Die Politiker und ihre Hunde

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Wie sich die Zeiten ähneln … Ende 1995 habe ich anlässlich der Erstausgabe von WUFF die Spitzenpolitiker der damals im Parlament vertretenen 5 Parteien zum Thema Hund befragt. Während ich seinerzeit an einem Artikel über das Thema „Wie tierlieb sind unsere Politiker“ arbeitete, zerbrach die rot-schwarze Regierungskoalition, und für den 17.12.1995 wurden Neuwahlen festgesetzt. So wurde die Erstausgabe von WUFF mit den Aussagen der 5 Parteispitzen plötzlich brandaktuell – und dementsprechend in den österreichischen Tageszeitungen zitiert und kommentiert (kein schlechter Start für ein Hundemagazin …).


Diese Spitzenpolitiker hießen damals für die SPÖ Dr. Franz Vranitzky, für die ÖVP Dr. Wolfgang Schüssel, für die FPÖ Dr. Jörg Haider, für die Grünen Dr. Madeleine Petrovic und für das Liberale Forum Dr. Heide Schmidt. Kurze Auszüge aus ihren teilweise sehr umfassenden Aussagen siehe Kasten „WUFF anno dazumal“ unten.


Wir stehen nun nach dem neuerlichen Bruch einer Regierungskoalition – diesmal von schwarz-blau – wieder vor Neuwahlen, und ich habe aus diesem Grund die Spitzenkandidaten der vier bei der Nationalratswahl am 24. November 2002bundesweit antretenden Parteien um ihre ganz persönliche Meinung über den Hund gebeten, sowie Aussagen zum Tierschutz. Allen vieren – Bundeskanzler Schüssel, Dr. Gusenbauer, Dr. Van der Bellen und Ing. Reichhold – war das Thema wichtig genug, um mitten im heißen Wahlkampf Zeit dafür zu finden.

Haben Sie einen Hund?
Die zunächst sehr persönliche Frage nach dem eigenen Hund wurde sehr unterschiedlich beantwortet. Hunde mögen eigentlich alle vier Spitzenkandidaten, wenngleich nur Ing. Mathias Reichhold einen eigenen Hund hat – Rolfi, ein Labrador-Spaniel-Mix. Aber lassen wir die Politiker selbst zu Wort kommen.

Für mich ist Tierschutz als Christ ein Gebot und als Mensch eine Herzens-angelegenheit.
Bundeskanzler Dr. Schüssel


Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel (ÖVP): „In unserem Haushalt lebt eine Katze und sie ist sich ganz sicher, dass sie keine Hunde mag. Ich muss das leider respektieren, weil ich immer gerne Hunde um mich habe“.

Dr. Alfred Gusenbauer, Spitzenkandidat der SPÖ:„Ich hatte niemals einen Hund, dazu war unsere Gemeindewohnung einfach zu klein. Als Kind nützte ich allerdings jede Gelegenheit, um mit Hunden, vor allem den Hunden meiner Freunde, zu spielen“.

FPÖ-Spitzenkandidat, Infrastrukturminister Ing. Mathias Reichhold hat einen Hund names Rolfi, ein Mischling – Mutter ist ein Labrador, Vater ist ein Spaniel. Rolfi wird wie ein Familienmitglied behandelt, er wohnt im Haus und ist natürlich der beste Freund seines Sohnes.

Im Falle einer Regierungs-beteiligung trete ich für ein strenges Bundestierschutz-gesetz ein.
Grünen-Chef Univ. Prof.
Dr. Van der Bellen

Univ.-Prof. Dr. Alexander Van Der Bellen, Chef der Grünen: „Ja, ich hatte einen Hund, und in unserer Familie gibt es derzeit zwei Hunde. Ich hätte auch gerne wieder einen, allerdings fehlt mir dazu leider die Zeit“.

Die Bedeutung des Hundes
Was bedeuten eigentlich Hunde Österreichs Spitzenpolitikern? Wie denken sie über den ältesten Gefährten des Menschen?


