Editorial WUFF 4/2018

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Ohne Maske

Liebe Leserin, lieber Leser!

Die Zeit des närrischen Treibens, ob Fasching, Karneval oder Fasnacht, ist mittlerweile vorbei, vielleicht waren Sie ja auch bei der einen oder anderen Veranstaltung verkleidet und/oder hatten eine Maske aufgesetzt gehabt. Doch setzen wir uns nicht vor anderen Menschen auch im ganz normalen Alltag Masken auf? Die Maske Coolness, obwohl wir eigentlich gerade alles andere als cool drauf sind, die Maske Gelassenheit, obwohl wir eigentlich innerlich explodieren könnten, die Maske Freund­­lichkeit, obwohl wir den anderen gerade auf den Mond schießen wollen, die Maske Furchtlosigkeit, obwohl wir gerade sehr nervös sind, oder die Maske Freude, obwohl wir eigentlich traurig sind, aber dies vor anderen verbergen wollen. Und so wird es viele andere Masken geben, hinter denen wir uns vor anderen Menschen verstecken, aus welchen Gründen auch immer. Allerdings gibt es jemanden, bei dem unsere Masken durchsichtig sind. Jemanden, der hinter die Masken schauen kann und der spürt, wie wir gerade wirklich drauf sind, egal wie wir uns nach außen hin geben. Dieser Jemand ist – Sie haben es natürlich sofort erraten – unser Vierbeiner.

Es ist schon erstaunlich, dass man Hunden, anders als ­Menschen, nichts vormachen kann. Das aber zeigt, dass unsere Vierbeiner ein Sensorium haben, das dem Menschen fehlt. Damit meine ich nicht das Nasenwunder Hund, das wäre zu banal. Nein, vielmehr haben Hunde einen Sinn für uns Menschen, der uns Menschen selbst zu fehlen scheint. Und das macht diese Tierart auch zu dem, was man immer schon des Menschen besten Freund nennt.

Weil wir natürlich spüren, dass wir unserem vierbeinigen Gefährten nichts vorspielen können, sind wir vor ihm häufiger der, der wir wirklich sind, als wir dies vor anderen Menschen sind. Und das zu wissen bewirkt in uns Hundehaltern eine Art von Gelassenheit und Selbstgefühl, was sich bei Menschen ohne Hund vielleicht seltener oder schwieriger findet. Es wäre eine psychologische Studie wert, das zu überprüfen. Die gängige Vermutung, dass Hunde, die besonders ausgelastet sind, auch besonders entspannt sein müssen, entspricht leider nicht der Realität. So wie ein Zuwenig an Auslastung – je nach Hundetyp und Rasse – für den Vierbeiner schlecht sein kann, so auch ein Zuviel an Beschäftigung. „Gut gemeint ist nicht immer gut für den Hund“, so Buchautorin Steffie Rumpf in einem Artikel mit dem Titel „Ist weniger mehr?“ in dieser Ausgabe, in dem es auch darum geht, wie wir es besser machen können. Es ist eben immer die richtige Mitte, um die es geht, das richtige Maß, das wir anstreben sollten, das aber natürlich nicht für alle Hunde und für alle Mensch-Hund-
Beziehungen dasselbe ist. Dennoch gibt es Hinweise und Zeichen, die uns gerade unser richtiges Maß erkennen lassen.

Die Beziehung zwischen Mensch und Hund ist eine Beziehung, die durch das gemeinsame Leben wächst, und, wie Psychologen sagen, analog einer Eltern-Kind-Beziehung ist. Wie gesagt, analog – was nichts mit Vermenschlichung zu tun hat! Weil Hunde nun mal kürzer leben als wir Menschen, werden wir auch öfter mit dem schmerzlichen Abschied von unserem Vierbeiner konfrontiert, so wie es bei uns gerade mit unserem „Redaktionshund“ Bruno der Fall ist. In dieser Ausgabe ein Nachruf auf Bruno, der vor 10 Jahren die Nachfolge von Toni und Arthur angetreten ist, die übrigens auch nur 11 bzw. 12 Jahre alt wurden.

Ich wünsche Ihnen und Ihrem Vierbeiner eine gute Zeit und mit dieser Ausgabe wieder eine für Sie interessante und relevante Lektüre!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber,

Pdf zu diesem Artikel: editorial_0418

 

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Dr. Hans Mosser
Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

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