Ein Auto für den Hund: Gedanken zum Doggomobil

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Wenn Bello nicht nur höchst selten auf vier Rädern unterwegs ist, ist es mehr als sinnvoll, den Wagen gezielt auch nach des Vierbeiners Bedürfnissen und denjenigen, die daraus erwachsen, auszurichten. Doch was zählt hier?

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Kfz-Mechatroniker unter den Lesern kennen vielleicht den Begriff: der „Hundewagen“. Ein Auto, dem man spätestens beim Öffnen des Kofferraumes oder der Hintertüren direkt ansieht, dass die regelmäßigen Mitfahrer nicht nur menschlich sind. Das ist deshalb so offensichtlich, weil viele Autos und deren Features nicht auf den Transport von Hunden hin optimiert sind – oder diesen wenigstens nicht ohne bleibende Schäden zumindest optischer Natur mitmachen.

Fest steht, dass es durchaus möglich ist, ein Auto hinsichtlich seiner Bauweisen und seinen Ausstattungsmerkmalen so auszuwählen und auszugestalten, dass es den Transport des Hundes erleichtert, sicherer macht und überdies auch weniger Spuren am Fahrzeug hinterlässt. Das bedingt jedoch – naturgemäß – dass die Besitzer Kompromisse eingehen.

Wann das Doggomobil interessant wird

So mancher Leser wird vielleicht in der Stadt leben und gar kein eigenes Auto benötigen. Andere hingegen wohnen so weit draußen auf dem Land, dass sie die schönsten Hundestrecken begehen können, ohne vielleicht auch nur eine Straße überqueren zu müssen.

Solche Personen, bei denen die Notwendigkeit, den Hund ins Auto zu verladen, bestenfalls alle paar Monate besteht, benötigen höchstwahrscheinlich kein Doggomobil. Jedoch sind auch sie nicht davon entbunden, beispielsweise eine Rampe anzuschaffen und das Tier mindestens mit einem hochwertigen Hundegeschirr zu sichern – andernfalls sind die Risiken schlicht zu groß.

Doch wann lohnt sich das Fahrzeug? Nun:

  • Wenn der Hund mindestens einmal wöchentlich zum Spaziergang in die Natur gebracht werden soll.
  • Wenn mehrere Hunde vorhanden sind.
  • Wenn es sich nicht um einen eher kleinen Hund handelt, der problemlos in eine Rücksitzbox passt.
  • Wenn der Hund zu denjenigen gehört, die keine Pfütze auslassen und sich gerne im Dreck suhlen.
  • Wenn aktiv Hundesport oder dergleichen betrieben wird. Also nicht beispielsweise nur die Welpenschule.

Kurz: Je häufiger und dauerhafter der Hund mitfährt, desto eher lohnt es sich, das Auto bedarfsgerecht auszuwählen und auszustatten.

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Wie das Finanzielle aussehen sollte

Ein Auto kostet natürlich Geld. Auch wenn es nicht stimmt, dass ein Hundeauto übermäßig teurer als ein normales Fahrzeug sein müsste – oft ist sogar das Gegenteil der Fall, weil keine empfindliche Luxusausstattung benötigt wird. Dennoch sollte die Geldfrage von Anfang an geklärt werde. Das gilt insbesondere, wenn Kredite nötig sind. Diese lassen sich einfach vergleichen und berechnen, auch sollte, wenn die Option besteht, der Verwendungszweck Fahrzeug angegeben werden – das macht den Kredit günstiger.

Quelle: https://www.verivox.de/kredit/rechner/

Ferner gelten folgende Tipps:

  • Erst das Auto finden, dann das Geld zusammentragen; sonst muss mitunter wegen einiger hundert Euro ein schlechterer Kompromiss eingegangen werden.
  • Keinesfalls nur genug Geld für das Auto bereitstellen. Neben der An- bzw. Ummeldung kosten auch einige hundespezifische Details Geld.
  • Nicht mehr Auto kaufen, als realistisch nötig ist. Kaum eine Hunderasse benötigt so viel Platz wie ein Mensch – und Statusdenken ist ihr völlig gleich.

