Editorial WUFF 3/2018

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Bruno, eine
Persönlichkeit, ist tot

Liebe Leserin, lieber Leser!

Nach zehn Jahren Monat für Monat zusammen mit mir auf dieser Seite, ist das ab heute nicht mehr so. Bruno, unser vierbeiniger Freund und Gefährte, den Sie seit rund 10 Jahren als WUFF-Redaktionshund kennen, ist Anfang dieses Jahres gestorben. Die Krankheit saß wohl schon einige Monate lang in ihm, sie war zunächst kaum zu bemerken. Erst kurz vor Weihnachten machte sie sich mit ihrer ganzen Brutalität in einer Lähmung der gesamten hinteren Körperhälfte Brunos ­bemerkbar. Eine sofort durchgeführte MR-Untersuchung ­enthüllte ihre Fratze, ein aggressiv wachsender, bösartiger Tumor des Rückenmarks, der nicht operabel war.

Drei Wochen lang versuchten wir trotz der unausweichlich schlechten Prognose mit verschiedenen Therapien gegen die weitere Ausbreitung des Tumors anzukämpfen sowie Bruno zu pflegen, möglichst so, dass seine Lebensqualität auf einem Niveau blieb, das wir für akzeptabel hielten; wir kannten ihn ja lange genug und wussten ihn zu deuten. Doch von einem Tag auf den anderen war es dann trotz Therapie und Pflege zu einer Krise gekommen, Brunos Lebenswille brach zusammen und aufgrund einer weiteren Komplikation seiner Krankheit mussten wir diese so schwere und unumkehrbare Entscheidung treffen, die kaum einem Hundefreund erspart bleibt … Mehr über Brunos letzte Wochen, seine Krankheit und den Verlauf – mit etwas Abstand – in einem Artikel in der nächsten Ausgabe.

Bruno selbst schien anfangs weniger zu leiden als wir, er wusste ja nicht um seine Diagnose und Prognose, wie wir Menschen das tun. Und Bruno war immer ein sehr ­optimistischer Hund gewesen. Mit allen seinen liebenswerten (und auch einigen weniger solchen) Eigenschaften war er ein kleines Persönlichkeitspaket, so wie wohl jeder unserer vierbeinigen Freunde eine Persönlichkeit ist. Ich will mich jetzt nicht auf das tierrechtliche Diskussionsfeld begeben, ob und inwieweit ein Hund, ob ein Tier eine Person mit allen damit verbundenen Rechten ist, so wie ein Mensch eine Person ist. Doch das, was man Persönlichkeit nennt, das hat ein Hund allemal! Das war bei meinem ersten Hund, dem Dackel Jockl, ­so und ist auch bei unserem letzten, unserem Bruno so gewesen.

Denn wenn Persönlichkeit bedeutet, einen individuellen Charakter und bestimmte sich im ganzen Leben durchhaltende psychische Merkmale zu haben, die Bruno als Bruno ausmachen, dann ist es ohne jeden Zweifel so, dass er eine Persönlichkeit war. So wie wir Bruno gekannt haben, und so wie wohl auch Sie Ihren eigenen vierbeinigen Freund kennen, ist er kein bloßes biologisches Reflexwesen, sondern ein vierbeiniger Gefährte, der einen Namen hat, einen individuellen Charakter und zu dem wir eine Bindung aufgebaut haben – und er zu uns. All das sind Zeichen von Persönlichkeit. Dass es viele Tiere gibt, denen die Menschen aufgrund der Haltungsbedingungen erst gar nicht die Möglichkeit geben, ihre Anlage zu einer Persönlichkeit zu entwickeln, ist ein anderes trauriges Thema, aber es ist kein Argument gegen die Persönlichkeit von Tieren an sich.

Bruno fehlt nicht nur auf der ersten Seite von WUFF, er fehlt – derzeit noch sehr schmerzlich – im Leben seiner Menschen. Seine Persönlichkeit geht uns so ab!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber,

Pdf zu diesem Artikel: editorial_0318

 

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