Ein Welpe ist kein ­unbeschriebenes Blatt – Über die prä- und postnatalen Einflüsse auf ­Hundewelpen und ihre Bedeutung für Hund und Mensch

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1929

Aus heiterem Himmel, gänzlich ungeplant, trat Herr Schmitt, ein 15 Wochen alter tricolor Beaglewelpe, in unser Leben. Lieblos aufgezogen bei einem sogenannten Vermehrer, gänzlich unsozialisiert und von einem überforderten Vorbesitzer abge­geben, landete er bei uns zu Hause und mitten in unseren Herzen. Anlass genug, uns wieder einmal einige Überlegungen zu machen über die prä- und postnatalen Einflüsse, denen ein Welpe ausgesetzt ist.

Jeder Welpe hat seine Vorgeschichte
Normalerweise kommen die meisten Welpen, die von Züchtern ­abgegeben werden, in einem Alter von 8-12 Wochen zu ihren zukünftigen Besitzern. Dieses Zeitfenster sollte, wenn immer möglich, weder unter- noch überschritten werden. Wir persönlich raten auf Grund unserer Erfahrungen zu einem Abgabezeitpunkt in der 10.-12. Woche. Natürlich nur dann, wenn der Welpe im Züchterhaushalt optimale Bedingungen vorfindet! Jeder Welpe kommt mit seiner ganz individuellen Vorgeschichte zu Ihnen, unabhängig davon, ob von einem verantwortungsvollen, ­seriösen Züchter oder, wie in unserem Fall, wie wir im Nachhinein erfuhren, von einem dieser unseligen Vermehrer. Denn der ­Welpe hat in seinem ­kurzen ­Erdendasein bereits eine ganze ­Menge ­Erfahrungen gemacht und eine Menge Dinge gelernt.

Vom Tag seiner Geburt an musste er sich mit seiner Umwelt auseinandersetzen, mit ihr interagieren und reagierte gemäß seinen genetischen Anlagen auf die unterschiedlichen ­Reize, mit denen er sich konfrontiert sah. Ganz wichtig zu wissen ist weiter­hin, dass, im Grunde genommen, die Grundlagen für die ­spätere Persönlichkeitsentwicklung des ­Welpen bereits noch früher, nämlich im Leib der trächtigen Hündin, beginnen. Das vergessen die meisten, ist aber von besonderer Bedeutung, weil unter anderem auf die vorgeburtlichen Einflüsse, insbesondere auf den hormonellen Status der Hundemama, aber auch der Mitbewohner, wenig Einfluss genommen werden kann. Doch dazu später mehr.

Pauschal lässt sich sagen: Der ­Welpe, der zu Ihnen ins Haus kommt, ist die Summe seiner bisherigen Erfahrungen. Sein Verhalten ist zu 100 Prozent genetisch bedingt und zu 100 Prozent erlernt. Diese Erklärung erscheint nur auf den ersten Blick hin paradox. Zwischen einem Welpen und seiner Umwelt kommt es ständig zu einer Wechselwirkung. Basierend auf seinen genetisch fixierten und disponierten Anlagen reagiert er auf die unterschiedlichsten Umweltreize, macht dadurch Lernerfahrungen und passt sich so, übrigens auch ganz ohne einen menschlichen Einfluss, den unterschiedlichsten Lebenssituationen an.

Wie er wurde, was er ist
Wie bereits erwähnt, kommt der Welpe nicht als ein quasi leeres Blatt zu Ihnen, sondern er hat bereits eine ganze Reihe von aktiven und passiven Erfahrungen gemacht. Am ­wichtigsten ist natürlich erst einmal die Hunde­mama. Wo kommt sie her? Wie ist ihre ganz individuelle Persönlichkeit? In welcher Umgebung und vor allem unter welchen Umweltbedingungen hat sie die Zeit ihrer Trächtigkeit verbracht? Denn es macht schon einen riesengroßen Unterschied, ob sie – täglich mit qualitativ hoch­wertigem Futter ernährt – in der Obhut sozial kompetenter Hundehalter in einem Zuhause mit ausreichender Beschäftigung und Auslauf ihre Trächtigkeitsmonate verbringt oder, täglich um die wenigen Abfälle mit anderen konkurrierend, auf den Straßen von Bukarest versucht, hochschwanger, zu überleben.

