Editorial WUFF 6/2020

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Jeder ist anders?

Liebe Leserin, lieber Leser!

In gewissem Sinn ist kein Hund gleich wie der andere. Natürlich gibt es auch bei den Hunden einige wenige Grundcharaktere, wie dies bei uns Menschen der Fall ist. Da gibt es den phlegmatischen Typ, den absolut nichts aus der Ruhe bringt und der zunächst einmal langsam – und daher länger – nachdenkt, ob es sich auch lohnt, bevor er sich in Bewegung setzt. Unser WUFF-Redaktionshund Pauli hat einiges von diesem Typ. Der schnelle Denker ist er nicht und auch auf Zuruf rast er nicht gerade auf einen zu. Anders, wenn ich ihm sein geliebtes Kautschuk-»Knochi« werfe. Es ist unglaublich, mit welcher Plötzlichkeit, Energie und Schnelligkeit er dann seinem Lieblingsspielzeug nachrast und es gar nicht so selten sogar überholt, wenn es sich noch in der Luft befindet. Auch seine Ausdauer, mit der er immer wieder diesen Kautschuk-Knochen zurückbringt und mir vor die Füße legt, egal was wichtiges Anderes ich gerade zu tun habe. Seine leicht geduckte Stellung und sein Blick, der ständig von meinen Augen zum »Knochi« wechselt, zwingen mich fast dazu, das schwarze Kautschuk-Ding wieder wegzuschleudern. Es ist eine richtige Überwindung, diesem Blick zu widerstehen, wenn es etwa zu heiß ist oder er schon recht ausgepowert ist. Pauli ist also nicht ein reiner Phlegmatiker, sondern kann – situationselastisch – energiemäßig auch fast explodieren.

Dann gibt es den Sanguiniker, den auch kaum etwas aus der Ruhe bringt und der alles leicht, nicht selten aber auch wenig ernst nimmt. Er tendiert dazu zu machen, was er will, und versteht dann oft nicht, wenn Frauchen oder Herrchen sauer auf ihn sind. Seine Lockerheit und Entspanntheit könnten allerdings manchem Menschen zum Vorbild dienen!

Dem Choleriker würde dann ungefähr ein Hund entsprechen, der auf jeden Reiz sofort heftig reagiert, sozusagen sofort auf Tausend ist. In reiner Form ist so ein Hund (wie ja auch so ein Mensch) ziemlich anstrengend. Sein Mensch muss ständig Umgebung und Situation checken, um unliebsame »Explosionen« zu vermeiden oder im Griff zu behalten. Ich kenne einige solche Vierbeiner.

Der vierte Charaktertyp ist der Melancholiker. Das wäre ein Hund, der einen gewissen traurigen Grundton in seinem Leben verkörpert. Der alles ein bisschen zu schwarz sieht und sich das, was ihm passiert, schwer zu Herzen nimmt. Auch Angst ist nicht selten dabei. Dieser Typus erinnert mich an den »Canis autisticus«, die türkische Hündin Günes von WUFF-Autorin Sophie Strodtbeck. Günes war im Freien in der ständigen Angst, der Himmel könnte ihr auf den Kopf fallen (vgl. den wirklich lesenswerten Artikel von Sophie Strodtbeck in WUFF 9/2010).

Zum Glück treten diese Grundtypen in reiner Form nur sehr selten auf. Meist sind es Mischformen, die dann noch überlagert werden durch die ganz speziellen Fein- und Eigenheiten, die genau den Hund ausmachen, mit dem wir zu Hause leben. Wenn Sie mir etwas über den Charaktertyp Ihres Hundes erzählen wollen, schreiben Sie mir bitte ([email protected]). Bis dahin viel Freude mit dem neuen WUFF!

Viel Freude mit dem neuen WUFF!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber
und WUFF-Redaktionshund Pauli

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Dr. Hans Mosser
Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

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