Seit Jahren fordert die SPÖ ein bundeseinheitliches Tierschutzgesetz für Österr.
Dr. Alfred Gusenbauer, Spitzenkanditat der SPÖ

Gusenbauer: „Ohne Frage kommt Hunden wie auch allen anderen Haustieren eine große Bedeutung für uns Menschen zu. Die positive Wirkung in psychischer und physischer Hinsicht von Hunden wie von anderen Haustieren ist nicht abzustreiten. Der deutliche Anstieg von Single-Haushalten, die Vereinzelung in den Großstädten zieht es auch nach sich, dass das Bedürfnis nach Haustieren ebenfalls stark steigt. Für viele Menschen erfüllen daher Hunde ganz wichtige soziale Funktionen. Abgesehen davon sind Hunde und andere Haustiere vor allem für Kinder von großer Bedeutung. Die Rücksicht auf andere Lebewesen, die Verantwortung, die den Kindern mit der Haltung von Tieren übertragen wird, schult ihr soziales Verhalten und hat meiner Ansicht nach auch große Auswirkungen auf das spätere zwischenmenschliche Verhalten“.


Schüssel: „Hunde sind treue Weggefährten, für Alleinlebende, für Familien mit Kindern – für jeden von uns. Für einen Hund Verantwortung zu übernehmen ist immer eine schöne und wichtige Erfahrung. Gerade in unserer oft zu hektischen Zeit verlangt ein Hund von uns Ruhe und Gelassenheit – und Zeit, z.B. für einen flotten Spaziergang im Grünen!“


Van Der Bellen: „Für viele Menschen ist der Hund Freund und Begleiter, für einsame oder kranke Menschen Tröster und Therapeut“.


Reichhold: Als Biobauer ist Ing. Reichhold klar, dass der Mensch eine große Verantwortung gegenüber dem Tier hat. Die Haltung und die Fütterung der Tiere beeinflussen sehr stark ihr Wohlergehen, und wir müssen alles daran setzen, diese so natürlich wie nur möglich zu halten. Die traditioniellen Funktionsbereiche des ältesten Freundes der Menschen (Schutz- und Hütehunde, Blindenhunde, Jagdhunde usw.) werden erweitert durch neue Aufgabengebiete,wie sie eben aus der Veränderung der Gesellschaft erwachsen sind: Begleithunde – für alte und alleinstehende oder vereinsamte Menschen, Familienhunde – positiver Beitrag für die soziale Entwicklung, Therapiehunde in Altersheimen, für behinderte Menschen.

Welche Bedeutung hat unseren Politikern der Tierschutz?
Tiere werden zunehmend als Mitgeschöpfe betrachtet, und die Justiz hinkt da mit ihrer Rechtsprechung, in der Hunde noch immer als Sache betrachtet werden, den gesellschaftlichen Gegebenheiten leider nach. Es war mir daher sehr wichtig zu erfahren, welchen Stellenwert die Spitzenpolitiker dem Tierschutz zumessen. Und in diesem Zusammenhang – neben der persönlichen

Reichhold fordert ein bundeseinheitliches Tier-schutzgesetz und hohe EU-Tierschutzstandards
FPÖ-Spitzenkandidat Ing. Mathias Reihhold

Meinung – auch die politischen Absichten in Hinsicht auf ein bundeseinheitliches Tierschutzgesetz, wie es WUFF seit der Erstausgabe 1995 aus bekannten Gründen stets fordert und wofür bei der Volksabstimmung für ein bundeseinheitliches Tierschutzgesetz im März 1996 immerhin 460.000 Menschen unterschrieben haben. Bei dieser Frage traten dann klare politische Positionen zutage, die in der jetzigen Zeit des Wahlkampfs schärfer als sonst formuliert wurden.