Vorgeburtliche Einflüsse auf den Welpen in spe
Was man bei anderen Tierarten schon seit den 1950er Jahren weiß, nämlich dass bspw. Ratten von Rattenmüttern, die in der Trächtigkeit Stress ausgesetzt waren, auch als Erwachsene ängstlicher und weniger stressresistent sind, ist inzwischen auch beim Hund nachgewiesen: Die Verhaltensentwicklung beginnt bereits im Mutter­leib und hängt davon ab, welche Einflüsse die Hündin in der Zeit der Trächtigkeit erfährt. Dauerstress bei der Hundemama führt bereits in der Geborgenheit der Gebärmutter zu Veränderungen im Gehirn der Welpen. Jungtiere aus solchen Gegebenheiten kommen unsicher und mit weniger gut ausgebildeten Kompetenzen zur Welt, sie entwickeln keine wirkungsvollen Stressbewältigungsstrategien, ihre Lern- und Bindungsfähigkeit ist eingeschränkt und auf Außenreize reagieren sie oft unpassend, also entweder mit Ängstlichkeit und Rückzug oder mit unangemessener Aggressivität. Sie haben somit denkbar ungünstige Startbedingungen, die man nur mit viel Mühe, oft aber überhaupt nicht in richtige Bahnen lenken kann. Das so oft gehörte „der ist ja noch jung, da ist noch alles drin, wir haben ja noch die ganze Prägephase vor uns" stimmt mithin nur bedingt.

Stress beginnt im Mutterleib
Hat die Mutter in der ­Trächtigkeit Stress, wird das Stresshormon ­Kortisol aus ihrer Nebennierenrinde ausgeschüttet. Dieses Hormon ist plazenta­gängig, das heißt, es kann über den Mutterkuchen und den Nabelschnurkreislauf in den Welpen gelangen. Und dort hinterlässt es Spuren. Die Veränderungen in der Verhaltensentwicklung, die der ­Welpe vorgeburtlich erfährt, sind also nicht durch Lern­erfahrungen bedingt, ­sondern laufen auf hormoneller Ebene ab. Dies ­passiert vor allem im ­letzten Drittel der Trächtigkeit, die beim Hund ­normalerweise 63 Tage dauert. Die Folgen sind fatal!

Besonders tragisch sind in diesem Zusammenhang die Folgen für den Welpen, die sich direkt auf dessen Stresszentrum auswirken. Denn das Stresszentrum im Welpenhirn wächst mit seinen Aufgaben, sprich, je mehr Kortisol über die Mutter darauf einwirkt, desto größer und reaktiver wird es. Und das bleibt ein Hundeleben lang so.

Dieses Stresszentrum im Gehirn der Welpen hat wiederum direkte Ver­bindungen zur Produktion von Stresshormonen. Das wären zum einen das bereits erwähnte Kortisol aus der Nebennierenrinde und zum anderen die Stresshormone Adrenalin, das sogenannte Fluchthormon, und Noradrenalin, das sogenannte Kampfhormon, aus dem Nebennierenmark. Diese Stresshormonsysteme bleiben ein Hundeleben lang leichter und schneller erregbar als bei Hunden, die solchen vorgeburtlichen Einflüssen nicht ausgesetzt waren. Hunde mit solch einer Vorgeschichte reagieren also unter Umständen ihr Hundeleben lang viel heftiger auf kleinste ­Stressoren, die für einen anderen Hund nicht der Rede wert sind, wenn dieser solche vorgeburtlichen Ein­flüsse nicht hatte.

Anfälliger für Krankheiten
Die vorgeburtliche Stresshormon-Flut hat auch andere Auswirkungen: zum einen sind die Welpen weniger widerstandsfähig gegen ­Infektionen, weil Kortisol das Immunsystem unterdrückt. Zum anderen senkt es bei der Mutterhündin den Spiegel des Schwangerschaftshormons Progesteron, das für die Aufrechterhaltung einer Trächtigkeit notwendig ist. Die Folge ist, dass die Welpen im Mutter­leib schlechter versorgt werden. Tatsächlich findet man bei Welpen von dauergestressten Hündinnen oft geringere Geburtsgewichte, und die Kleinen schaffen auch nicht die Tagesgewichtszunahmen, die Welpen von stabilen und ungestressten Hündinnen erreichen.

Stress im Mutterleib hat auch Auswirkungen auf das sogenannte Bindungshormon Oxytocin. Dieser „hormonelle Sozialkleber" spielt überall dort eine Rolle, wo es um Bindungen geht, also bei der Hund-Hund-Bindung, der Mutter-Kind-Bindung oder eben auch der Mensch-Hund-Bindung. Denn Oxytocin wird benötigt, um die individuellen Eigenschaften des Bindungspartners zu erkennen. Man weiß, dass aufgrund des vorgeburtlichen Stresses der Mutter und bei einer in den ersten Lebenswochen der Welpen überforderten, weil unerfahrenen oder gestressten Mutter weniger Bindungsstellen, sogenannte Rezeptoren, für das Oxytocin im Welpen angelegt werden. Also hat der Zustand der Hundemama rund um den Geburtszeitpunkt und in den ersten Lebenswochen direkten Einfluss auf die Bindungsfähigkeit der Hunde. Das Oxytocin hat zugleich stressdämpfende Wirkungen, es ist also ein Gegenspieler der Stresshormone.

