Editorial WUFF 4/2022

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2013

Franziskus und der Wolf

Liebe Leserin, lieber Leser!

Ich komme gerade zurück von einer 3-wöchigen Pilgerwanderung, die im oberösterreichischen Spital am Phyrn begann, über die Steiermark und Kärnten nach Slowenien (Stajerska, Oberkrain, das Goriza- und das Karstgebiet) verlief und im italienischen Aquileia endete. Rein »technisch« waren es knapp 500 Kilometer und 12.000 Höhenmeter in 21 Tagen, die ich allein und mit einem 13 kg schweren Rucksack unterwegs war. Allein, also auch ohne hundliche Begleitung, weil ich mich sowohl um die richtige Orientierung als auch um die jeweilige Unterkunft zur Übernachtung kümmern musste. Da hatte ich mit mir selbst genug zu tun, als dass ich mich auch noch um einen Vierbeiner hätte kümmern können.

Dennoch hatte ich während meiner Wanderung keinen Mangel an Hundebegegnungen. Die schönste davon war im slowenischen Franziskanerkloster Nazarje, in dem ich übernachten durfte. Als ich am späten Nachmittag durch die offene Pforte in den Innenhof des Klosters eintrat, wurde ich freundlich und stürmisch von einer jungen braunen Labradorhündin – die, wie ich sogleich erfuhr, Luna heißt – begrüßt, bevor kurz danach der Franziskanerpater Tomaz kam und mich über meine Unterkunft informierte. Der sanftmütige Mönch verhielt sich gegenüber Luna sehr respekt- und liebevoll, offensichtlich so wie sein Ordensgründer, der Hl. Franziskus von Assisi. Spontan fiel mir sogleich die Legende vom Hl. Franziskus und dem Wolf von Gubbio ein.

Diese Legende berichtet von einem Wolf, der die Stadt Gubbio in Umbrien in Angst und Schrecken versetzt hat, da er nicht nur Haustiere riss, sondern auch Menschen angefallen haben soll. Die Bewohner wagten es nicht mehr, ohne eine Waffe aus dem Stadttor zu gehen. Um das Wolfsproblem zu lösen, beschloss Franziskus, mit dem Wolf in Kontakt zu treten. Furcht vor Tieren kannte er nicht, waren doch auch sie Gottes Geschöpfe. So ging er in den Wald in der Nähe der Stadt, wo sich der Wolf gewöhnlich tagsüber aufhielt. Nicht lange, habe sich ihm der Wolf in aggressiver Weise genähert. Die Legende spricht davon, dass der »Wolf mit offenem Rachen« auf Franziskus zugelaufen sei. Franziskus jedenfalls sei ruhig geblieben, und als der Wolf vor ihm stand, habe er das Kreuzzeichen über ihn gemacht. Da habe der Wolf die Kraft, die von dem Heiligen ausging, gespürt und innegehalten. Franziskus habe dann gerufen: »Bruder Wolf! Im Namen Christi befehle ich dir: Tu niemandem etwas zuleide!«, und er habe dem Wolf versprochen, dass ihm die Menschen ab nun genug zu essen geben würden. Als Zeichen für sein Einverständnis habe der Wolf seine Tatze in die Hand von Franziskus gelegt und seither herrschte wieder Ruhe und Frieden in Gubbio.

Ich wünsche Ihnen für diesen Sommer ebenfalls Ruhe und uns allen baldigen Frieden.

Viel Nutzen und Freude mit dem neuen WUFF!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber
und WUFF-Redaktionshund Pauli

 

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Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

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