Durch die Rocky Mountains

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Der Black Canyon of the Gunnison mit seiner teilweise mehr als 800 Meter tiefen Schlucht im dunklen Gestein und dem reizvollen Gegensatz der grünen Bäume, Büsche und Wiesen gefällt uns sehr, daher bleiben wir zwei Nächte auf dem Campingplatz.
Die Campgrounds in Amerika sind meist recht spartanisch eingerichtet, auch hier gibt es weder warmes Wasser, noch eine Dusche. Doch das stört uns nicht. Diese Verbindung  mit der Natur, mitten in der Wildnis, stets der Gefahr ausgeliefert, einem Bären zu begegnen, die Rehe zu beobachten, die nahe am Zelt im Gebüsch äsen, erzeugt eine Mischung aus vollkommener Zufriedenheit und Herzklopfen.

Wintersport in Amerika
Wir fahren weiter Richtung Norden und kommen in das hübsche Yampa-Tal, dessen Zentrum Steamboat Springs ist. Dieser Ort ist einer der grössten Wintersportplätze der USA und wir fühlen uns gleich wie in Österreich oder der Schweiz. Skilifte und die momentan noch grünen Abfahrten lassen uns ahnen, welche Möglichkeiten zum Skisport hier im Winter zu finden sind.  Da wir eine Dusche dringend nötig haben, wollen wir uns für diesen Abend ein Motel suchen. Die altbekannte Suche geht los, doch wir haben bald Glück und finden die „Nordic Lodge“, mitten im Zentrum der Stadt. Für das Gassi-gehen mit den Hunden nicht so geeignet, für das Abendessen-gehen der Menschen jedoch wunderbar, weil sich gleich mehrere Restaurants in der Nähe befinden.

Schnee im Juli
Nach einer angenehmen Nacht in einem weichen Bett, packen wir wieder unsere Koffer ins Auto.
Bald darauf erreichen wir den Rocky Mountains Nationalpark. Dieser Park ist einer der schönsten und ganz sicher der höchstgelegene der USA. Über die unbefestigte Old Fall River Road, die nur im Juli und August geöffnet ist, fahren wir mit unserem Bus bis zum High Point, der auf ca. 3700 m liegt. Hier ist es äusserst windig und kalt und wir sehen das erste Mal seit über einem Jahr wieder Schnee. Die Hunde sind begeistert von der Kälte und bei einem Spaziergang entdecke ich ein Murmeltier, das laut pfeifend bei seinem Höhleneingang sitzt. Nur mit grösster Anstrengung kann ich die zwei Hunde an der Leine halten, die sich selber fast erwürgend, mich immer näher ziehen. Da ich das Murmeltier nicht erschrecken will, drehe ich mich lieber um, bringe die Wuffis zum Auto, schnappe den Photoapparat und gehe auf  Pirsch. Da entdecke ich auf einer Wiese, abseits der von Besuchern überquellenden Trails, einen jungen Hirsch. Abgetrennt von seiner Herde liegt er im Gras und macht ein Schläfchen. Ich schleiche mich an, obwohl ich weiss, dass es in Nationalparks verboten ist, sich den Wildtieren zu nähern. Der Hirsch hebt den Kopf, sieht mich an und ich drücke mit klopfendem Herzen auf den Auslöser. Nur ein paar Schritte von ihm entfernt bleibe ich stehen, und er, als ob er denken würde, „ach, die macht schon nichts“, lässt einfach den Kopf wieder fallen und schläft weiter.

No Pets – Keine Haustiere
Da dieser Park so gross ist und es so viel zu sehen gibt, beschliessen wir, zwei oder drei Nächte zu bleiben. Wir fahren nach Estes Park, einem Fremdenverkehrsort, der am nordöstlichen Rand gelegen ist. Eine Spezialität dieser Stadt sind sogenannte „Lodges“, das sind Unterkünfte, die aus kleinen, einzelnen Häusern bestehen. Ursprünglich nur für Jäger gebaut, ist Estes Park heute ganzjährig von Touristen belebt, die hier vor allem wandern, reiten, radfahren, Wildwassertouren unternehmen und angeln. Genau so eine Lodge wollen wir finden, um ein wenig „eigenes Heim“ zu geniessen. Gleich bei der ersten prangt an der Eingangstüre ein Schild „no pets“. „Nicht schon wieder“, denken wir nur, nach fünf weiteren Anfragen geben wir es wieder einmal auf, in diesem Ort sind Haustiere einfach nicht willkommen. Als wir uns schon Richtung Loveland, der nächstgelegenen Stadt aufmachen wollen, entdecken wir ein Motel, dass bei seiner Aussenreklame „dogs ok“ stehen hat. Wir fahren natürlich sofort zu, erfahren in der Rezeption, dass die Hunde, wenn man sie alleine im Zimmer lassen will, in Boxen eingesperrt werden müssen, dafür haben sie jedoch ein kleines Häuschen mit Terrasse zu vermieten. Wir nehmen es, da wir wissen, dass unsere Hunde sowieso nichts zerstören, und abends, falls wir essen gehen, wahrscheinlich keiner mehr ins Zimmer kommt.

Wow: Gassi am Golfplatz!
Zu meiner grössten Freude entdecke ich einen Golfplatz neben dem Motel, der nur von einem kleinen Drahtzaun umgeben ist. In dieser Nacht erfülle ich mir einen grossen Wunsch, ich gehe mit meinen Hunden am Golfplatz Gassi. Es ist mir bewusst, dass den Golfspielern unter den Lesern das überhaupt nicht gefällt, aber ich finde diese riesengrossen Grünflächen mit dem weichen, kurz geschnittenem Rasen einfach wunderbar zum Spielen und Laufen für Hunde. Und wirklich, auch Rodos spürt das, bekommt seinen fünf-Minuten-Anfall und rennt im Zick-Zack über diese wunderbare Wiese. Aus unserer Sicht und Erfahrung ist Estes Park dennoch der „HundeUNfreundlichste“ Ort Nordamerikas.

Nicht einmal im Auto erlaubt
Weiter geht es nach Colorado Springs, südöstlich des Rocky Mountains Nationalpark gelegen. Wieder die mühevolle Suche nach einem Motel, welches Hunde akzeptiert. Diesmal treffen wir eine Dame in einer Rezeption, die uns ansieht, als hätten wir Ausserirdische im Auto und keine normalen Haustiere. Sie erklärt, dass Tiere nicht einmal am Grundstück, das heisst, auch nicht im Auto erlaubt seien. Ich schüttle bloss den Kopf, und wackle mit der Hand vor meinem Gesicht, um meinen Unmut zu äussern, was jedoch sowieso sinnlos ist.  Dafür treffen wir wenig später auf eine hübsche Unterkunft, die einem Polen gehört. Auch hier ein Schild mit „no pets“, allerdings ziemlich versteckt, und auf unsere Anfrage, ob wir mit Hunden übernachten dürfen, die ganz brav seien und sicher nichts kaputt machen, erklärt er sich sofort dazu bereit. Es ist ein angenehmes Gefühl, jemanden zu treffen, mit dem man reden kann und nicht sofort im vorhinein wegen seiner Lieblinge abgelehnt wird. In Colorado Springs gibt es einiges zu sehen. Der „Garden of the Gods“ ist ein Erholungs- und Naturschutzgebiet mit bizarr geformten Felsbildungen aus rotem Sandstein und uralten Zypressen. Hier finden wir auch wunderschöne Wanderwege mit wenigen Besuchern und so lässt sich auch für die Wuffis der Aufenthalt in einer Stadt ein wenig verschönern.
Schliesslich kommt der Tag, an dem wir nach Denver müssen, der Hauptstadt von Colorado.

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