Wer das Thema nicht zeitnah angehen möchte, sollte zudem beachten, dass in der EU eine Bargeld-Obergrenze im Gespräch ist – 10.000 Euro. Entsprechend kann es mittelfristig speziell bei Gebrauchten von Privat nötig sein, andere Zahlungsmittel ins Auge zu fassen.

Wie das generelle Fahrzeug aussehen kann

Was unterscheidet ein Doggomobil in seiner generellen Auslegung von einem beliebigen anderen Fahrzeug? Tatsächlich sind es nur wenige Details:

  • Das Fahrzeug ist in Sachen Antriebs(formel) auf den zu erwartenden Untergrund ausgelegt. Wer beispielsweise regelmäßig mit Bello in Richtung Wald und Flur fährt, sollte nicht auf einen Vierrad- bzw. Allradantrieb verzichten (Achtung: zwischen beidem gibt es signifikante Unterschiede). Aber: Wer selten bis nie auf Matsch und in wegelosem Gelände unterwegs ist, kann sich diesen beträchtlichen Kostenpunkt für Anschaffung und Unterhalt definitiv sparen!
  • Der Wagen sollte so ausgelegt werden, dass der primäre Mitfahrplatz für das Tier im Heck liegt. Sobald der Hund auf der Rückbank mitfahren muss, handelt es sich meist um einen unnötigen Kompromiss. Allerdings sollte es keine hermetische Abtrennung zum Fahrgastraum geben – das Tier sollte jederzeit den Fahrer/Besitzer sehen und hören können.

Davon abgesehen gilt nur, dass das Auto so niedrig sein sollte, wie angesichts des Untergrundes (Bodenfreiheit) möglich – umso einfacher wird es für das Tier, in den Innenraum zu gelangen, ohne dass eine lange (für den kleineren Winkel) Rampe nötig ist.

Im Rahmen dessen bieten sich mehrere Fahrzeuge an:

  • Reguläre Kombis
  • Hochdachkombis (haben oft Preisvorteile)
  • (Nicht übermäßig hohe) Geländewagen
  • Mindestens mittelgroße Vans

In diesen vier Typen finden sich aktuell extrem viele Modelle – denn Laderaum ist derzeit auch jenseits von Hundebesitzern enorm begehrt.

Was der hundespezifische Innenraum beinhalten sollte

Das Doggomobil muss sich, zumindest bis an die Kopfstützen der Rückbank, an keinem Punkt von einem ausschließlich menschzentrierten Vehikel unterscheiden. Das ist sogar besser, denn Menschen werden immer mitfahren, Hunde jedoch bei den meisten nicht wirklich auf jeder Tour.

Aufgrund dessen erstreckt sich der hundespezifische Teil des Innenraumes auf den Kofferraum. Dort allerdings gibt es einiges, was zu beachten ist:

