Editorial WUFF 8/2017

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Hundetrainer – heute notweniger als früher?

Liebe Leserin, lieber Leser!

Ich hatte kürzlich das Vergnügen und die Ehre, bei den von Michael Einhorn (Hundezentrum Pfalz) veranstalteten 1. Salz­burger Hundstagen einen Vortrag über das Thema der „Orien­tierung im Hundemediendschungel“ zu halten. Aber darum geht es mir jetzt gerade nicht, sondern vielmehr um den Vortrag, der dem meinen vorausging: Thomas Baumann sprach – kompetent und kurzweilig – über das Thema Aggres­sion bei Hunden. Er wies eindrucksvoll nach, dass es „die Aggression“ nicht gebe, sondern sie vielmehr in verschiedenen Erscheinungs­formen auftrete, die zunächst einmal zu inter­pretieren seien. Pathologische Aggressionsformen müssten also korrekt hinsichtlich Auslöser und Umstände sowie ihrer ­jeweiligen Form nach diagnostiziert werden, bevor man ­überhaupt erst eine passende Therapiemöglichkeit auswählt, von denen es im Übrigen auch nicht nur eine gibt. Diagnose und Therapie – die höchst verantwortungsvolle Aufgabe eines kompetenten Hundetrainers!

Gelegentlich ist die Meinung zu hören, dass man heute „so viel Wind“ um die Notwendigkeit von Hundetrainern mache. Früher hätten sich die Hunde untereinander alles selbst geregelt, Hundetrainer habe man allenfalls für spezielle Ausbildungen wie für die Jagd oder den Hundesport benötigt. Ähnlich wie früher der eigene Psychiater bzw. heute der persönliche Coach en vogue sei, so sei das der Hundetrainer heute für den Hund.

Was bei diesem Vorwurf vergessen wird, ist ein ganz banales Faktum: Früher ist vorbei, heute ist heute und damit anders als früher. Konkret: Der Platz für das Leben der Hunde in unserer Umwelt und Gesellschaft ist deutlich eingeschränkter und viel reglementierter als früher. Die Einstellung zu Hunden ist heute polarisierter als früher und die Gegnerschaft deutlich stärker. Dass daraus vermehrt Konfliktsituationen entstehen, liegt auf der Hand. Ganz zu Recht untertitelte daher Thomas Baumann seinen Vortrag so: „Das Thema Aggression nimmt in unserer Gesellschaft und Zeit immer mehr Raum ein. Beißvorfälle nehmen offensichtlich zu. Spielt unser ‚modernes‘ Zusammen­leben mit Hunden dabei eine Rolle?“ (www.salzburger-­hundstage.at/programm). Damit aber steigt in meinen Augen sehr wohl der Bedarf an gut ausgebildeten Hundetrainern. Doch woran erkennt man einen guten?

Gute Hundetrainer haben zunächst einmal nicht „die eine ­Methode für alles“. Das gilt sowohl für die Ausbildung als auch bei Problemlösungen. Gute Hundetrainer sind gute Diagnostiker. Sie erkennen, ob ein echtes hundliches Problem besteht oder vielmehr beim Halter die Ursache zu suchen ist (was natürlich genauso ein Problem ist). Sie erkennen, ob der Hund wirklich eine Pathologie aufweist oder ob sein Ver­halten lediglich eine (verständliche) Anpassung an eine pathologische Situation ist. Ohne korrekte Diagnose braucht man eine Therapie erst gar nicht zu beginnen. Und gute Hunde­trainer wählen sowohl in einer Ausbildungs- als auch in einer Therapiesituation die jeweils passende Methode aus einem ­möglichst großen Methodenreservoir aus. Dass man das nur selten in den alten Hundeschulen à la Exerzierplatz oder aber bei methodenbeschränkten Hundeschulketten wird finden ­können, scheint mir einsichtig. Und da sowohl die theoretische als auch die praktische Aus- und Weiterbildung guter Hundetrainerinnen und -trainer alles andere als billig ist, kann auch ihre so wichtige Dienstleistung nicht billig sein.

Viel Freude mit diesem neuen WUFF!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber,
und Bruno, der WUFF-Redaktionshund

Pdf zu diesem Artikel: editorial_08_2017

 

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Dr. Hans Mosser
Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

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