Editorial WUFF 10/2016

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Soziale Bindung und Vertrauen

Liebe Leserin, lieber Leser!

Hunde sind soziale Wesen und weil sie das sind, ist eine ­soziale Kommunikation zwischen ihnen und uns möglich. Auch wenn diese in beiden Richtungen existiert, so scheinen Hunde uns oft besser lesen und daher auch besser verstehen zu können als wir sie. Das ist ja wohl auch einer der ­Gründe, warum Hunde das, was sie auf dem Hundeplatz oder in Anwesenheit eines Trainers gelernt haben, dort besser bzw. verlässlicher umsetzen als andernorts oder zu Hause. Weil sie nämlich sehr wohl erkennen können, ob und mit welchem Ausmaß an Ernsthaftigkeit und Erwartung wir etwas von ­ihnen wollen. Ja, oft wissen unsere Vierbeiner das schon, bevor wir es noch ausgesprochen haben.

Damit ein Hund wenigstens die wenigen wirklich (­überlebens-) wichtigen Lautzeichen Hier, Stopp oder Steh und Komm befolgt und dies verlässlich in jeder nur denkbaren Situation, ist Erziehung und Ausbildung erforderlich. Dabei aber ist eine gute soziale Bindung des Hundes zu seinem Menschen Grundvoraussetzung. Und soziale Bindung kann nur dort entstehen, wo Vertrauen herrscht.

So wie wir Menschen im Umgang miteinander darauf ver­trauen müssen, dass ein paar (soziale) Spielregeln ­eingehalten werden, so gilt dies auch für das Leben von Menschen mit ­ihren Hunden. Das Einhalten von Spielregeln, nobler formuliert, von Rahmenbedingungen, ermöglicht größere Freiheit. Denn wenn mein Hund die o.a. Lautzeichen verlässlich befolgt, dann kann ich ihn auch öfter frei laufen lassen als wenn er bei Hier oder Komm nicht zu mir kommt, wenn bspw. sich ein Radfahrer oder Jogger nähert oder dem Hund eine Gefahr droht. Das gilt im Übrigen für Hunde aller Größen, vom Chihuahua oder Yorkie bis zur Dogge. „Ein gut erzogenes Kind gereicht den Eltern zur Ehre“, habe ich irgendwo einmal gelesen. Das lässt sich durchaus auch abwandeln auf „ein gut erzogener Hund gereicht dem Halter zur Ehre“, abgesehen davon, dass das für ein gutes Zusammenleben in unserer ­Gesellschaft, die unseren Hunden und uns Hundehaltern ­immer weniger Raum zugesteht, Minimalerfordernis ist.

Das Gegenteil von Vertrauen ist Gewalt. In manchen Diskussionen über Erziehung und Ausbildung von Hunden wird Gewalt oft mit Zwang gleichgesetzt. Obgleich natürlich Gewalt stets mit Zwang verbunden ist, ist andererseits Zwang nicht per se immer mit Gewalt verbunden. Wenn eine Mutter ihr Kleinkind, das bei Rot auf die Straße laufen möchte, an der Hand festhält, dann ist das natürlich eine Form von Zwang, weil es dem aktuellen Wunsch des Kindes entgegengesetzt ist. Und jedes gesellschaftliche, familiäre und berufliche Leben unterliegt gewissen normalen Zwängen, eben der Einhaltung von Spielregeln. Weil das, was wir dafür erhalten, nämlich Sicherheit und Vertrauen im Umgang miteinander, ein höherwertiges Gut ist, wird diese Form von Zwängen (nicht jedoch Gewalt!!) auch nicht als etwas Negatives empfunden. Weil es in Wahrheit eben auch mehr Freiheit ermöglicht – siehe oben. Aber das müssen wir als Kinder erst lernen, und das gilt für unsere vierbeinigen Gefährten genauso.

Ich wünsche Ihnen eine gute Bindung zu Ihrem Hund, die auf gegenseitigem Vertrauen beruht (einen guten Artikel zum ­Thema Vertrauen finden Sie übrigens in dieser Ausgabe) und viel Freude mit dem neuen WUFF!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber,
und Bruno, der WUFF-Redaktionshund

Pdf zu diesem Artikel: editorial_102016

 

 

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