Editorial WUFF 4/2019

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Bitte noch Gassi gehen!

Liebe Leserin, lieber Leser!

Auch wenn die mediale Berichterstattung sich auf Probleme der Hundehaltung fokussiert (bad news are good news), so dürfen wir darüber nie die unglaublichen positiven Auswirkungen der Hundehaltung auf den Menschen vergessen. Und das beginnt nicht erst irgendwann, sondern bereits im ersten Lebensjahr eines Menschen. Neben körperlichen Auswirkungen wie bspw. einer später deutlich geringeren allgemeinen Neigung zu Allergien, worüber ich in einem Artikel in dieser Ausgabe berichte, sind es auch soziale Kompetenzen, die ein Hund seine heranwachsenden zweibeinigen Familienmitglieder lehrt. Dazu ein konkretes Beispiel.

So wie ja vielleicht auch Sie, bin ich mit einem Hund in der Familie aufgewachsen. Wie lästig war es doch, als Jugendlicher nach einem Besuch in der Diskothek müde gegen Mitternacht nach Hause zu kommen und gleich bei der Eingangstüre einen handgeschriebenen Zettel der Mutter vorzufinden mit dem Hinweis »Bitte noch Gassigehen!«. Und Jokl, unser Rauhaardackel, der mich als Einziger der sonst schlafenden Familie freudig begrüßte, nötigte mir zwar ein paar Streicheleinheiten ab, doch sein erwartungsvoller Blick, jetzt noch spazieren zu gehen, unterstrich das, was auf dem Zettel stand.

Zugegebenermaßen etwas widerwillig rüstete ich Jokl gassimäßig aus und wir trotteten zu dem nahegelegenen kleinen Park. Ich hoffte natürlich auf eine kurze Runde, um endlich ins Bett zu kommen. Doch war der Kürze nach unten eine Grenze gesetzt, die darin bestand, dass Jokl sein Häufchen gemacht haben musste. Erst danach war an Heimkehr zu denken. Daher bat ich Jokl inständig, sich endlich zu lösen, schließlich war es schon deutlich nach ­Mitternacht. Doch der Dackel zeigte lediglich Interesse, alles zu ­beschnüffeln und dann kurz zu markieren. Das Hauptgeschäft ließ jedoch – zu meinem Leidwesen – auf sich warten.

Endlich begab er sich in die von mir schon ersehnte Stellung, sich zu lösen, als irgendwo in der Ferne ein Hund bellte. Zu meinem Missvergnügen sah Jokl sofort von seinem geplanten Vorhaben ab, erhob Rute und Nackenhaare und starrte in die Richtung, aus der das Bellen gekommen war. »Dummes Tier. Musst du oder musst du nicht?«, war meine jugendliche Reaktion. Nun wollte Jokl weitergehen und zog an der Leine. Ich aber blieb stehen, denn immerhin hatte er sich diesen Platz ja für sein Geschäft ausgesucht gehabt. Er sollte jetzt keinen neuen mehr suchen. Ich tat nun so, als ob ich dort am Boden etwas gefunden hätte. Überlistet. Jokl kam sofort und begann dort zu schnüffeln. Und tatsächlich, er begab sich wieder in Stellung – und löste sich. Auch in mir löste sich die mitternächtliche Spannung und wir gingen auf kürzestem Weg nach Hause.

Und die Moral von der mitternächtlichen Geschichte? Hunde lehren ihre (jugendlichen) Menschen Verantwortung zu tragen, auch wenn‘s nicht immer in den Kram passt. Wie war das bei Ihnen?

Viel Freude mit der neuen Ausgabe!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber
und WUFF-Redaktionshund Pauli

Pdf zu diesem Artikel: editorial_0419

 

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