Schüssel: „Für mich ist Tierschutz als Christ ein Gebot und als Mensch eine Herzensangelegenheit. Ich habe mich daher immer für einen umfassenden Tierschutz stark gemacht und durchgesetzt, dass unsere Bundesländer die strengsten Tierschutzgesetze Europas haben – auch für Haustiere. Das ist ein großer Erfolg der ÖVP und ihrer Landeshauptleute. Damit sind wir in Europa Vorreiter!“


Reichhold: Der FPÖ-Bundesparteiobmann gibt WUFF gegenüber als Ziel die Respektierung der Würde unserer Mitgeschöpfe an, und die Durchsetzung ihrer Rechte sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene und im EU-Recht. Das „Programm“ Reichholds, also die konkreten Maßnahmen, die er fordert, lauten: Verankerung des Tierschutzes in der österreichischen Bundesverfassung, analog zum Umweltschutz, ein bundeseinheitliches Tierschutzrecht in Gesetzgebung und Vollziehung, einheitlich hohe Tierschutzstandards in der gesamten EU, einschließlich der Beitrittswerber, eine Streichung der Förderungen für Lebendschlachtvieh-Transporte und keine Tierversuche an Primaten.


Gusenbauer: „Der Schutz von Tieren hat für mich eine sehr große Bedeutung. Nicht zuletzt ist es die SPÖ, die seit Jahren ein bundeseinheitliches Tierschutzgesetz für Österreich fordert, um endlich gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Landesgesetzen aufzuheben. Damit soll auch gewährleistet werden, dass viele tierquälerische Praktiken endlich der Vergangenheit angehören. Die SPÖ hat daher das Tierschutzvolksbegehren mitgetragen und dieses Anliegen massiv im Parlament vertreten. Der ÖVP ist es allerdings immer wieder gelungen, dieses wichtige Anliegen abzuschmettern. Zu sehr ist die ÖVP ihrer starken Agrarlobby verhaftet, sodass sie sich in dieser Frage keinen Millimeter bewegen konnte. Die FPÖ ist ebenfalls bei den letzten Koalitionsverhandlungen umgefallenund hat diese Gesetzesforderung gestrichen und nichts mehr für den Tierschutz unternommen. Kommt die SPÖ in die nächste Regierung, wird dieses Anliegen in jedem Fall ein wichtiger Punkt bei den Koalitionsverhandlungen sein.“


Van Der Bellen: „Für mich sind Tiere leidensfähige Lebewesen und daher keine Sachen. Dies muss rechtlich noch stärker verankert werden. Im Falle einer grünen Regierungsbeteiligung würden wir uns dafür stark machen, dass es ein modernes, strenges Bundestierschutzgesetz gibt. Wir unterstützen daher auch die neue Tierrechtsbewegung, der es nicht mehr nur um den Schutz der Tiere, sondern um Rechte der Tiere geht.“

Für bundeseinheitliches Tierschutzgesetz: SPÖ, FPÖ, Grüne
Für ein österreichweit einheitliches Tierschutzgesetz treten also konkret drei der vier Spitzenpolitiker ein: Dr. Gusenbauer nennt dies definitiv eine langjährige Forderung der SPÖ. Dr. Van der Bellen verspricht im Falle einer Regierungsbeteiligung nach der kommenden Wahl den Einsatz für ein bundeseinheitliches Tierschutzgesetz und Ing. Reichhold gibt WUFF gegenüber ebenfalls als Ziel ein bundeseinheitliches Tierschutzgesetz an, sowie die Verankerung des Tierschutzes in der Bundesverfassung. So wie aber seinerzeit die SPÖ in der großen Koalition in dieser Frage am Widerstand der ÖVP gescheitert ist, gelang es auch der FPÖ nicht, im Rahmen ihrer Regierungsbeteiligung diese Frage ernsthaft zu thematisieren. Experten meinen, dass bei der Forderung nach einem bundesweit einheitlichen Tierschutzgesetz letztlich der ÖVP-Bauernbund seine Mutterpartei in eine – auch vielen ÖVP-Politikern sehr unangenehme – Geiselhaft genommen hat. Umso mehr gilt es, weiterhin Aufklärung für die Notwendigkeit eines solchen bundesweit gültigen Gesetzes zu schaffen, insbesondere als auch der Bundeskanzler WUFF gegenüber Tierschutz als seine Herzensangelegenheit bezeichnet hat.


