Editorial WUFF 4/2020

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Fight, flight or freeze?

Liebe Leserin, lieber Leser!

Fight, flight or freeze – dies beschreiben Psychologen als drei Reaktionsalternativen auf Situationen, die als bedrohlich empfunden werden. Diese Reaktionsmuster sind somit erstens kämpfen, d.h. sich der Situation sofort kämpferisch entgegenstellen, zweitens flüchten, d.h. ihr ausweichen durch örtliche oder aber auch intellektuelle Flucht, und als dritte Möglichkeit das Erstarren, d.h. angesichts einer schwierigen oder bedrohlichen Situation nichts zu tun, sich quasi tot zu stellen.

Allerdings fehlt mir bei diesem Konzept, das primär anhand von ­Beobachtungen bei Tieren entwickelt und dann bald auch beim Menschen angewandt wurde, eine vierte mögliche Reaktion – nämlich die Gelassenheit, d.h. eine nicht bloß reflexartige Reaktion auf eine Situation, sondern eine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Ziel, auf die (bedrohliche) Situation angemessen zu reagieren.

In diese vier Reaktionsmuster lassen sich auch die Reaktionen auf die Coronakrise einordnen. Allerdings natürlich nur die menschlichen, weil unsere Vierbeiner das neue Coronavirus ja nicht als eine Bedrohung empfinden. Allerdings taucht in den Medien immer wieder die Frage auf, ob und wie unsere Hunde in die virale Infektionskette einzuordnen seien. Können Hunde sich anstecken? Können sie an COVID 19 erkranken? Können sie das Virus auf uns übertragen und umgekehrt?

In Hinblick auf die erwähnten Reaktionsmuster sind es seriöse ­Wissenschaftler gewohnt, über Dinge und Situationen – gelassen, d.h. unaufgeregt – nachzudenken, sie zu analysieren, um so ­Möglichkeiten erkennen zu können, angemessen zu reagieren. Sie versuchen zunächst Zusammenhänge herauszufinden und in weiterer Folge, ob ein Faktor die Ursache eines anderen ist. Nicht selten wird in der Interpretation von wissenschaftlichen Ergebnissen der Fehler gemacht, Zusammenhänge und Ursachen zu verwechseln bzw. Korrelation und Kausalität gleichzusetzen. Aber auch wenn etwas gleichzeitig auftritt, heißt es noch lange nicht, dass auch ein ursächlicher Zusammenhang besteht.

Wie das nun mit dem Zusammenhang zwischen dem aktuellen ­Coronavirus und Hunden ist, habe ich bei Wissenschaftlern recherchiert, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Mehr darüber im Inneren dieser Ausgabe. Dazu passend habe ich mich in einem weiteren Artikel auch damit kritisch befasst, inwieweit wissenschaftliche Untersuchungen über unsere Vierbeiner methodisch von menschlichen – und eben nicht hundlichen – Voraussetzungen ausgehen. Ist das der Fall, sind manche Ergebnisse nämlich zu ­hinterfragen.

Dies und viele weitere spannende Informationen finden Sie wieder in dieser Ausgabe. Viel Freude damit!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber
und WUFF-Redaktionshund Pauli

Pdf zu diesem Artikel: editorial_0420

 

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Dr. Hans Mosser
Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

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