Editorial WUFF 5/2020

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Werte

Liebe Leserin, lieber Leser!

In ihrem Buch „Digitale Ethik“ (Droemer 2019) betont Sarah Spiekermann die große Bedeutung von Tugenden und Werten für technische Produkte. Die Autorin fordert auf danach zu fragen, wie sich eine Technik langfristig auf den Charakter der Nutzerinnen und Nutzer auswirkt und ob und wie sie deren positive persönliche Werte fördert oder hemmt. Solche Fragen lassen sich natürlich für jedes Produkt, somit auch für Medien stellen. Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen.

Es geht darum, welche Grundwerte bspw. hinter einer Zeitschrift (ob Print oder online macht dabei keinen Unterschied) stehen. Es macht für mich als Leser einen Unterschied, ob eine Zeitschrift in einem großen Verlagshaus eines von vielen anderen Medienprodukten ist, mit dem Hauptziel, das Finanzergebnis des Großverlags zu verbessern, zwecks Gewinnausschüttung an die Shareholder. Und auch wenn Marketingaktivitäten oft den größeren Einfluss auf den Verkauf haben können als etwa die Qualität eines Produkts, so glaube ich, kann sich das nur kurzfristig auswirken. Denn immerhin muss das Medium doch gut genug sein, damit es wiederholt gekauft wird, also nachhaltig ist. Bloße Werbung kann Qualität nicht ersetzen. Und Qualität hängt gerade auch ab von den Werten.

Ist der Hauptwert ein finanzieller, nämlich den Ertrag für die oft anonymen Anteilbesitzer und Investoren zu erhöhen, dann mag das einige Jahre gut gehen. Aber nach Sarah Spiekermann wird sich das Fehlen von Werten, die grundsätzlich die Gesellschaft (in unserem Beispiel repräsentiert durch sog. Medienkonsumenten) nachhaltig positiv beeinflussen, auch bei den größten Firmen negativ bemerkmar machen. Dass so manche Zeitschrift anonymer Großverlage in den letzten Jahren vom Markt verschwunden ist oder verkauft wurde, unterstützt diese Annahme.

Anders kann es bei einem Magazin – nehmen wir das naheliegende Beispiel eines Hundemagazins – aussehen, dessen primäre Werte es sind, einer guten Beziehung zwischen Menschen und Hunden zu dienen oder – wie es ja auch einer der Ansprüche von WUFF ist – dazu beizutragen, das Leben von Menschen mit ihren Hunden schöner zu machen. Dazu gehören Werte bzw. Tugenden wie Respekt und Empathie für Hundehalterinnen und -halter, Aufrichtigkeit im Umgang mit diesen, außerdem Achtung vor unseren tierischen Mitgeschöpfen und dergleichen. Natürlich kann das finanzielle Thema nicht völlig ausgespart sein, denn anders könnte ein Magazin ja wirtschaftlich nicht bestehen. Und dennoch würde es – in Analogie zu den Annahmen Spiekermanns in ihrem Buch – einen merkbaren Unterschied machen, welche Primärwerte hinter dem Magazin stehen.

Ich denke, Wertschätzung der Leserinnen und Leser, Aufrichtigkeit im Umgang mit ihnen, sowie Freude und Motivation lassen sich neben der fachlichen Kompetenz in einem Magazin spüren und tragen mehr zur Förderung positiver Werte bei als wenn es primär um Effizienz und Gewinnmaximierung geht. Das ist uns als kleiner inhabergeführter Verlag „mit Herz“ immer wichtig gewesen und ist es weiterhin. Prüfen Sie das selbst in jeder Ausgabe von WUFF! (Ihre Rückmeldung dazu ist herzlich erwünscht an [email protected])

Viel Freude mit dem neuen WUFF!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber
und WUFF-Redaktionshund Pauli

 

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Dr. Hans Mosser
Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

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