  • Kein Teppich. Die im Fahrzeugbau verwendeten Teppiche zeichnen sich nach wie vor dadurch aus, dass sie extrem anfällig für festhängenden Schmutz aller Art sind. Dies gilt auch für Hundehaare. Zudem saugt sich das Material mit feuchtem Schmutz voll und kann so mit der Zeit sehr stark zu riechen anfangen.
    Falls das Modell nur mit Teppich erhältlich ist, so ist es die beste Option, in Selbermachermanier vorzugehen: Der Teppich wird entfernt (er ist meist nur lose eingelegt) und als Schnittmuster für eine etwa gleichdicke Matte aus robustem Gummi verwendet; gegebenenfalls mit einem leichten Schaumstoffpolster darunter – dies ist nebenbei auch die deutlich günstigere Methode als die häufig preislich recht herb angesiedelten Einlegewannen. Nach Möglichkeit sollte diese Matte auch zumindest an der Vorderseite so hochgezogen werden, dass sie auch die (meist ebenfalls stoffbespannte) Rückseite der hinteren Rückenlehnen bedeckt.
  • Was den Schutz des Tieres anbelangt, so gibt es die Wahl:
    • Das Schutzgitter nach vorn. Es ist immer dann eine gute Option, wenn der Kofferraum im Handumdrehen auch für andere Beladungen benutzbar gemacht werden soll. Allerdings sollte dann sichergestellt werden, dass die seitlichen Kunststoffteile der Kofferraumverkleidung durch passend bezogene Schaumstoff-Formteile gepolstert werden – eine Aufgabe für einen Fahrzeugsattler. Das verhindert auch, dass der hier meistens verwendete Kunststoff verkratzt wird, schlecht für den Werterhalt.
    • Die vergitterte Transportbox. Sie lässt sich zwar nur schlechter spontan entnehmen, bietet aber den höchsten Schutz fürs Tier. Außerdem ist es auch bei nicht ganz perfekt erzogenen Hunden möglich, den Kofferraum zu öffnen, ohne dass das Tier sofort herausspringen kann – und je nach Fahrzeuggröße ist nebenan trotzdem noch Stauraum übrig.
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  • Es sollte irgendwo, mitunter unter dem Fahrzeughimmel, eine Möglichkeit geschaffen werden, um dort die Hunderampe sicher zu befestigen. Andernfalls muss sie immer in Form von Kompromisslösungen (das heißt lose) mittransportiert werden. Auch dies kann mit dem Fahrzeugsattler besprochen werden
  • Falls möglich sollte ein wasserfester Stauraum geschaffen werden. Etwa unter der Kofferraum-Bodenmatte, falls dort etwas frei ist. Hier können nach Spaziergängen nasse, schmutzige Handtücher und dergleichen verstaut werden. Alternativ kann dies mit einer Kunststoffbox geschehen, die mit klebbaren Klettstreifen befestigt wird.
  • Die hinteren Fenster, das heißt, Heck- und hintere Seitenfenster, sollten durch Tönungsfolie vor übermäßiger Sonneneinstrahlung geschützt werden. Allerdings nicht so, dass der Hund keinen freien Blick mehr nach außen hat. Hier gibt es mittlerweile Folien, die Sonne sehr gut abhalten, aber dennoch die Sicht kaum einschränken.
  • Ein Fahrzeugelektriker bzw. -mechatroniker sollte angesprochen werden. Ziel ist es, eine vom Fahrersitz aus schaltbare Kofferraumbeleuchtung zu installieren. Diese darf auch seitens des TÜV während der Fahrt brennen, sofern sie nicht andere Verkehrsteilnehmer blendet oder den Innenraum so sehr erleuchtet, dass er von außen deutlich sichtbar ist. Das ist weniger eine Maßnahme für die menschlichen Autobesitzer, sondern für den Hund bei Nachtfahrten.

Und ganz gleich, ob wirklich mit Hunderampe gearbeitet wird oder das Tier aus eigener Kraft in den Kofferraum gelangt: Alle dabei möglicherweise betroffenen, lackierten Teile der Heckstoßstange sollten geschützt werden. Dafür gibt es im Fahrzeugbedarf transparente Schutzfolien, die einfach auf den Lack aufgeklebt werden – und sich spurenlos abziehen lassen.

Auf diese Weise entsteht ein Fahrzeug, in dem Hunde problemlos und gerne mitfahren. Gleichzeitig wird der Wagen aber nicht durch diese Nutzung übermäßig strapaziert. Das ist gut für den Werterhalt und auch für eine sehr lange Nutzung ohne vermeidbare Reparaturen.

Über den Autor

Jan Lehner ist selbstständiger Kfz-Meister. In seiner Freizeit ist er zudem in Sachen Streunerpflege unterwegs. Beides für ihn kein Gegensatz – auch wenn er das Auto sehr gern stehenlässt, um mit seinen beiden Boxerrüden Willie und Waylon ausgedehnte Waldspaziergänge zu machen.

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