Die neuen Tricks der Tierdealer

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Chefinspektor Rudolf Tomek kennt alle Tricks der organisierten Hundehändler. Der engagierte Fahndungsexperte im Hauptzollamt Wien, kürzlich erst in den Medien durch die Fahndung nach dem Besitzer eines in Wien ausgesetzten Krokodils, begann vor vielen Jahren, fast im Alleingang, gegen den Welpenschmuggel aus den östlichen Nachbarländern vorzugehen. Heute untersteht ihm ein geschultes Team, das ausgebildet ist, illegalen Händlern jeder Art das Handwerk zu legen, zuständig zur „Bekämpfung des Schmuggels von lebenden Tieren, insbesonders artengeschützten Tieren und Pflanzen sowie Erzeugnissen aus diesen". Denn es sind ja nicht nur Hundewelpen, mit denen lukrative Geschäfte gemacht werden. Schnelles Geld lässt sich auch an Exoten wie seltenen Papageien oder Reptilien verdienen, und sogar Pflanzen stehen auf der „Watchlist" der Fahnder.

Neue Tricks der Hundehändler
„Die Vorgangsweise der Hundeschmuggler hat sich im Gegensatz zu früher entscheidend geändert. Heute haben wir kaum noch Probleme mit Straßenhändlern, die früher auf den Parkplätzen der großen Einkaufszentren rund um Wien Welpen gleich direkt aus dem Kofferraum anboten. Die Händler erkannten sehr schnell, dass sie auf diese Art ein zu großes Risiko eingingen, denn fast immer verständigte ein Beobachter Gendarmerie oder Zollfahndung. Auch in Wohnungen beschlagnahmten wir in den vergangenen Jahren nach Anzeigen von aufmerksamen Nachbarn häufig unverzollte Welpen. Diese Erfahrungen haben die Händler vorsichtig gemacht. Heute werden die Hundebabys auf grenznahen Einschichthöfen „zwischengelagert" und je nach Bedarf an die Kundschaft ausgeliefert."

Zwischenlager Hundeställe
Meist bedarf es keiner großen Überredungskunst, den Besitzer eines unbewirtschafteten Gehöfts gegen bare Münze zu überzeugen, in den ehemaligen Stallungen anstelle von Schweinen oder Kühen Rassehunde einzustellen. Für viele Hofbesitzer bedeutet das einen unverhofften Zuverdienst, wie Rudolf Tomek erklärt. Durch die abgeschiedenen Lagen ist es für die Truppe Tomek jedoch sehr schwierig geworden, die Zwischenlager der Schmuggler aufzuspüren. „Wir sind völlig auf Informationen aus der Bevölkerung angewiesen und gehen jeder Anzeige umgehend nach."

Typisches Inserat: „Günstige Welpen"
Angeboten werden die geschmuggelten Rassewelpen per Inserat, dessen Wortlaut meist sehr ähnlich ist. „Günstige Hundewelpen aller Rassen …" oder ähnlich lauten die Anzeigentexte, versehen oft nur mit einer Handynummer. Telefonisch werden Rasse, Geschlecht und Lieferzeit vereinbart, eine Besichtigung der Welpen beim Händler ist nicht möglich. Die Hundebabys werden vom Händler zugestellt. Wo der Händler zu Hause ist, erfährt der Käufer nicht. Ebenso schwer ist es für die Zollfahnder, einen solchen „fahrenden" Händler auszuforschen. „Allein über die Mobilnummer ist das nicht mehr möglich. Raffinierte Händler wechseln ihre Nummern schnell und verwenden Wertkartenhandys. Dadurch ist ein Anruf nicht mehr zurückzuverfolgen."

Vorprogrammierte Probleme
Weil die Hundebabys, die oft schon im Alter von vier oder fünf Wochen vom Muttertier und den Wurfgeschwistern getrennt werden, in absoluter Isolation aufwachsen, sind Verhaltensauffälligkeiten im Erwachsenenalter vorprogrammiert. Die Welpen werden hauptsächlich in den städtischen oder großstädtischen Raum verkauft und sind von einem auf den anderen Tag mit einer Reizüberflutung konfrontiert, der sie nicht gewachsen sind. Von monotoner Eintönigkeit übergangslos in grelle, laute Betonwelten verpflanzt, reagieren selbst wesensfeste Hunde mit Verunsicherung und Angstverhalten. Um wieviel schwieriger noch haben es da Tierbabys, die schon eine belastete Kindheit hinter sich haben und sich ganz ohne den Schutz der Mutter zurechtfinden müssen.

