Editorial WUFF 1/2022

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1937

Im Sturme treu …

Liebe Leserin, lieber Leser!

»Dass mir der Hund das Liebste sei,
sagst du, o Mensch, sei Sünde?
Der Hund blieb mir im Sturme treu,
der Mensch nicht mal im Winde.«

Dieses Sprichwort soll angeblich von einem Franziskanermönch im 13. Jahrhundert stammen, manche schreiben es sogar dem Heiligen Franz von Assisi zu. Allerdings gibt es dafür keinerlei literarische Hinweise. Aus meiner Sicht passt dieser Spruch viel eher zu dem Philosophen Arthur Schopenhauer (1788-1860), der doch, vor allem in der zweiten Lebenshälfte, ein sehr misstrauischer und pessimistischer Einzelgänger war. Er hat mit 31 Jahren einen großen Teil seines in einem Danziger Handelshaus investierten Vermögens von 8.000 Talern verloren, als dieses in den Konkurs schlitterte, und fühlte sich von den Inhabern betrogen.

Der sehr jähzornige Schopenhauer hatte Auseinandersetzungen mit vielen, die mit ihm zu tun hatten. Oft waren es nur Kleinigkeiten, die ihn störten. So hat er einmal eine 47-jährige Frau, die im Vorzimmer seiner Wohnung zu laut gesprochen und ihn dadurch gestört habe, handgreiflich aus dem Haus auf die Straße geworfen. Die Frau klagte daraufhin den Philosophen, weil sie seit dieser brutalen Misshandlung ein andauerndes »Nervenzittern des Armes« erlitten habe. Obwohl er der Meinung war, die Frau täusche dieses Leiden nur vor, wurde Schopenhauer dazu verurteilt, ihr solange eine monatliche Rente von 5 Talern zu bezahlen, bis das Zittern verschwunden sei. Das verschwand (natürlich) nicht und so musste er 20 Jahre lang bis zum Tod der Frau bezahlen. Als sie starb notierte Schopenhauer kurz und bündig: Obit anus, abit onus (Die Alte stirbt, die Last vergeht).
Weil aber auch seine philosophischen Ideen nur wenig Resonanz erhielten und er an der Universität Berlin vor allem im Schatten des aufkommenden Hegels und im Streit mit diesem stand, verbitterte er zunehmend. Die einzige durchgehende Freude seines Lebens seit seiner Studienzeit war dann wohl immer nur sein jeweiliger Hund, der letzte in seinem Leben war der braune Pudel namens Putz. Lobte er Putz, nannte er ihn »Atman« (buddhistischer Begriff für Einzelseele), musste er ihn tadeln, nannte er ihn »Mensch«. Und genau dies ist mir doch ein sehr plausibler Hinweis dafür, dass das eingangs zitierte Sprichwort eher Arthur Schopenhauer als einem Franziskanermönch zugeschrieben werden könnte. Spricht doch daraus die Enttäuschung über die Erfahrungen, die er mit Menschen gemacht hat.

Dass wir über unsere schlechten Erfahrungen auch die vielen guten nicht vergessen, dazu helfen uns heute vielleicht unsere Hunde als vierbeinige Stimmungsaufheller. Viel Freude mit dem neuen WUFF!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber
und WUFF-Redaktionshund Pauli

 

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Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

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