Editorial WUFF 6/2022

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Zivilcourage

Liebe Leserin, lieber Leser!

Ich werde häufig von Hundefreunden kontaktiert, wenn sie irgendwo beobachten, wie ein Hund misshandelt wird. Man erwartet dann, dass ich die Polizei informiere oder sonst wie einschreite. Stets aber muss ich antworten, dass ich bei der Polizei nicht etwas anzeigen kann, das eine andere Person beobachtet hat. Eine Anzeige erstatten kann nur diejenige Person, die ein tierquälerisches Verhalten beobachtet hat und dies – hoffentlich – auch beweisen kann. Hier würde es helfen, wenn es Zeugen gibt oder sonstige Beweise. Jedenfalls braucht es Zivilcourage, (nicht nur) im Tierschutz aktiv zu werden und das kann einem niemand abnehmen.

Zivilcourage haben jedenfalls die Begründer der Anti-Qualzucht-Initiative, Andrea und Walter Hohl, die sich aus eigener Betroffenheit mit ihrer Französischen Bulldogge Vigo dem Kampf gegen die Qualzucht verschrieben haben. So hatten sie auf der größten österreichischen Hundeausstellung (»Du & das Tier Tulln 2021«) im Vorjahr gegen 15 Aussteller, 7 Bewertungsrichter und die Veranstalter der Messe wegen Verstoßes gegen das Qualzuchtverbot Anzeige erstattet. Eine Woche vor der Abhaltung der diesjährigen Messe (»Du & das Tier Tulln 2022«) haben sie nun in einer Presseaussendung die Öffentlichkeit darüber informiert und die Behörden sowie die Veranstalter dazu aufgerufen, diesmal die Einhaltung des Tierschutzgesetzes zu gewährleisten. Hut ab vor diesem Engagement! Und Danke dafür!

Seit nun schon 27 Jahren tritt WUFF für den achtsamen Umgang mit Tieren ein. Auch wenn wir als Hundemagazin natürlich in erster Linie dem Hund verpflichtet sind, so waren seinerzeit auch die mit unsäglichem Tierleid verbundenen Rindertransporte in den Nahen Osten und generell Tiertransporte bei uns Thema. Wir haben damals auch durch das Studium der Zuchtbücher beweisen können, dass gesunde weiße Boxerwelpen getötet wurden, weil Weiß als ­»Fehlfarbe« galt. Schon in der ersten WUFF-Ausgabe und noch oft danach haben wir das Kupieren von Ruten und Ohren kritisiert, ebenso wie brutale Zwangsverpaarungen, also Vergewaltigungen von Hündinnen durch vom Züchter geplante Deckrüden. Wenn die Hündin den Rüden nicht akzeptierte, wurde sie einfach in ein sog. Deckgestell gespannt … Wir waren der Meinung, wenn die Natur nicht will, hat sie einen Grund. Der Kampf von WUFF gegen die Verwendung von Stachelhalsbändern oder Stromreizgeräten (bspw. Teletakt) ist ebenso legendär wie unsere Reportagen »Die verkaufte Gesundheit« oder »Hundehandel, Provisionen und Skandale« und andere »Aufreger« über den Deutschen Schäferhund. Einiges hat sich seither im Hundewesen verbessert, wenngleich noch lange nicht alles – und vor allem wird das in Österreich wie in Deutschland gesetzliche Qualzuchtverbot noch immer kaum exekutiert.

Weil wir dies und viele andere Missstände im Hundewesen aufgezeigt haben, hatten wir natürlich nicht wenige Feinde. Aber es waren Sie als unsere Leserin, unser Leser, die durch das Abonnement von WUFF diesen Einsatz ermöglicht haben und weiter ermöglichen. Dafür will ich Ihnen wieder einmal ausdrücklich danken!

Viel Freude mit dem neuen WUFF!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber
und WUFF-Redaktionshund Pauli

 

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Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

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