Die Olde English Bulldogge – zum Pitbull-Mischling mutiert?

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Bisweilen treibt das Recht ­seltsame Blüten aus. Vor allem dann, wenn krampfhaft versucht wird, bestimmte Lebenssach­verhalte in den Anwendungs­bereich von ­Normen zu pressen, die dazu indes nicht vorge­sehen sind. Dies wird gerade im Bereich der Zuordnung ­bestimmter Hunde­rassen zu den vermeintlich gefährlichen ­Hunden immer augenschein­licher.

Bereits mehrfach wurde in der WUFF über die Versuche ­Thüringens und Sachsen-Anhalts berichtet, welche mit aller Macht den Miniatur-Bullterrier dem Standard Bullterrier gleichsetzen ­wollen. Bislang im wesentlichen ­vergeblich, da die Gerichte von zwei eigenständigen Hunderassen aus­gehen.

Doch es geht noch eine Nummer skurriler. Denn vor allem ­Brandenburg hat nunmehr die Olde English ­Bulldogge entdeckt. Diese Rasse ist von der F.C.I. (Fédération Cynologique Internationale) nicht anerkannt, soll allerdings wohl ab 2014 in den USA vom UKC (United Kennel Club) als eigenständige Rasse endgültig bestätigt werden. Das Problem, welches Brandenburgs Behörden mit der Olde English Bulldogge haben, liegt nun über 40 Jahre zurück. Denn in dem Bestreben, aus Englischen Bulldoggen wieder gesunde Hunde zu züchten, wurde ein Rückzüchtungsprogramm aufgelegt, in das auch Pitbull Terrier Eingang fanden. Die ursprüngliche Zucht entstand aus etwa 50% Eng­lischer Bulldogge sowie jeweils 1/6 der Rassen Bullmastiff, American ­Bulldog und American ­Pitbull ­Terrier (vgl.http://de.wikipedia.org/wiki/Olde_English_Bulldogge). Zwar gibt es auch innerhalb dieser Rasse unterschiedliche Schläge und sicherlich auch einige Zeitgenossen, die alles Mögliche an Mischlingen als Olde English Bulldogge anpreisen. ­Gerade Letzteres hat dazu geführt, dass nahezu im gesamten Bundesgebiet Halter eines solchen Hundes beim Veterinäramt vorstellig ­werden ­müssen, welches dann prüft, ob ­wirklich ein bulldoggenartiger Hund vorliegt oder nicht.

Brandenburg geht indes einen ­anderen Weg. Denn dort wird die ­Auffassung vertreten, durch die Einkreuzung der Rasse Pitbull seien ­Hunde der Rasse Olde English Bulldogge in Wahrheit Pitbull-Mischlinge, deren Haltung verboten sei.

Dem haben allerdings Brandenburgs Verwaltungsgerichte einstweilen einen Riegel vorgeschoben. Sowohl das Verwaltungsgericht Cottbus (Beschluss vom 14.01.2013 – 3 L 362/12) als auch das Verwaltungsgericht Frankfurt/Oder (Beschluss vom 13.02.2013 – 6 L 28/13) sowie zuletzt das Verwaltungsgericht ­Potsdam (Beschluss vom 27.03.2013 – 3 L 104/13) haben in drei Eilverfahren die Auffassung vertreten, dass Hunde der Rasse Olde English Bulldogge grundsätzlich eben keine Pitbull-Mischlinge sind. Denn nur weil vor ca. 40 Jahren einmal Pitbulls eingekreuzt wurden, handelt es sich nicht gem. § 8 Abs. 2 der Hunde­halterverordnung um „Kreuzungen von Hunden der aufgeführten Rassen oder ­Gruppen mit anderen ­Hunden". Denn – so überzeugend bspw. das Verwaltungsgericht Potsdam (a.a.O.) – „Wortlaut und Grammatik der Regelung setzen voraus, dass ein Elterntier des zu beurteilenden Hundes ein Hund einer der aufgeführten Rassen oder Gruppen, d. h. reinrassig ist (sogenannte F1-Generation)." Das ist grundsätzlich bei einer Olde English Bulldogge nicht der Fall.

Gleichwohl ist dies kein Freibrief. Denn bspw. das Verwaltungsgericht Cottbus (a.a.O.) lässt sinngemäß anklingen, dass eine Olde English Bulldogge jedenfalls dann als Pitbull-Mischling angesehen werden könnte, wenn sie nach ihrer äußeren Erscheinung trotz Einkreuzung anderer Rassen die Merkmale eines Pitbulls aufweist.

Gerade in den Fällen, in denen ­Hunde keine einigermaßen belastbaren „Papiere" haben, kann es daher nach wie vor eng werden. Es gibt zwar durchaus Zuchtvereine, die von den Behörden anerkannt werden. Ebenso gibt es mittlerweile (einige) Amts­veterinäre, die in der Lage sind, einen Hund der Rasse Olde English ­Bulldogge zu erkennen. Es kann aber auch anders laufen, und dann kann die Luft ganz schnell ganz dünn werden.

Fazit: Augen auf bei Hunden der Rasse Olde English Bulldogge!

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Der Autor, Lars-Jürgen Weidemann, ist Partner der Anwaltskanzlei ­Sieger, Weidemann und Laakes in Mülheim an der Ruhr. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren u.a. mit rechtlichen Fragen zur Hundehaltung, zum Tierschutz- und Vereinsrecht.
 
Rechtsanwalt L.-J. Weidemann,
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