Editorial WUFF 3/2017

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Mensch – Freund des Hundes?

Liebe Leserin, lieber Leser!

Bei meinem heutigen Hauptthema geht es mir um die Beziehung zwischen Menschen und Hunden, und zwar aus der Sicht des Menschen. Ob Hunde für uns bedeutsam sind, brauche ich Sie nicht zu fragen. Sie würden das jetzt wohl nicht lesen, wenn es anders wäre. Und das Ganze besitzt auch archäologische Evidenz, ist also auch nichts Neues, wie Grabfunde ­beweisen, in denen Hunde, oft auch zusammen mit ihren Menschen, ­sorgsam bestattet wurden.

Aber worin genau besteht diese Bedeutsamkeit? Was macht die Beziehung zwischen Mensch und Hund aus Sicht des Menschen aus? Dass der Hund des Menschen bester Freund ist, scheint eine evidente Tatsache zu sein. Sonst hätte sich das nicht schon lange zu einem Sprichwort verfestigt. Aber wie verhält es sich umgekehrt? Lässt sich sagen, dass der Mensch des Hundes ­bester Freund ist? Die meisten, die ich das gefragt habe, haben das für sich persönlich zunächst spontan bejaht – es waren ja auch alles nur Freunde, die Hunde haben. Jedoch, im Blick auf die Situation der Hundezucht ebenso wie der rechtlichen Stellung des Hundes meinten alle, dass keine Rede davon sein könne. Hier würde das Lebewesen Hund vielmehr ausgebeutet und zur Ware gemacht, mit all dem damit verbundenen Leid. Wobei das prinzipiell für alle Tiere gelte.

Doch bleiben wir jetzt einmal bei uns selbst und unserer ­Beziehung zum Hund, bei unserer Freundschaft zu ihm. Wenn die meisten der von mir befragten Hundefreunde der Meinung sind, sie seien tatsächlich der beste Freund ihres Vierbeiners, lässt sich fragen, was denn diese Freundschaft ausmacht. Was ist überhaupt Freundschaft?

Wenn jeder neue Kontakt über Facebook „Freund“ bzw. ­„Freundin“ genannt wird, werden Sie sicher mit mir der ­Meinung sein, dass es sich hier um eine Inflation dieses ­Begriffes handelt. Ähnliches gilt für das bewusste networking, bei dem man versucht, sich mit anderen zu vernetzen. Dabei aber geht es meist ebenfalls um eine Instrumentalisierung bzw. Verzweckung des anderen. Es geht nicht um den Menschen an sich, sondern um seinen Nutzen für mich und meinen für ihn. So interessant Facebook-Kontakte und so nützlich das Netzwerken auch sein können, reale Freundschaft hat eine andere Qualität.

Die meisten Menschen stimmen darin überein, dass es bei „wahrer“ Freundschaft nicht um Nützlichkeit gehen kann. Und sie sind damit derselben Meinung wie Aristoteles: In der – gegenseitigen – Freundschaft interessiert mich der andere „als solcher“. Es geht mir bei dem anderen „um seiner selbst ­willen“. Aus Gründen, die wir nicht immer nachvollziehen können, entwickelt sich zwischen zwei Lebewesen Freundschaft – oder auch nicht. Dass Freundschaft in vielerlei Hinsicht natürlich auch nützlich ist, sollte aber doch stets nur Folge und nicht ihre Ursache sein. Denn werden Nützlichkeitsaspekte zum Grund einer Freundschaft gemacht, dann besteht diese nur so lange wie jene. Fällt der Nutzen weg, bin ich nicht mehr von Interesse, ist das, was Freundschaft genannt wurde, vorbei.
Ich konnte aus Platzgründen dieses Thema hier lediglich an­reißen, mehr dazu lesen Sie in dieser Ausgabe in einem interessanten und kritischen Beitrag dazu. Doch interessieren mich auch Ihre Gedanken, wie Sie die Freundschaft zu Ihrem Hund sehen. Schreiben Sie mir bitte ([email protected]). Viel Freude mit diesem neuen WUFF!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber,
und Bruno, der WUFF-Redaktionshund

Pdf zu diesem Artikel: editorial_0317

 

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