Diskussion über Wohl und Weh des Deutschen Schäferhundes

Die WUFF-Reportage über das Schicksal von Indiana (siehe Kasten) hat eine Lawine an Leserzuschriften losgetreten. Viele traurige Geschichten über Deutsche Schäferhunde aus Österreich, Deutschland und Holland erreichten die Redaktion. Hüftdysplasie, Ellbogendysplasie, Bauchspeicheldrüsenerkrankung, Schäferhundekeratitis (eine Augenerkrankung), Spondylose, Cauda equina, Lähmungen durch Bandscheibenvorfälle – Leid und Schmerzen für so viele Hunde, und ihre Besitzer leiden mit. Und viele Hundehalter beklagen die fehlende Hilfe von Züchter und zuständigem Rasseverein (SV oder SVÖ).

Vertrauenstierarzt des Züchters: „Gefälligkeitsbefund"?
Da berichtet beispielsweise Ingrid Scheicher aus dem salzburgischen Hallwang über ihre erste Schäferhündin aus einer SVÖ-Zucht (Österr. Verein für Deutsche Schäferhunde), die im Alter von nur 7 Monaten wegen beidseitig schwerer HD eingeschläfert werden musste. Vom Züchter erhielt die Käuferin einen neuen „Garantie-Welpen", Godzilla, den sie aufgrund ihrer Erfahrung mit der ersten Hündin im Alter von 7 Monaten röntgen lassen wollte. Auf Wunsch des Züchters fuhr man zu dessen Tierarzt nach Bayern, welcher der Hundehalterin dann auch bestätigte, dass alles in Ordnung sei. Keine HD. Leider war es aber nicht so: Godzilla wird heute im Rehazentrum Piding behandelt. Schon auf dem Hüftröntgenbild im Alter von erst 7 Monaten sei zu erkennen gewesen, dass die Hüften nicht in Ordnung waren, sagt Godzillas Frauchen heute. Und ein DSH-Experte meint gegenüber der WUFF-Redaktion, dass man selbstverständlich bei der Hündin ein halbes Jahr später ein Kontrollröntgen hätte machen müssen. Dann wäre die HD eindeutig diagnostizierbar gewesen. Warum der Vertrauenstierarzt des Züchters diese Kontrolle nicht empfahl? Aus „Gefälligkeit" des Tierarztes gegenüber seinem Großkunden, dem Züchter? – fragt sich Godzillas Frauchen. Wem das bisher noch relativ theoretisch klingt – es hat auch viele konkrete Auswirkungen auf das Leben des Hundes und seiner Familie. Bei den Bergtouren, die die Familie und Godzilla gerne unternommen haben, heißt es jetzt kürzer treten. Eine Rampe wurde gebaut, damit die Hündin leichter in das und aus dem Auto kommt, und nicht zu vergessen die regelmäßigen Besuche in der Rehaklinik Piding, damit Godzilla trotz ihrer Behinderung ein möglichst schmerzfreies Leben führen kann. Leider ist nun zur HD auch noch die Schäferhundekeratitis dazu gekommen, eine Eintrübung der Hornhaut, die ohne Behandlung zur Erblindung führt.

Nicht alle Züchter verurteilen!
Martina Weißleder aus Weinbach in Hessen hofft, dass die Berichte über Probleme in der DSH-Zucht nicht dazu führen, dass alle Züchter über einen Kamm geschoren werden. Es gäbe sicher auch gute, sagt sie, und wünscht dem Herrchen von Indiana, dass er sich wieder für einen Schäferhund entscheidet. Auch wenn ihre eigene Schäferhündin Tessa an schwerer beidseitiger HD und an ED leidet. Deswegen schätzt Frau Weißleder es auch, wenn das Problem der kranken Schäferhunde nicht totgeschwiegen wird: „Was ich sehr gut finde ist, dass dadurch vielleicht der SV zu mehr Sorgfalt in der Zucht angeregt wird, indem er es vielleicht zur Pflicht macht, alle Hunde zu röntgen und auch zu melden."

