Editorial WUFF 6/2017

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Mobbing –
das sogenannte Böse?

Liebe Leserin, lieber Leser!

Als Modewort lässt es sich kaum mehr bezeichnen, denn ein solches hat seine Zeit, bevor es wieder der Vergangenheit anheimfällt: Der Begriff Mobbing. Tatsächlich gibt es diesen Begriff aber schon seit den 1980ern, als ihn der in Deutschland geborene, mit 23 Jahren nach Schweden ausgewanderte Arbeitspsychologe Heinz Leymann bekannt gemacht hat und damit den gezielten Psychoterror am Arbeitsplatz ­bezeichnete. Im Unterschied zu Streitigkeiten oder Klatsch meinte er damit über einen längeren Zeitraum ablaufende „negative kommuni­kative Handlungen“ von einer oder mehreren Personen gegenüber einem Opfer. Als Beispiele für solche negativen Handlungen nennt er Konfrontation und Belästigung, sowie auch eine bewusste Nichtachtung. In seinem berühmten Buch „Mobbing: Psychoterror am Arbeitsplatz“ (Leymann 1993) erklärt er: „Eine Unverschämtheit, einmal gesagt, ist und bleibt eine Unverschämtheit. Wiederholt sie sich aber jeden Tag über mehrere Wochen, dann sprechen wir von Mobbing“ – wobei der Begriff im Übrigen aus dem englischen „to mob“, für jemanden angreifen oder bedrängen, stammt. Und als ­Substantiv verwendet, bedeutet es Pöbel, Meute, Mob oder Horde. Zu Opfern von Mobbing werden eher Personen, die sich durch irgendwelche äußerlichen oder Verhaltensmerkmale vom Durchschnitt einer Gruppe unterscheiden.

Nun könnte man den in dieser Ausgabe von WUFF publizierten Artikel von Johanna Pelz über das Mobbing unter Hunden kritisieren als eine unzulässige Verwendung dieses der Arbeitswelt des Menschen entnommenen Begriffs. Es würde einer Vermenschlichung von Tieren entsprechen, wenn man ihnen die Fähigkeit von Mobbing unterstellt.

Doch geht diese Kritik ins Leere, entstammt der Begriff ­Mobbing doch gerade der Tierwelt. Konrad Lorenz hat ihn 1963 in seinem Buch „Das sogenannte Böse“ erstmals für das Phänomen von in Gruppen angreifenden Tieren auf ein Einzeltier verwendet, wobei ihm dies erstmals bei der ­Beobachtung eines Angriffs von mehreren Gänsen auf einen Fuchs aufgefallen war. So ist also für die korrekte Verwendung dieses Begriffs bei Hunden auch nicht der von Leymann für Mobbing geforderte längere Zeitraum mit wiederholten Handlungen gefordert. Und daher findet in dem Mobbing-Artikel in dieser Ausgabe nicht nur keine unzulässige Übertragung eines ­Begriffes aus dem menschlichen in den tierischen Verhaltensbereich statt, sondern es entstammt dieser Begriff vielmehr dem Tierreich.

Wie stark der (psychische) Schaden für ein gemobbtes Opfer ist, hängt natürlich auch von dessen psychischer ­Konstitution ab. Es bedeutet nicht prinzipiell, dass ein Mobbingopfer schwächer oder unterlegen ist – aber gegen eine Gruppe hat es natürlich keine Chance. Allerdings wird wiederholtes Gemobbt-werden (auf dem Hundeplatz) einem eher intro­vertierten, vielleicht sogar schüchternen Lebewesen (Hund) mehr schaden als einem selbstbewussten. Und genau hier setzt der erwähnte WUFF-Artikel ein, mit Hinweisen, die ­Anzeichen von Mobbing zu erkennen und rechtzeitig einzu­greifen, um Schaden für das Mobbing-Opfer abzuwehren. Ganz genauso, wie das übrigens auch in der menschlichen Arbeitswelt für den Chef gilt!

Viel Freude mit diesem neuen WUFF!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber,
und Bruno, der WUFF-Redaktionshund

Pdf zu diesem Artikel: editorial_06_2017

 

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