Hundelieferanten
Im Vorjahr passierten 35.940 Hunde legal österreichische Grenzen (siehe Kasten). Von diesen war nur für 840 Österreich als Bestimmungsland angegeben, alle anderen benutzten unser Land nur als Transit. Nun weiß man aber, dass pro Jahr weit mehr als nur 840 Hunde ausländischer Herkunft in Österreich verkauft werden. Es bleibt also die Frage: Wie gelangen die vielen anderen Osthunde nach Österreich?
Rudolf Tomek kann darüber nur Vermutungen anstellen. „Heute darf jeder problemlos zwei Hunde nach Österreich einführen, ohne dass dies gleich als Import gilt. Wenn nun also jemand mit zwei jungen Hunden nach Österreich einreist und bei einer Nachfrage angibt, dass er die Tiere nicht allein zu Hause lassen könne, kann niemand ihm etwas vorwerfen. Verkauft oder liefert er die Tiere in Österreich an einen Kunden oder Zwischenhändler und kehrt anschließend wieder zurück, ist ihm der Tatbestand der Umgehung der Zollgesetze kaum nachzuweisen. Und gegen ein geringes Entgelt finden sich vermutlich viele solcher Lieferanten, die eben jedes Mal nur zwei Hunde mitnehmen. Dazu kommt, dass Welpen bis zu einem bestimmten Alter nicht einmal geimpft sein müssen, wenn sie mit einreisen."

Herkunft aus „Zuchtfabriken"
In Zoohandlungen findet man in der Regel nur vorschriftsmäßig verzollte Tiere. Tomek:"Für einen Zoohändler ist das ja nur ein Durchlaufposten. Es wäre also unschlau, unverzollte Hunde zu verkaufen." An den schlechten Haltungsbedingungen und der fragwürdigen Herkunft vieler der angebotenen Welpen in Zoogeschäften ändert diese Tatsache allerdings leider nichts. Dass viele der verkauften Hundebabys krank oder verhaltensgestört sind, wundert Tomek ebensowenig wie andere Experten. „Die ausländischen Welpen stammen häufig aus Quellen, die man bestenfalls als Zuchtfabriken bezeichnen kann. Die Tierschutzgesetze sind in diesen Ländern ja bekannterweise schwach. Dazu kommt, dass die Welpen viel zu jung sind und meist nur unzureichend ernährt wurden. Welpenfutter haben die nie gesehen. Am schlimmsten ist für mich aber der Transport der Tiere. Ich erinnere mich noch heute an die schreckliche Entdeckung eines Dobermannbabys, das zwei Tage mit gebrochenem Becken transportiert worden war, bevor wir es beschlagnahmen konnten. Aber auch, wenn es für die Tiere ohne äußere Verletzungen abgeht, sind sie völlig geschwächt und apathisch. Die Transportmodalitäten sind einfach ein Wahnsinn!"

Schnelles Geld mit Tierleid
Für tschechische, slowenische oder ungarische Tiervermehrer ist der Import von Rassewelpen aber ein großes Geschäft. Für Tierschutzgedanken bleibt da kein Platz. Sie verdienen zwar umgerechnet manchmal nicht mehr als ein paar hundert Schilling an einem Tier, doch verglichen mit dortigen Einkommensverhältnissen ist der Hundehandel eine Chance, mit wenig Aufwand schnelles Geld zu machen. Die wahren Absahner, egal ob für legale Importe in Zohandlungen oder illegale bei Schwarzhändlern, sitzen jedoch diesseits der Grenzen im heimischen Inland. Zwischen 4.000 und 12.000 Schilling ohne Impfung kostet etwa ein Rassehund aus der Zeitung oder im Geschäft. Wieviel der Händler für das Tierbaby bezahlt hat, bleibt sein Geheimnis. Doch bei einer Gewinnspanne von bis zu tausend Prozent kommt es auf ein paar Schillinge auf oder ab ohnehin nicht an.
Einzige Chance, das Leid der Importhunde zu beenden, ist ein Kaufboykott der Konsumenten. Um das zu erreichen, ist vor allem eines notwendig: Aufklärung. Das Mensch-Tier Forum hat deshalb aktuell zum Thema Welpenhandel einen Folder herausgegeben, der kostenlos angefordert werden kann (siehe Kasten).

