Editorial WUFF 2/2022

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Paulis Interesse an Literatur

Liebe Leserin, lieber Leser!

Pauli hat als Welpe niemals etwas zerstört. Weder Schuhe noch Möbel angeknabbert, noch sonst etwas. Allerdings hat sich im Verlauf des zweiten Lebensjahres des nun dreijährigen Pauli ein sehr großes Interesse an Literatur entwickelt. Begonnen hat es mit dem Karton, der neben meinem Schreibtisch am Boden steht und in dem ich neben diversem Werbematerial unter anderem auch nicht mehr benötigte Ausdrucke interessanter Artikel ablege. Sobald sich in dem Karton einiges angesammelt hat, trage ich den Inhalt in die Altpapiertonne.

Nun begann Pauli sich offenbar für das Altpapier in meinem Karton zu interessieren. Allerdings nur, wenn er allein zu Hause bleiben musste. Dazu muss ich sagen, Pauli darf fast überall mit, wo immer das möglich ist. Aber manchmal ist das eben nicht möglich. Jedenfalls begann er die ersten Male nicht mehr benötigte Ausdrucke über den Philosophen Arthur Schopenhauer aus dem Karton zu nehmen und sie im Zimmer zu verteilen. In weiterer Folge jedoch steigerte sich sein Interesse am Schrifttum und er begann einen Teil davon zu fressen, einen anderen Teil in kleine und kleinste Stücke zu zerteilen und über den Boden zu verstreuen. Allerdings – das Problem ließ sich relativ leicht lösen. Ich stellte den Karton für das Altpapier einfach auf das Fensterbrett und damit blieb das Papier dort, wo es war.

Allerdings wandelte sich nun Paulis Interesse an Schriftlichem. Als wir eines Abends nach einem Restaurantbesuch nach Hause kamen, lagen Teile meines gelben Impfpasses sowie angebissene Seiten eines Ausdruckes über ein medizinisches Thema am Boden. Pauli hat also meinen Schreibtisch entdeckt. Auch gut, ich kann mich wehren. Nun wird ab sofort die Tür ins Arbeitszimmer geschlossen, wenn Pauli abends allein zu Hause bleiben muss. Das funktioniert nun recht gut, da in Wohnzimmer, Küche und Vorzimmer keinerlei Literatur herumliegt, für die er sich interessieren könnte.

Allerdings habe ich unlängst ein Notenheft für meine Steirische Harmonika, die ich derzeit (mühsam) erlerne, auf dem Wohnzimmertisch liegengelassen. Abends zurückgekommen, fehlte eine große Ecke des (teuren) Heftes, dessen Einband zudem dick foliert war und bissfest sein sollte. Aber Pauli war nun offenbar so stark an Musikliteratur interessiert, dass ihn das nicht abhalten konnte. Als ich das Corpus Delicti auf meinem Facebook-Account postete, forderten manche Stimmen Beweise für meine Anschuldigung. Es könnte sich ja zum Beispiel auch eine Hausmaus über mein Notenheft hergemacht haben. Nun gut, ich hätte natürlich die DNA an den Bissspuren des Notenheftes mit einem DNA-Abstrich aus Paulis Maulhöhle vergleichen können, aber das war mir zu aufwendig. Auch hatte ich keine Zeit und Lust, Paulis Hinterlassenschaften am nächsten Tag genauestens zu analysieren. Ich bleibe dennoch bei meiner Behauptung. Die Indizien der Bissspuren passen eher zu Paulis Zähnen als zu denen einer Maus. Und zudem zeigt Pauli tatsächlich großes Interesse an meiner Musik. Wenn ich spiele, legt er sich nämlich auf die Couch und hört mir entspannt zu. Während andere die Tür zumachen … Naja.
Viel Freude mit dem neuen WUFF! (Und passen Sie auf das Heft auf)

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber
und WUFF-Redaktionshund Pauli

 

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Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

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