Was sind offizielle HD-Statistiken des DSH wert?
Doch das mit dem „Melden" ist ein Problem in der Bekämpfung der HD in der Schäferhundezucht, so Fachleute. Um eine seriöse Statistik zu erhalten, auf der Zuchtstrategien aufgebaut werden können, bedürfe es der Ehrlichkeit der SV-Züchter. Die müssten jeden Fall von HD in ihrer Zucht auch dem SV melden, der sich bemüht, die HD beim DSH zu bekämpfen. Dass dies – gerade auch bei renommierten Großzüchtern – aber nicht immer so der Fall ist, beweist gerade auch die Geschichte von Tessa. Obwohl schwere beidseitige HD sowie ED diagnostiziert wurde, konnte dieser Befund keinen Eingang in die SV-Statistiken finden, weil der Züchter das dem SV einfach nicht meldete. „Auch ich habe damals nicht weiter nachgebohrt und darauf bestanden, Tessas Mängel zu melden, und ich glaube, dass es sehr viele von meiner Sorte gibt", sagt Frau Weißleder.

„Den Züchter hat´s nicht interessiert"
So empfiehlt auch DSH-Besitzerin Kerstin Balasus aus Petershagen in Nordrhein-Westfalen, beim Kauf eines Welpen in den „Genetics" des SV nachzuschauen, ob und wie viele Hunde des in Frage kommenden Züchters überhaupt auf HD und ED untersucht und eingeschickt wurden. „Wenn viele nicht geröntgt wurden, dann lasst die Finger von dem Hund!", rät sie potenziellen DSH-Welpenkäufern. Ihr DSH-Rüde Dando stammt von einem renommierten SV-Großzüchter. Bei Dando waren zwar die Hüften gesund, „das war aber auch das Einzige, was gesund war an ihm", sagt Frauchen zu WUFF. Dando litt an dem Cauda equina-Syndrom. Als dann noch ein Hirntumor dazu kam, wurde Dando – kaum drei Jahre alt – eingeschläfert. Den Züchter habe das nicht interessiert, sagt Frauchen resigniert.

Dreimal ein Schäferhund, dreimal ein kranker Hund …
Berichtet Luuk van Belt aus dem holländischen Amstelveen über seine letzten drei Schäferhunde, die allesamt aus sog. „Top-Zuchten" aus Holland und Deutschland stammen, dann erfüllen bald Mitgefühl für Hund und Besitzer die Zuhörer, verbunden mit Zorn gegen das Verhalten der jeweiligen Hundezüchter. Bei seiner Deutschen Schäferhündin Greta, geboren 1992, hatte der Tierarzt gemeint, ein Herzrauschen zu hören. Van Belt informierte den Züchter darüber, der meinte, das sei kein Problem, es wäre alles in Ordnung. Die Deutsche Schäferhündin erlitt am 21.2.1995, kaum drei Jahre jung, einen Herzstillstand und starb: Es war also gar nichts in Ordnung …

Bei seiner nächsten Hündin, Young, machte van Belt darauf aufmerksam, dass die mittlerweile 6 Monate alte Hündin mit den Hinterbeinen nicht normal laufe. Die Diagnose beim Experten: Hüftdysplasie. Man empfahl dem Hundebesitzer, sein Tier operieren zu lassen. Young erhielt ein Hüftimplantat. Was sagte der DSH-Züchter? Die Operation sei unnötig gewesen, es sei alles in Ordnung gewesen … Leider, in Ordnung war das nicht. Und mit 9 Jahren bekam die Schäferhündin eine weitere Krankheit, die Spondylose. Ende Dezember 2004 war die Hündin schließlich komplett an den Hinterbeinen gelähmt. Ein Rollwagen wurde für das geliebte vierbeinige Familienmitglied angeschafft, doch als sie sich im September des Vorjahres am vorderen Bein verletzte, war es aus. Young konnte sich nun auch mit dem Rollwagen nicht mehr bewegen, für die trotz ihrer Leiden immer lebensfrohe Hündin das Ende. Es war also nichts in Ordnung …

Im August 2005 erwarb van Belt wieder eine Deutsche Schäferhündin, diesmal ganz bewusst eine aus Deutschland, dem Heimatland der Rasse. Wenn nicht dort, wo dann eine gesunde DSH-Hündin, meinte der verzweifelte DSH-Liebhaber. Nena v. P. war es diesmal. Nun musste einfach alles in Ordnung sein. Doch im Alter von 5 Monaten begann die Hündin an den Vorderbeinen zu humpeln. Der Tierarzt meinte zunächst, es handle sich um Wachstumsschmerzen, doch das war es leider nicht. Mehrere Röntgenaufnahmen bewiesen das Vorliegen einer beidseitigen schweren ED. Die Hündin humpelt bis heute. Der Züchter interessiert sich nicht für die Röntgenbilder. Und gemeldet wird dem SV schon gar nichts. Und wieder gilt dasselbe wie bei den beiden Hündinnen davor: Es ist nichts in Ordnung …

Drei Fälle bei nur einem einzigen Hundebesitzer, drei DSH, die aus zwei Ländern stammen. Dass es sich hier nicht mehr nur um Zufälle handeln kann, sondern dass es mit der Gesundheit des DSH gar arg bestellt sein muss, ist nicht nur die Ansicht von Luuk van Belt. Die vielen WUFF vorliegenden Geschichten, die aus Platzgründen nur teilweise Erwähnung finden konnten, unterstützen diese Ansicht. Und Indianas Herrchen, der Belgier Jan Demeyere, nimmt den Tod seines Hundes zum Anlass, für einen gesunden DSH zu kämpfen und Missstände schonungslos aufzuzeigen. Dass er mit seinem Weblog (www.bloggen.be/hd) nicht nur Freunde gewinnt, liegt auf der Hand.

Hüftdysplasie: Raten Tierärzte zu schnell zur Euthanasie?
Was in vielen Berichten immer wieder auffällt, ist die oft sehr rasche Empfehlung von Tierärzten, die Hunde wegen HD einzuschläfern. Als bei Tara, der 5-j. Hündin von Christl Reisser aus Eichgraben in Niederösterreich beidseitige schwere HD festgestellt wurde, erhielt sie von 5 verschiedenen Tierärzten den Rat zur Einschläferung. „Wir liebten unseren Hund, konnten und wollten das nicht akzeptieren", berichtet Taras Frauchen. Und sie hatte offensichtlich Recht. Die Hündin wurde an beiden Hüften erfolgreich operiert und glückliche 12 Jahre alt.

Und auch wenn es nach dem Rat der Tierärzte von Martina Weißleder aus Hessen gegangen wäre, hätte die jetzt 9 Jahre alte Schäferhündin Tessa ihren ersten Geburtstag nicht erleben dürfen. Tessas Frauchen, von Beruf Masseurin, wollte ihre Hündin aber nicht so schnell aufgeben und begann eine Therapie mit Schwimmen und Traben. So baute sie gezielt die Muskulatur ihrer Hündin auf – „und siehe da, es wurde besser", sagt sie. Intuitiv hatte Tessas Frauchen offensichtlich das Richtige getan. So sagt auch der HD-Experte Univ.-Doz. Dr. Ewald Köppel, dass es viele Therapien gäbe, deren Wirksamkeit gut dokumentiert sei, wodurch einem Hund mit HD „der Schmerz weitestgehend genommen werden, jedenfalls aber so gelindert werden" kann, „dass Bewegung Spaß macht".

Wohl und Weh des Deutschen Schäferhundes: Was bleibt?
Die vielen Berichte über die Einzelschicksale von Deutschen Schäferhunden konnten in dieser Reportage nur ausschnittsweise wiedergegeben werden und stellen – so Hundeexperten zu WUFF – auch nur die Spitze des Eisberges dar. Vielleicht gibt es ja bald auch eine Reaktion der zuständigen Rassevereine in Deutschland (SV) und Österreich (SVÖ) dazu?

Schreiben Sie an WUFF!
Wenn diese zu Herzen gehenden Berichte auch nur ansatzweise das bewirken könnten, was etwa Ingrid Scheicher aus Hallwang hofft, dass dadurch ein Umdenken in der DSH-Zucht in Richtung Gesundheit einsetzen könnte, dann haben die Reportagen und diese Diskussion ihr Ziel erreicht, dann ist Indiana nicht umsonst gestorben … Wollen auch Sie dazu etwas sagen, dann schreiben Sie uns (WUFF, A-3034 Maria Anzbach, redaktion@wuff.at oder WUFF, Nerongsallee 48, D-24939 Flensburg, redaktion@wuff.de).


