Editorial WUFF 10/2018

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Zwei Zügel allein sind zu wenig …

Liebe Leserin, lieber Leser!

Dass Hunde und andere Tiere Emotionen und Empfindungen haben, bedarf eigentlich keiner wissenschaftlichen Bestätigung. Befasst sich doch die Wissenschaft schon längst mit der „nächsten Stufe“, der Kognition bzw. dem Denken von Hunden. Tatsächlich aber scheint es so zu sein, dass nur Menschen, die Tiere kennen, mögen und respektieren, ihnen Gefühle zusprechen, ganz einfach, weil das unsere Alltagserfahrung ist. Für Menschen, die Tiere ausschließlich unter einem funktionellen Gesichtspunkt betrachten, unter einem reinen Standpunkt des Nutzens, ist das allerdings keineswegs selbstverständlich. Da werden Emotionen als „biologische Reflexe“ abgetan. Zu diesem Thema ein Artikel des emeritierten Universitätsprofessors und vielfachen WUFF-­Autors Dr. Marc Bekoff in diesem Heft. Es ist höchste Zeit für ein Umdenken, meint er.

Es gilt für alle fachlichen Tätigkeiten gleichermaßen. Allein die Liebe zum Gegenstand der Tätigkeit genügt nicht. Tierliebe allein reicht nicht aus, um nachhaltigen (!) Tierschutz zu betreiben, und Liebe zu Hunden nicht, um ein guter Hundetrainer zu sein. Wohl sind Neigung und Liebe wichtige Voraussetzungen, um auch wirklich in seinem Bereich gut zu sein, aber eben nicht die einzigen. Was dazukommen muss, ist ein dem Gegenstand angemessenes sachgerechtes Wissen, zusammengefasst im Begriff der fachlichen Kompetenz. Aber auch hier gilt wiederum, dass bloßes Wissen ohne Neigung bzw. Liebe „Herz-los“ ist, was man bei manchen Menschen ja sehr schnell spürt.

Herz und Hirn sind also sozusagen die beiden Zügel, mit denen sich der Mensch selbst steuern muss, will er Einseitigkeit oder Mangel vermeiden. Betrachten wir aber nun Herz und Hirn, also Neigung und Wissen, so scheint noch ein Drittes zu fehlen. Denn damit die Zügel wirken können, muss auch Bewegung nach vorne vorhanden sein, sonst hängen sie ja nur schlaff durch. Was ist nun dieses Dritte? Ich denke, das ist der eigene Wille und die Beharrlichkeit in seiner Durchsetzung. Das wird man brauchen, wenn man heute Hundetrainer werden will (vgl. „Traumberuf ­Hundetrainer“, ab S. 10). Aber prinzipiell meine ich, dass das auf alle unsere Tätigkeiten anwendbar ist.

Apropos Tätigkeiten – ich habe viele Tage damit verbracht, die aktuelle wissenschaftliche Literatur zum Thema Übergewicht und Fettleibigkeit beim Hund (und auch beim Menschen) zu recherchieren und mir dann die entsprechenden Publikationen zu besorgen. Ich habe die Studien dann gelesen, Ergebnisse mit­­einander verglichen sowie Schlussfolgerungen und Plausibilitäten abgeklärt. Aus diesem Wust an Grundlagen entstanden dann meine in der vorigen und dieser Ausgabe publizierten Artikel über die verschiedenen Aspekte von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Hund und Mensch (und ich habe selbst viel dabei gelernt). Und schon bin ich am nächsten Artikel dran, in dem es vor allem darum gehen wird, nachhaltig (!) abzunehmen. Aber mehr dazu dann in der kommenden Ausgabe.

Erinnern möchte ich Sie schließlich noch an meine Bitte, mir zu schreiben, was Ihnen an WUFF gefällt und was Sie gerne anders hätten ([email protected]). WUFF will sich noch mehr auf Ihre Wünsche und Anforderungen einstellen.

Für jetzt wünsche ich Ihnen viel Freude mit dem neuen WUFF!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber

Pdf zu diesem Artikel: editorial_1018

 

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Dr. Hans Mosser
Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

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