Editorial WUFF 12/2017

0
944

Im Hund kein Falsch

Liebe Leserin, lieber Leser!

Dass der Mensch vom Anfang seiner Entstehung an auf ein Du angewiesen ist, ist nicht zu bestreiten. Bekannt ist das Kaiser Friedrich II. im 13. Jh. zugeschriebene Experiment, bei dem man einige Säuglinge ohne ein menschliches Gegenüber aufwachsen ließ. Lediglich zum Zweck der Ernährung und körperlichen ­Pflege besuchten Ammen die sonst von anderen Menschen isolierten Babys. Den Ammen war aber jegliches Ansprechen des Babys oder Eingehen auf seine Äußerungen verboten. Diese ­Babys ohne ein Du, ohne Kommunikation sind allesamt ­gestorben, trotz idealer „Aufzuchtbedingungen“. Auch wenn es die Absicht des Experiments war herauszufinden, ob dem Menschen eine Ursprache angeboren ist, so hat es nicht ­weniger deutlich die Notwendigkeit bewiesen, dass der Mensch ein Gegenüber braucht, mit dem Kommunikation stattfindet. Ohne ­diese stirbt der Mensch bereits als Baby.

Es ist nun die Frage, inwieweit diese Erkenntnis auch auf Tiere anwendbar ist, im Besonderen auf solche, die sozial verfasst sind, wie Schimpansen oder Hunde. Ich denke, es gibt genug wissenschaftliche Evidenz, wie ich schon vor einigen ­Monaten in einem Artikel aufgezeigt habe, welche die Annahme recht­fertigt, dass sozial verfasste Tiere wie Hunde fremde Perspek­tiven übernehmen und sich somit in andere – in einem ­gewissen Grad – hineinversetzen können (Mosser, Hundlicher Perspektivenwechsel, WUFF 9/2017; ­https://www.wuff.eu/wp/­hundlicher-perspektivenwechsel/). Wir brauchen ja nur unsere Alltagserfahrung befragen. Dass Ihr Hund Ihre Stimmungslage erkennt und darauf mehr oder weniger einzugehen vermag, setzt das Vorhandensein von Kommunikation voraus.

Dass sozial isoliert aufgewachsene Hunde sich nicht gesund entwickeln, ist ebenfalls bekannt und zeigt die Bedeutung von Kommunikation auch für die hundliche Entwicklung, auch wenn es dazu erst sehr vereinzelt wissenschaftliche Studien gibt. Was aber deutlich herauskommt ist, dass sowohl beim Menschen als auch bei Hunden die Kommunikation zum Wesen der Spezies gehört.

Interessant ist nun, wenn man die Kommunikation zwischen zwei verschiedenen Arten wie Mensch und Hund in den Blick nimmt. Für uns Menschen ist die Sprache naturgemäß ­unser Hauptmedium, miteinander umzugehen. Doch wenn wir miteinander kommunizieren, ist es nicht nur die begriffliche Sprache, in der wir uns verständigen, sondern sind es auch ­weitere Faktoren wie Tonhöhe, Schnelligkeit oder Modula­tion der Lautstärke und natürlich das, was als Körpersprache bezeichnet wird.

Auch wenn wir uns oft gut voreinander verstellen können, so merkt es unser Gegenüber häufig, wenn das, was wir sagen, nicht übereinstimmt mit dem, was wir damit meinen. Der Grund ist die Körpersprache, die im Vergleich zur begrifflichen Sprache unmittelbarer ist und schwerer zu verstellen. Weil Körpersprache aber für unsere Hunde das primäre Kommunikationsmittel mit uns darstellt, können wir unseren Vierbeinern meist nichts vormachen, so wie auch sie uns gegenüber meist ohne Verstellung kommunizieren. „Im Hund ist kein Falsch“, heißt es oft. Deswegen schätzen wir ihn ja auch so sehr.
Viel Freude mit diesem neuen WUFF!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber,
und Bruno, der WUFF-Redaktionshund

Pdf zu diesem Artikel: editorial_12_2017

 

KEINE KOMMENTARE

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT