Editorial WUFF 11/2018

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Vertrauen und Kontrolle

Liebe Leserin, lieber Leser!

„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ heißt ein altes Sprichwort, das primär dem Geschäftsbereich entstammt und sich auf den Handel mit Waren bezieht. Häufig wird dieses Sprichwort aber in anderen Bereichen angewandt, für die es eigentlich nicht gedacht und auch nicht geeignet ist, nämlich bei Beziehungen. Vertrauen gibt es nicht nur zwischen Menschen, sondern natürlich auch zwischen Tieren wie unseren Vierbeinern und auch zwischenartlich: Unsere Hunde vertrauen uns und wir ihnen. Das ist für uns Hundehalter Alltagserfahrung.

Natürlich kann Vertrauen nicht unbegrenzt sein, sondern gilt stets nur innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen. Ich muss wissen, wie weit ich meinem Kind, einem anderen Menschen oder eben auch meinem Hund vertrauen kann. Grenzenloses Vertrauen ohne über die Bedingungen Bescheid zu wissen, in denen es gilt, nennt man auch Blauäugigkeit. Das kann mitunter auch sehr gefährlich sein.

Dem Misstrauen als Gegenteil von Vertrauen entspricht die Kontrolle, womit wir wieder bei dem eingangs erwähnten Sprichwort angelangt sind. Aber Kontrolle ist nicht prinzipiell schlecht, v.a. dann nicht, wenn es um den Bereich außerhalb der Grenzen geht, die das Ausmaß des Vertrauens bestimmen. Hier das richtige Maß zu finden, liegt in der Verantwortung des Einzelnen. Dass Vertrauen enttäuscht werden kann, kommt nicht selten vor und liegt aber manchmal bloß darin, dass man sich der Grenzen nicht bewusst war, innerhalb welcher Vertrauen Geltung beanspruchen kann.

Vertrauen gegenüber Hunden ist in diesem Sinn durchaus dem gegenüber Kleinkindern zu sehen. Man sieht, wie sie lernen und kann ihnen in bestimmten Bereichen immer mehr vertrauen. Situationsabhängig wird das Vertrauen kleiner oder größer sein. So vertraut man den Gehversuchen des Kleinkindes zu Hause auf dem Teppich (also unter kontrollierten Bedingungen) mehr als bspw. auf der Straße. Hier wird das Kleinkind noch getragen oder jedenfalls festgehalten.

Ähnliches gilt analog für das Vertrauen in unsere Vierbeiner. Zu bedenken ist aber, dass es immer auch ein gewisses Restrisiko gibt. Dieses Risiko besteht im Auftreten von unvorhersehbaren Situationen, in denen ich auf das Verhalten meines Hundes nicht vertrauen kann, ja, nicht darf. Je nach dem Ausmaß, was in einer Situation passieren könnte, sind dann die Bedingungen, innerhalb derer mein Vertrauen in meinen Hund gilt, für diese Situation einzuschränken.

Normalerweise funktioniert das auch stets, nicht aber, wenn der Hundehalter bspw. schwer betrunken ist. Das war der Fall bei dem schrecklichen Hundebeißunfall Anfang September in Wien, bei dem ein kleines Kind schwerst verletzt wurde. Wo hier die primäre Verantwortung liegt, ist für mich keine Frage.

Ich wünsche uns allen das richtige Maß an Vertrauen in unseren Vierbeiner, angepasst an die jeweilige Situation.

Abschließend noch ein Hinweis: Vielen Dank für die zahlreichen Anregungen vieler WUFF-Leserinnen und -Leser auf meine Frage, wie sich WUFF weiterentwickeln soll. In der nächsten Ausgabe werde ich mit Freude das Ergebnis berichten.
Bis dahin viel Freude mit diesem neuen WUFF!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber

Pdf zu diesem Artikel: editorial_1118

 

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