wo der Hammer hängt. Es folgt die gegenseitige Beschnupperung und nach kurzer Zeit die Aufforderung zum Spiel. Über die Art und Weise kann man an dieser Stelle sicherlich streiten, doch das Ergebnis zaubert allen Haltern ein Lächeln auf die Lippen.

Das Procedere bei diesem schnellen Kennenlernen mit mittelgroßen Hunden läuft ähnlich ab und führt fast immer zum Spielerfolg. Selbst ältere Hunde lassen sich animieren, schlüpfen in die Rolle des Gendarms und versuchen, die schwarze Räuberin zu fassen. Hunde und Halter sind zufrieden.

Leider funktioniert das Speed-Dating mit kleinen Hunderassen in der Regel nicht. Ich bin mir sicher, dass, ließe man den brasilianischen oder japanischen Terriern, den Rehpinschern oder Havanesern freien Lauf, tatsächlich alle ihre Freude hätten. Doch sieht die Kölner Wirklichkeit anders aus, denn leider kommt es zu diesem natürlichen Ritual erst gar nicht, denn in mindestens 50 Prozent der Fälle wird der kleine Vierbeiner vom Halter auf den Arm genommen. „Zum Schutz“, sagen die Einen, und die Anderen täuschen eine Verletzung ihrer Hunde vor.

Einer der renommierten Hundetrainer in Deutschland, Michael Bolte (Dogdactics), sagt, dass der Hund wissen muss, wo sein Platz ist. Denn nur dann ist eine natürliche und gesunde Beziehung zwischen Hund und Halter möglich. Und wenn es zwischen Vierbeiner und Halter stimmt, gibt es meiner Meinung nach kein Problem, wenn sich Hunde auf der Hundewiese begegnen. Ich würde mir das sehr wünschen – und mein Hund übrigens auch.

Wer ist Andreas Moll?

Andreas Moll lebt mit seinen beiden Kindern sowie seinem Hund Pepples in Köln. Seit 25 Jahren entwickelt und betreut er Fachzeitschriften, u.a. zwei Magazine für Tierärzte. ­Seinen Blog hunderunden.de betreibt er seit September 2015. Hier begleitet und interviewt er interessante Hunde­halter auf deren Lieblingsrrunden. Darüber hinaus berichten Tierärzte aus der Praxis.
http://www.hunderunden.de

Wir beginnen ein paar Sätze, die Andreas Moll vervollständigt:
Mit meinem Hund mache ich am liebsten … Ausflüge zu anderen spannenden Tierfreunden. Wir drehen dann gemeinsam eine „Hunderunde“ und veröffentlichen die Geschichten auf unserer Website.
Mein schrecklichstes Erlebnis mit meinem Hund war …, als ich im Sommer 2015 zusehen musste, als Pepples in einen 4 Meter tiefen Burggraben in Carcasonne (Frankreich) sprang, herzzerreißend jaulte und sich erst Tage später richtig erholte.
Wenn ich einen Wunsch frei hätte …, würde ich gerne einmal einen Monat die Rolle mit Pepples tauschen, eine lange Tour auf den Kölner Rhein­wiesen gehen und einen Tag auf Omas Couch verbringen.
An Hunden fasziniert mich die Fähigkeit …, Kontakt zu fremden Hunden aufzunehmen, nach nur wenigen Minuten mit ihnen zu spielen, als wären sie die besten Freunde.
An anderen Hundehaltern liebe ich am meisten …, dass man mit ihnen so herrlich einfach ins Gespräch kommt und über Gott, Tiere und die Welt sprechen kann.

Der starke Hund hinter dem Mann …
Pepples, ein reinrassiger schwarzer Mischling, ist beinahe fünf Jahre alt. Ihre Mutter wurde aus einer Garküche in Vietnam gerettet und über die Türkei nach Deutschland gebracht. Bei der ersten Untersuchung stellte die Tierärztin fest, dass sie trächtig war. Kurze Zeit später brachte sie sieben gesunde Welpen zur Welt und war parallel noch erfolgreich als Amme für einen mutterlosen Mops aktiv. Pepples liebt Sand, die Begegnung mit Artgenossen und die „Hunderunden“, bei denen sie immer dabei ist.

Pdf zu diesem Artikel: blog_leser_06_2017

 

Keine Kommentare