Editorial WUFF 3/2022

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2008

Blick nach vorne!

Liebe Leserin, lieber Leser!

Der Begriff Krise leitet sich ab von dem altgriechischen Substantiv krisis (κρίσις) für Entscheidung, auch Wendepunkt oder Trennung im Sinn von Unterscheidung. Mit dem Beginn der Anwendung wissenschaftlicher Methoden in der Medizin im 16. Jahrhundert kam der Begriff erstmals in Frankreich (crise), später dann auch in deutschsprachigen Gebieten (Crise) zur Anwendung. Die Mediziner bezeichneten damit im Verlauf einer Erkrankung einen Wendepunkt, an dem sich entscheidet, ob die Erkrankung einen guten oder weniger guten Verlauf nehmen wird. Das heißt, der Begriff hat einen dynamischen Charakter und ist eigentlich nach vorne gerichtet.

In der Verwendung des Begriffs Krise außerhalb der Medizin dürfte er diesen vorwärts gerichteten Aspekt jedoch verloren haben. Meist wird Krise für eine bestehende problematische Situation verwendet und ist mit einem vorwiegend negativen Gefühl verbunden. Der Fokus des Denkens ist auf diese Situation fixiert.

Wenn wir uns wieder auf die ursprüngliche Bedeutung von Krise besinnen, dann liegt darin – und Psychologen werden ohnehin nicht müde, uns immer wieder daran zu erinnern – eine Chance, etwas ab nun zu verändern. Das meint, wir sollen uns in einer Krise nicht bloß als passive Objekte fühlen, sondern vielmehr unser Denken und Wollen aktivieren.

Natürlich unterliegen wir in einer kritischen Situation den allgemeinen äußeren Bedingungen (politische Lage, Knappheiten von Ressourcen, Teuerung etc.). Aber wir haben die Freiheit zu entscheiden, wie wir darauf reagieren. Was kann ich in meinem Leben verändern, um eine Krise als – auch ganz persönlichen – Wendepunkt in meinem Leben zu betrachten. Einen Wendepunkt hin zu einem positiven Verlauf. Vielleicht fällt es in einer Krise leichter, persönlichen materiellen Ballast abzuwerfen, seinen Konsum neu zu bewerten, seinen Umgang mit anderen Menschen und ja, auch den Umgang mit seinem Hund, dem vierbeinigen Familienmitglied. Als feinfühlige Lebewesen spüren unsere Hunde natürlich unsere jeweilige Gemütsverfassung. Sie können jedoch – bei all ihren sonstigen kognitiven Fähigkeiten – im Gegensatz zu uns eine Situation nicht geistig reflektieren, sind also vermutlich nicht fähig zur denkerischen Selbstreflexion. Diese Fähigkeit ist aber genau die Chance für uns Menschen, uns nicht nur an Situationen anzupassen, sondern auch etwas Positives daraus zu gewinnen.

Übrigens – wie sehr Hunde zur Familie gehören, konnten wir in den Fernsehreportagen über geflüchtete Ukrainer sehen. Wie viele haben nicht ohne ihren Hund das Land verlassen? Auch wenn es eigentlich immer nur kleine Hunde waren, die man gesehen hat, und ich nicht daran denken will, was mit den zurückgelassenen größeren Hunden passiert ist. Aber es gab wenigstens auch Berichte über die Evakuierung von Tieren aus Tierheimen, und in den Listen, was alles an Hilfsgütern gebraucht wird, war immer auch Hundefutter vertreten.

Einen interessanten Artikel, der auf mögliche Veränderungen durch eine Krise Bezug nimmt (online in der Hundeausbildung), finden Sie übrigens in dieser Ausgabe.

Viel Freude mit dem neuen WUFF!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber
und WUFF-Redaktionshund Pauli

 

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