>>> WUFF – INFORMATION

"Ich möchte einen Hund": Der Folder zum Thema

Hunde werden leichtfertiger gekauft als Autos, Fernseher oder Handmixer. Während sogar bei einem Elektrogerät verschiedene Marken und Hersteller verglichen werden und eine ausführliche Beratung über Bedienung und Funktionen vorausgesetzt wird, ist die Anschaffung eines Hundes in vielen Fällen eine unüberlegte Spontanentscheidung. Büßen muss letztendlich der Hund, was Herrchen oder Frauchen vorher nicht bedacht haben. Er landet auf der Straße oder im Tierschutzheim.

Der Folder „Ich möchte einen Hund" will in erster Linie aufklären, weiterhelfen, Gedanken anregen, Kontakte herstellen. Wichtige Fragen vor dem Kauf werden ebenso aufbereitet wie vor Fehlern beim Hundekauf gewarnt wird. Welche Rasse passt zu mir und wo finde ich den passenden Gefährten? Wer sich einen Hund wünscht, muss erst einmal sich selbst und seine Lebensgewohnheiten unter die Lupe nehmen. Wer genau weiß, worauf er sich einlässt, ist später nicht überfordert. Und wer sich vorher ausführlich informiert, wo man einen gesunden Begleiter und geschulte Beratung findet, hat nachher keinen Katzenjammer.

Der Folder „Ich möchte einen Hund" wurde vom Mensch-Tier Forum gestaltet, welches vor über einem Jahr von WUFF-Redakteurin Andrea Specht initiiert wurde und seinerzeit für die österreichischen Parlamentarier Arbeitsunterlagen zum Thema „gefährliche Hunde" ausgearbeitet hat. Bei diesem neuen Projekt „Ich möchte einen Hund" haben folgende Organisationen mitgearbeitet: Arbeiterkammer NÖ-Konsumentenberatung, A. Univ.-Prof. Dr. Hermann Bubna-Littitz (Vet.Med. Univ. Wien), Bundeskammer der Tierärzte, Dipl. Tierarzt Martin Gasperl, Hundemagazin WUFF, Krone-Tierecke, Österr. Kynologenverband, Andrea Specht (Organisation) und Chef.Insp. Rudolf Tomek (Zollfahndung Wien). Ein großes Dankeschön an Maggie Entenfellner von der Krone-Tierecke, die sich um die Sponsoren und Gerald Pötz, der sich um die Produktion des Folders gekümmert hat!

Erhältlich ist der kostenlose Folder beim Hundemagazin WUFF, über die Krone-Tierecke und den Österr. Kynologenverband. Da das Mensch-Tier Forum möglichst viele Menschen mit diesem Folder erreichen möchte, sind wir für jede Mithilfe beim Auflegen und Verteilen dankbar! Kontakt: WUFF, KW Folder, A-3034 Maria Anzbach, Fax 02772/ 558114, E-mail: [email protected]

>>> WUFF – INFORMATION

Importhunde-Statistik

Chefinspektor Rudolf Tomek von der Wiener Zollfahndung hat dem Mensch-Tier Forum eine Statistik über alle Hundeimporte des vergangenen Jahres zur Verfügung gestellt, die zeigt, wie brisant dieses Thema nach wie vor ist.

So wurden über das Zollamt Nickelsdorf im vergangenen Jahr aus Ungarn 242 Importe in die EU, das waren insgesamt 12.100 Hunde, abgefertigt. Pro Abfertigung zählten die Beamten durchschnittlich 50 Hunde. Nur 51 Abfertigungen mit insgesamt 206 Hunden hatten Österreich zum Ziel. Über das Zollamt Drasenhofen gelangten insgesamt 20.055 Hunde aus der Slowakei. Das entspricht 573 Importen in die EU. Nur 65 Abfertigungen mit nachweislich 421 Hunden waren für Österreich bestimmt. Der Durchschnitt pro Abfertigung lag bei 35 Hunden. Dagegen wurden pro Abfertigung über das Zollamt Drasenhofen aus Tschechien nur etwa 5 Hunde verzeichnet. Bei insgesamt 757 Importen in die EU entsprach das 3.785 Hunden. Nur 69 Abfertigungen betrafen Österreich. Das entsprach 213 Hunden.

Zusammengerechnet passierten also im Jahr 2000 35.940 Hunde legal österreichische Grenzen. Nur 840 Hunde hatten Österreich als Bestimmungsland angegeben. Da aber weit mehr als 840 Osthunde in Österreich verkauft wurden, ist anzunehmen, dass sie geschmuggelt wurden.

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