WUFF HINTERGRUND


Die Geschichte von Indiana ließ niemand kalt …
In den vergangenen beiden Ausgaben von WUFF erschien unter dem Titel „Indianas letzter Winter" die Reportage über eine Geschichte, wie sie jedem Welpenkäufer geschehen kann.

Tausende Kilometer war Jan Demeyere mehrmals von Belgien nach Bayern gefahren, um bei einem bayerischen „weltbesten" Züchter einen gesunden HD-freien Deutschen Schäferhundwelpen zu kaufen. 700 Euro wechselten schließlich den Besitzer, und Familie Demeyere hatte einen Hund, den DSH-Rüden Indiana. Vor der Kaufabwicklung fragte Demeyere den Züchter, was denn sei, sollte sich später herausstellen, dass Indiana Hüftdysplasie habe. Die Frau des Züchters, Mit-Inhaberin der Zuchtstätte, sagte dazu: „Wir haben keine HD in unserer Zucht". Das nahm der Welpenkäufer als Garantie, dass Indiana auch später keine HD aufweisen würde.

Dass es aber weder Gewährleistung und schon gar keine Garantie gab, musste der Welpenkäufer bemerken, als im Alter von knapp 1 Jahr Indianas Hüften geröntgt wurden. Das Ergebnis: Der Hund wies an der linken Hüfte die zweitschwerste Form einer HD auf. Dass dann auch ein Wurfbruder von Indiana schwere doppelseitige HD hatte und eingeschläfert wurde, bewies, dass auch von einem „weltbesten" Züchter HD-kranke Schäferhunde stammen können (WUFF 12/2006). Demeyere verklagte den Züchter auf Bezahlung der Tierarztkosten – und verlor den Prozess, weil der Richter meinte, dass auch mit einer Operation ein mangelfreier Zustand des Hundes nicht mehr herzustellen wäre (Die Reportage über den Prozess in WUFF 2/2007). Kaum drei Jahre alt, wurde Indiana auf Rat der Tierärzte eingeschläfert, übrig blieb eine verzweifelte Familie.



>>> WUFF – INFORMATION


Hüftdysplasie:
Ein komprimierter Überblick über Genetik, Diagnose und Therapie

Auch bei sorgfältigster Auswahl der Zuchttiere kann ein Züchter HD-Freiheit seiner Welpen nicht garantieren. Der Grund liegt u.a. darin, dass ein hoher Prozentanteil äußerlich (und röntgenologisch) „HD-freier" Hunde Träger von HD-Genen sind, die sie auch weitervererben. Der internationale HD-Experte Univ.-Doz. Dr. Ewald Köppel fasst das Thema für WUFF zusammen.

1. Die HD ist eine genetisch bedingte Erkrankung. Neuere molekulargenetische Untersuchungen gehen davon aus, dass eine größere Zahl von Genen an ihrer Entstehung beteiligt ist, die zu einer Vererbbarkeit von 90 Prozent führen dürfte.

2. Die Ausprägung der Erkrankung von HD-A (= „HD-frei" im Sinne von Veränderungen an den Hüftgelenken) über HD-B (= Übergangsform), HD-C (= geringgradige/leichte HD), HD-D (= mittelgradige/mittlere HD) und HD-E (= hochgradige HD) ist von der Kombination der Trägergene abhängig und rein zufällig. D.h. auch „HD-freie" Hunde sind zu einem hohen Anteil Träger von HD-Genen.

3. Die HD kommt weltweit bei allen Rassen vor; auch Windhunderassen sind davon betroffen, ebenso frei lebende Caniden wie z.B. Wolf, Schakal, Kojote und echte Wildhunde.

4. Die HD ist keine „neue" Gelenkserkrankung; schon Knochenfunde aus der späteren „Stillfried-Zeit" (Jungsteinzeit etwa 600 v.Chr.) zeigen HD-Veränderungen am Becken domestizierter Wölfe.