Ich danke allen vier Spitzenkandidaten für die Nationalratswahl am 24. November 2002, dass sie sich trotz heftigstem Wahlkampfstress mit meinen Fragen, die bewusst so formuliert wurden, dass weitgehend persönliche Antworten zu erwarten waren, auseinandergesetzt haben. Die Antworten waren jedenfalls interessant und informativ.

Dr. Hans Mosser



>>> WUFF – ANNO DAZUMAL

Die damaligen 5 Spitzenpolitiker vor der Nationalratswahl 1995 in der Erstausgabe von WUFF zum Thema Hund

Anlässlich der Erstausgabe des Hundemagazins WUFF Ende 1995 bat WUFF-Herausgeber Dr. Mosser die Spitzenpolitiker der damals im Parlament vertretenen 5 Parteien um Aussagen zum Thema Hund. Dass dann die damalige rot-schwarze Regierungskoalition unter Bundeskanzler Dr. Vranitzky (SPÖ) und Vizekanzler Dr. Busek (ÖVP) zerbrach und für den 17.12.1995 Neuwahlen ausgeschrieben wurden, machte die Erstausgabe von WUFF politisch brandaktuell.


Für die SPÖ der damalige Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzky: „Der Hund gilt als bester tierischer Freund des Menschen und diese Eigenschaft verweist ihn in den Bereich des Privaten und Höchstpersönlichen, in den der Staat nicht eindringen soll.“ … „Der pflegliche Umgang mit Haustieren gehört zur Kultur der menschlichen Gesellschaft“ … „Dieses Bewusstsein zu schärfen, aber auch die eine oder andere unangenehme Begleiterscheinung, beispielsweise bei der Haltung und Erziehung von Hunden, in Grenzen zu halten, wird eine der Aufgaben des Hundemagazins WUFF sein, dem ich für seine Bemühungen viel Erfolg wünsche.“


Der damalige (und heutige) ÖVP-Bundesparteiobmann und heutige Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel: „Ich könnte einem Hund angesichts meiner oft turbulenten Tagesabläufe wohl kaum ein gutes Zuhause bieten“ … „Meine Familie und ich haben aber eine Katze, ein sehr eigenständiges Wesen, das wir alle respektieren und als festen Bestandteil unserer Familie lieben.“

Dr. Jörg Haider, der 1995 die FPÖ als ihr Bundesparteiobmann und Spitzenkandidat in die Wahl führte: „Wegen meiner politischen Tätigkeit, die mich Woche für Woche durch ganz Österreich führt, halte ich keinen eigenen Hund, denn diese treuen Tiere fordern zu Recht sehr viel Aufmerksamkeit“ … „Extreme Züchtungen, Massenoutput von Moderassen, schlechte Haltungsbedingungen und Tierquälerei wie das Kupieren von Ohren und Schwänzen lehne ich entschieden ab.“


Die damalige Spitzenkandidatin der Grünen, Dr. Madelaine Petrovics: „Schon als Kind habe ich gegen den Willen meiner Eltern durchgesetzt, Tiere haben zu dürfen. Trotz der erhöhten Verantwortung, des Zeitaufwandes und der Tränen, die fließen, wenn ein Haustier stirbt, wollte ich niemals Tiere in meiner Wohnungsumgebung vermissen … dabei ist es mir immer auf ihren Charakter als mitfühlende Lebewesen angekommen.“ … „Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Festlegung von sogenannten gefährlichen Hunderassen – „Kampfhunden“ – blanker Unfug ist.“ … „Die Idee eines modernen Tierschutzes war einer der wesentlichen Gründe für mich, in die Politik zu gehen.“


Für das damals noch kandidierende Liberale Forum Dr. Heide Schmidt: „Der Mensch hat im Hund einen Partner, mit aller Bereicherung aber auch aller Verantwortung.“ … „Die Überlegung um einen Hund muss vor seiner Anschaffung beginnen.“ „Die Qualität einer Stadt ist an ihrer Kinder- und Kulturfreundlichkeit abzulesen, aber auch an ihrer Tierfreundlichkeit.“


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