Editorial WUFF 9/2018

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Immer schon gedacht?

Liebe Leserin, lieber Leser!

Es ist immer so eine Sache, einen Artikel zu veröffentlichen, dessen zentraler Aussage ein Teil der Leser zustimmt, ja, sich sogar damit identifizieren kann, während andere der gegenteiligen Meinung sind und einige dadurch sogar erbost werden. Die Frage, nach welchen Kriterien wir beurteilen, ob ein Artikel in WUFF veröffentlicht wird, ist daher durchaus gerechtfertigt.

Grundsätzlich sind bei der Entscheidung über die Publikationswürdigkeit einer Information bzw. eines Artikels zwei Faktoren von Bedeutung: Der eine Faktor ist der Redakteur/Journalist bzw. das Publikationsmedium, der andere ist der jeweilige Artikel, um den es geht. Auf Seiten der Redaktion sind es der weltanschauliche Hintergrund, das Wissen und die Erfahrung sowie die grundsätzliche Blattlinie, welche die Selektionskriterien für die Publikation eines Artikels bestimmen. Zum anderen sind es Merkmale des Artikels und/oder dessen Autors.

Das heißt etwa, wir werden keinen Artikel publizieren, der gegen unser Prinzip des Tierschutzes verstößt oder der gegen Menschen oder Hunde hetzt. Das war schon in der allerersten Ausgabe vor über 20 Jahren so und ist es heute noch. Und diese ethische Einstellung hat auch stets unser Engagement für die zu Unrecht so genannten und verfolgten Kampfhunde bestimmt, wobei ich erst kürzlich im Rahmen einer Veranstaltung des Münchner Tierschutzvereins „Ein Herz für jede Rasse“ darüber einen Vortrag gehalten habe – wobei mein Herz natürlich für jeden Hund schlägt, egal ob Rasse oder „mehr-rassig“.

Die Auswahlkriterien auf Seiten des Artikels beziehen sich auf dessen Thema, Inhalt und Stil. Ist das Thema für die Praxis von Bedeutung? Kann es Lesern und ihren Vierbeinern einen Nutzen bringen? Hat es Informationswert etc.? Und auch: Regt es zur Diskussion an? Es bedeutet aber auch, dass ich nicht hinter der Aussage jedes Artikels stehen muss bzw. mit jedem Autor in einer Sache derselben Meinung sein muss, obwohl ich dessen Veröffentlichung befürworte.

Aber ich bin der Meinung, dass wir uns auch mit Themen auseinandersetzen sollen, die nicht dem entsprechen, was wir immer schon gedacht oder immer schon getan haben. Und selbst wenn ich anderer Meinung als der des Autors oder der Autorin bin, so profitiere ich trotzdem von der Lektüre! Warum? Weil ich nun umso klarer meine eigene Position bei einem Thema dadurch schärfen kann, dass ich mich mit einer konträren Meinung auseinandersetze. Es ist wie bei der Schneide eines Messers, die man an einem Schleifstein wetzt.

Und so sind wir wieder beim ersten Satz dieses Editorials. Natürlich wird nur diskutiert, wo es unterschiedliche Meinungen gibt. Und es ist gut, wenn wir miteinander diskutieren, uns austauschen, ja, auch – mit guten Argumenten – zu widerlegen versuchen. All dem aber muss stets vorausgehen, dass wir im anderen eine gute Absicht vermuten können. Wir publizieren keine Artikel mit einer bösen Intention. Die gute Absicht des anderen sollten wir auch bei kontroversen Themen in WUFF immer im Bewusstsein haben. Dann wird es auch eine gute Diskussion.
Viel Freude mit diesem neuen WUFF!

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Dr. Hans Mosser, WUFF-Herausgeber

Pdf zu diesem Artikel: editorial_0918

 

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Dr. Hans Mosser
Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

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