5. Die Häufigkeit des Auftretens der Erkrankung liegt unabhängig von deren Grad und der Rasse zwischen 16 bis 60 Prozent in einer Population.

Ohne näher auf die sehr komplexen Methoden der Zuchtwertschätzung einzelner Mutter-/Vatertiere einzugehen, ist allein aufgrund dieser 5 Punkte klar, dass kein Hundezüchter, selbst bei sorgfältigster Zuchtauswahl und Einhaltung aller Zuchtbedingungen des jeweiligen Zuchtverbandes, eine Garantie dafür abgeben kann, dass Hunde aus seiner Zucht „HD-frei" sind.

Die Verantwortung des Züchters besteht in der Einhaltung der Regeln der modernen Hundezucht: Sorgsame Auswahl der Elterntiere, die selbstverständlich „HD-frei" sein müssen, Anwendung der Zuchtvoraussetzungen des Verbandes, sorgsame Aufzucht der Welpen in den ersten Lebenswochen bis zur Abgabe an den neuen Besitzer und umfassende Aufklärung über die Erkrankungsrisiken der Hunde seiner Rasse. Geschieht all dies, kann kein Züchter für das Auftreten von HD in seiner Zucht verantwortlich gemacht werden.

Therapie der Hüftdysplasie
Die moderne Veterinärmedizin verfügt über eine Vielzahl wirksamer Methoden zur Behandlung der Schmerzsituation auch bei hochgradigen HD-Formen:

a) Akupunktur
b) Golddrahtimplantation
c) Hüftgelenksendoprothese
d) Oberschenkelkopfentfernung
e) Medikamentelle Schmerztherapie
f) Verschiedene Denervationsformen des Hüftgelenkes etc.

Diese Aufzählung ist weder vollständig, noch entspricht sie in der Reihung einer Rangordnung. Alle diese Maßnahmen sind gut dokumentierte Verfahren. Physiotherapeutische Betreuung unterstützt jede dieser Methoden, beschleunigt die Heilungsphase und hilft in Phasen plötzlich doch auftretender Schmerzen – z.B. Überanstrengung. Die Wahl der zweckmäßigen und notwendigen Methode oder deren Kombination ist in erster Linie von der individuellen Krankheitssituation abhängig. Entscheidend ist: Dem Hund kann durch jede dieser Therapien der Schmerz weitestgehend genommen werden, jedenfalls aber so gelindert werden, dass Bewegung Spaß macht. Der Hund kann sogar in seltenen Fällen auch noch im Sport-, Dienst- und/oder Jagdgebrauch geführt werden.



WUFF STELLT VOR


Der Experte
Die Hüftgelenksdysplasie (HD) des Hundes ist seit knapp 30 Jahren bevorzugtes Forschungs-thema von Univ.-Doz. Dr. Ewald Köppel aus Bruck an der Mur. Seine Dissertation an der Veterinärmedizinischen Universität Wien im Jahre 1980 wie auch seine Habilitationsschrift 1990 befassen sich diagnostisch intensiv mit HD.

Seit 15 Jahren führt Dozent Dr. Köppel eine eigene Praxis in Bruck/Mur, beurteilt zahlreiche Hunderassen iund pflegt dadurch enge Kontakte zu Züchtern einerseits und deren Zuchtverbänden anderseits. Damit verbunden ist auch die therapeutische Betreuung HD-kranker Hunde.



WUFF DISKUSSION


„Verstehe endlich, warum es mit der Gesundheit des DSH bergab geht!"
Die Reportage über den Prozess zwischen Welpenkäufer und Züchter hat mich entsetzt, als ich las, dass der Anwalt des Züchters behauptet, dass die erblichen Gründe der HD unter 20% lägen. Die Aussage wäre nicht so bedeutend, wenn es sich nicht um einen Anwalt handelte, der – wie berichtet – selbst DSH züchtet und im SV auch juristisch tätig war. Wenn es wirklich stimmt, dass ein SV-Funktionär und -Züchter dies behauptet, dann ist mir klar, warum es mit der Gesundheit des DSH so bergab geht!
Franz Strasser
D-83022 Rosenheim



