Ein Jahr danach …

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Eine Hundeattacke mit Folgen

In WUFF 5/2016 berichteten wir über eine ­Hundeattacke gegen einen kleinen Pudel. Die Tierpsychologin und Hunde­trainerin Yvonne Adler gab Tipps zur Bewältigung des ­hervorgerufenen Traumas. Heute berichtet die Hunde­halterin, wie es ihr im letzten Jahr ergangen ist und mit welchen Konsequenzen der Halter des aggressiven Hundes nun konfrontiert ist.

Das geschah vor einem Jahr (unter http://www.wuff.eu/angst-und-trauma nachzulesen): Mein Zwergpudel Isidor ist beinahe totgebissen worden von einem Deutsch Drahthaar, den die Halterin einfach frei vorlaufen ließ, obwohl er in der Vergangenheit schon mehrere kleine Hunde zerbissen hatte. Der Zwergpudel hatte keine Chance gegen diesen großen Hund.

Ein Jahr später
Ich selbst habe den Stiftswald, wo der Vorfall stattfand, obwohl er von ­meiner Wohnung aus in nur fünf Minuten fußläufig erreichbar ist, nur noch in Begleitung aufgesucht. Dafür haben wir ein in wenigen Autominuten erreichbares kleines Hundeparadies entdeckt, wo sich Menschen und ihre gut sozialisierten Hunde aller Größen und Rassen friedlich begegnen. Dort kam uns vor kurzem auch ein Deutsch Drahthaar entgegen. Ich habe tief durchgeatmet – und wir sind so wie auch an anderen Hunden, mit denen Isidor keinen näheren Kontakt wünscht, vorbei gegangen. Mein kleiner Zwerg hat zum Glück seine Unbefangenheit auch dieser Jagdhund-Rasse gegenüber behalten bzw. zurückgewonnen.

Ärger mit Versicherung
Die „Schadensregulierung“ hatte ich, selbst noch unter Schock und ganz mit der Betreuung Isidors beschäftigt, einem Anwalt übergeben. Die gegnerische Versicherung war nur bereit, 50% der Tierarzt- und Transportkosten (fast 1.500 Euro) zu übernehmen, da ­beide Hunde unangeleint gewesen seien. Damit konnte und wollte ich mich schon allein wegen des Größenunterschieds und der Tatsache, dass uns Deutsch Drahthaar Hugo trotz einschlägiger Vorgeschichte zunächst unbeaufsichtigt entgegen kam, nicht zufrieden geben. So nahm ich, als ich meinen Schock einigermaßen überwunden hatte, selbst Kontakt zur Versicherung auf, die sich mit mir schließlich auf die Übernahme von 100% der Kosten für Isidors Ge­nesung geeinigt hat.

Gerechtigkeit hat gesiegt
Nur die Antwort des Ordnungsamtes Saarbrücken ließ lange auf sich warten. Im Laufe des vergangenen Jahres hatte ich mehrfach sowohl schriftlich als auch telefonisch nachgefragt, ob Hugo, der schon einmal wegen eines Beißvorfalls aktenkundig geworden war, nun als gefährlich eingestuft werde. Man vertröstete mich immer wieder, der Vorgang sei noch nicht abgeschlossen, man werde mich benachrichtigen, wenn eine Entscheidung vorliege. Als ich mich dann schließlich Anfang diesen Jahres noch einmal erkundigte, erhielt ich die Auskunft: „Ich kann Ihnen mitteilen, dass gegen den Halter des Hundes Hugo zwischenzeitlich eine Verfügung erlassen worden ist, wonach der Hund nur noch angeleint ausgeführt werden darf. Dieser Anleinzwang gilt auch dort, wo nach anderen Vorschriften ein solcher nicht besteht (z.B. Wald).“ So können wir hoffen, dass keine weiteren Hunde durch Hugo zu Schaden kommen.

Für das Zustandekommen der Maßnahme war es wahrscheinlich auch von Bedeutung, dass wenigstens ein Hundehalter vor mir den Mut gehabt hatte, Anzeige zu erstatten, nachdem sein Hund durch Hugo schwer verletzt worden war. Andere betroffene Hunde­halter haben es – aus Angst und Un­sicherheit? – unterlassen, zur Polizei zu gehen: „Mein Hund war doch auch nicht angeleint“, „Mein Hund ist dem Hugo doch entgegen gelaufen“ …, ABER: Kein für unsere Gesellschaft sozialisierter Hund zerbeißt einen kleineren Artgenossen oder versucht ihn zu töten, wenn er ihm arglos entgegen läuft. Derart aggressives Verhalten sollten wir nicht tolerieren. Nach der Auskunft des Ordnungsamtes kann ich für mich mit dem Fall abschließen und mit diesem Bericht vielleicht auch anderen Mut ­machen, Beißvorfälle anzuzeigen, damit sie sich nach entsprechenden Verfügungen wie z.B. Anleinzwang möglichst nicht ­wiederholen.

Abschließend möchte ich noch einmal allen danken, die uns in der schwierigen Zeit von Isidors Genesung beigestanden haben und Verständnis für uns hatten während der nicht ganz leichten Übergangsphase zurück in ein „normales“ Leben.

Pdf zu diesem Artikel: hundeattacke

 

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