WUFF DISKUSSION


Gefälligkeitsbefund durch Tierarzt?
Nach meiner Erfahrung mit meiner ersten DSH-Hündin, die ich mit 7 Monaten wegen beidseitig schwerer HD einschläfern lassen musste, habe ich meine jetzige Schäferhündin Godzilla – als „Garantiefall" – schon im Alter von 7 Monaten röntgen lassen. Ihr Züchter nahm mich zu seinem Vertrauenstierarzt mit, einer Praxis in Bayern. Dort wurde mir aufgrund des Röntgens gesagt, dass Godzilla gesunde Hüften habe. Als ich jedoch letztes Jahr mit meiner Hündin ins Rehazentrum nach Piding fuhr, wurde mir mitgeteilt, dass man auf dem Röntgenbild im Alter von 7 Monaten schon sehr wohl erkennen kann, dass die Hüfte nicht 100%ig in Ordnung ist. Ich frage mich, ob es da nicht auch Gefälligkeitsbefunde gibt! Als bei Godzilla die Diagnose HD festgestellt wurde, hat man auch noch Schäferhundekeratitis (eine Augenerkrankung, Anm.) diagnostiziert. Von einer gesunden Rasse kann bei Schäferhunden also wirklich nicht die Rede sein! Die Beeinträchtigungen für meine Hündin sind Gott sei Dank aber noch nicht sehr schlimm. Wir machen keinen Hundesport mehr, und Bergtouren dauern auch nur mehr einen halben Tag. Weiters habe ich für meine Hündin eine Hunderampe gekauft, damit sie nicht mehr in das oder aus dem Auto springen muss. Godzilla ist eine sehr treue, aufmerksame, folgsame und anhängliche Hündin, und ich hoffe, dass sie noch viele Jahre vor sich hat! Ich hoffe, dass die Artikel von WUFF bei den „Obersten" vom Verein für Deutsche Schäferhunde ein Umdenken bewirken und nicht nur auf Schönheit (was immer das sein mag!) gezüchtet wird, sondern endlich auch auf Gesundheit.
Ingrid Scheicher
A-5300 Hallwang



WUFF DISKUSSION


Indiana leider kein Einzelfall
Ich will den Züchter von Indiana nicht in Schutz nehmen, aber heute wollen viele Leute gerne Hunde, die auf Ausstellungen toll sind, und dadurch kommt es oft zu einer sehr engen Linienzucht und den daraus folgenden Problemen. Ich kenne einen Züchter, der erwiesenermaßen 2 HD-freie Hunde verpaart hatte – und ein Welpe im Wurf hatte HD-D. Mehr als 2 gesunde Eltern zu verwenden, kann ein Züchter kaum machen, da die meisten Großeltern ja nicht geröntgt wurden. Viele nehmen den Hund zurück und geben einen neuen Welpen dafür her, aber will man als Besitzer wirklich seinen Hund dann noch hergeben, besonders wenn man ja nicht weiß, was mit ihm dann passiert (Einschläferung?). Und als Züchter kann ich nicht alle Hunde, die gesundheitliche Probleme haben, operieren lassen etc.. Wenn das so wäre, würde keiner mehr züchten.
Eduard Hütterer
E-Mail ohne Ortsangabe



WUFF DISKUSSION


Seit 30 Jahren immer DSH: Trotzdem mit Züchtern und Verein nicht glücklich
Mit viel Mitgefühl habe ich die Reportage über Indiana gelesen. Seit 30 Jahren habe ich Schäferhunde und bin dieser Rasse immer treu geblieben. Leider habe auch ich nur Schlechtes über die Züchter und den Verein (SVÖ) zu berichten. Einmal musste ich einen Rüden mit 14 Monaten einschläfern lassen wegen beidseitig hochgradiger HD und Bauchspeicheldrüseninsuffizienz. Auch in diesem Fall „putzte" sich der SVÖ ab, obwohl mehrere Hunde des Wurfes krank waren. … Ich glaube, man kann diese Probleme nur damit aus der Welt schaffen, wenn die Züchter ihr Geld für den Hund erst nach einem Jahr bekämen. Erst dann stellt sich nämlich heraus, ob ein Hund wirklich gesund ist. Viel Leid würde man dann den Hunden und Besitzern ersparen. Leider ist Hunde zu züchten zu einem lukrativen Geschäft geworden, und es ist ganz einfach, einen Zuchtzwinger anzumelden. Ich wünsche mir, dass WUFF mit uns Lesern eine Änderung bewirkt!
Edeltraud Pankratz
E-Mail ohne Ortsangabe



WUFF DISKUSSION

„Was habt Ihr mit dem DSH gemacht?"
Meine Mutter hatte vor fast 30 Jahren eine DSH-Hündin, mit der sie im Hundesport viel gemacht hat (SchH3, FH3, OU etc.). Der DSH war immer die Traumrasse meiner Mutter gewesen. Später hatten wir dann aus verschiedenen Gründen einen Kleinen Münsterländer. Auf mein Drängen – ich war noch ein Kind – haben wir mit dieser Hündin eine Hundeausstellung besucht. Da wollte meine Mutter unbedingt mit mir zum DSH-Ring, um mir diese tollen Hunde, die in ihrem Herzen immer einen besonderen Platz hatten, zu zeigen. Wir machten uns also auf den Weg und standen schon bald inmitten von Dutzenden DSHs. Ich war gespannt, was meine Mutter mir denn nun zeigen oder erzählen würde, aber als ich zu ihr aufschaute, stand sie mit Tränen in den Augen inmitten der Hunde und flüsterte: „Mein Gott, was haben sie mit den Hunden gemacht? Das sind ja alles Krüppel!" Da habe ich begonnen zu verstehen, was mit dieser wunderbaren Rasse passiert war. So wird sich auch mein eigener Traum vom DSH wohl nie erfüllen, denn der aufgeweckte, schlaue, arbeitswillige und wunderschöne Hund, von dem ich als Kind träumte, existiert scheinbar nicht mehr.
Elisabeth Schwarz
A-8073 Feldkirchen bei Graz



WUFF DISKUSSION


DSH-Züchter sollen Garantie übernehmen?
Ich habe eine 6-j. Schäferhündin, die im Sommer einen Bandscheibenvorfall hatte, den ich auf die abnorme Länge ihres Rückens zurückführe, vergleichbar der eines Dackels. Meine Hündin wurde nur mit Homöopathie und Pflanzenheilkunde behandelt, außerdem von einem Physiotherapeuten massiert, und das hat ihr gut getan. Seit dieser Zeit engagiere ich mich für den DSH. … Diese Großzüchter sind natürlich keine Liebhaber-Züchter mehr, denn wenn sie so viele DSH züchten, kann überhaupt keine Beziehung zu den einzelnen Tieren aufgebaut werden, sie sind nur Mittel und Zweck zum Geldverdienen. Herr Demeyere hat Recht, wenn er fordert, dass die DSH-Züchter nur mit Hunden mit 1A Hüften züchten dürften. Die Züchter müssten eine Garantie übernehmen – und zwar in Form der Tierarztkosten für das kranke Tier. Inklusive einer künstlichen Hüfte.
Katrin Berger
D-81370 München



WUFF DISKUSSION


Die Nachfrage bestimmt den „Markt":
DSH-Zucht als „moderne Tierquälerei"?
Indianas Schicksal hat mich sehr berührt, „ … wurdest mal schnell gekauft beim deutschen Weltmeisterzüchter, warst leider nicht ‘voll funktionstüchtig", wurdest ratz-fatz eingeschläfert. Indiana, Lieber, Du hattest keine guten Freunde. Ruhe in Frieden im Hundehimmel, Indiana, in den Du bestimmt gegangen bist." Es gibt viele Hunde, die mit ganz schlechten Hüften ein glückliches und langes Leben führen dürfen, auch wenn keine sportlichen Höchstleistungen möglich sind! … Warum fragen denn Hundefreunde diese armen Tiere immer noch nach und schaffen damit erst die Bedingungen für diese moderne Tierquälerei?! Wer an einen Hundekauf herangeht wie an einen Volkswagenkauf, der muss sich hinterher nicht wundern, wenn er auch so behandelt wird!
E. Grasbergs-Begerock
D-66871 Albessen


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