Den Hundecharakter akzeptieren
Wir sehen also, dass wir vieles nicht mehr ändern können, wenn der Hund erst auf der Welt ist. Darum ist es so wichtig, auf die Herkunft des Hundes Wert zu legen – oder, wenn man das nicht kann, sich darüber im Klaren zu sein, dass dieser Hund, der gerade bei uns eingezogen ist, jede Menge Altlasten im Gepäck hat, mit denen Mensch sich arrangieren muss.

Natürlich kann man an diesen Bau­stellen arbeiten, man muss es sogar, aber gewisse Dinge lassen sich eben nicht mehr ändern. Unserer Erfahrung nach nimmt man sehr viel Druck aus einem Mensch-Hund-Team, wenn man die Charaktereigenschaften eines Hundes akzeptiert – ohne sie als ­Ausrede zu verwenden! – und ­versteht, dass nicht aus jedem Hund der „Kumpelhund" wird, der einen in den größten Trubel der Stadt ­begleitet, Nerven wie Drahtseile hat, der sich im Tumult eines Hauptbahnhofs wohlfühlt, der Everybody’s ­Darling ist oder jeden Artgenossen toll findet.

Unter Hundepersönlichkeiten gibt es eine ebenso große Vielfalt wie unter menschlichen Charakteren. Wenn ich meinen Hund mit seinen Anlagen so nehme, wie er ist, und nicht auf Teufel komm raus versuche, ihn zu dem zu verbiegen, was ich gerne hätte, wird das Leben für Hund und Mensch in vielem leichter.

Die Entwicklungsphasen eines Hundes
Welche Einflüsse auf den ungeborenen Welpen einwirken, haben wir besprochen. Jetzt werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Entwicklungsphasen des Welpen, weil auch sie natürlich die spätere Persönlichkeit des Hundes beeinflussen.

Nach der Geburt: die neonatale Phase
Wie immer, beginnt es ganz harmlos. Diese Phase, die von der Geburt bis zum 14. Lebenstag dauert, nennt man die neonatale oder auch die Neugeborenen-Phase. Die kleinen Würmchen können anfangs nicht viel tun, außer zu wachsen, zu schlafen, zu saugen und auszuscheiden. Aber selbst das Ausscheiden von Kot und Harn funktioniert zunächst nur mit Hilfe der Mutter, die dazu die Anogenitalregion der Kleinen mit der Zunge stimulieren muss.

Die Zwerge sind auch noch nicht in der Lage, ihre Körpertemperatur allein zu regulieren, denn sie können erst ab der zweiten Lebenswoche zittern, um durch die Muskelkontrak­tionen ­Wärme zu bilden. Aber sie können bereits warm und kalt unterscheiden. Wenn sie versehentlich zu weit entfernt von der Mutter liegen und ­drohen auszukühlen, reicht ein ­genetisch fixierter Hilfeschrei, damit die Mutter kommt, um den Abtrünnigen wieder in den wärmenden Bereich zurückzutragen.

Bei den Welpen funktionieren aber bereits Geschmacksempfinden, Geruchs- und Tastsinn sowie natürlich die Bereiche im Gehirn, die für Atmung, Herzschlag und Gleichgewichtssinn zuständig sind. Außerdem zeigen sie schon Schmerzreaktionen und Schreckreaktionen auf laute Geräusche. Der Rest des Gehirns, des Körpers und des Nervensystems wächst und entwickelt sich. Im zentralen Nervensystem kommt es zur Bildung von Schutzhüllen (Myelinisierung) um die Nervenfasern. Dieser Prozess beginnt im Gehirn und setzt sich langsam nach hinten und unten fort. Das erklärt, warum die Motorik von Hundewelpen anfangs vorne ­besser funktioniert als hinten.

Erstes Lernen
Übrigens ist milder (!) Stress in dieser Phase vorteilhaft. Ein leicht frierender oder auch hungernder Welpe muss aktiv werden, um zum Beispiel sein Bedürfnis nach Wärme oder Nahrung zu befriedigen. Dabei bekommt er ganz nebenbei erstmals in seinem Leben Grundinformationen über das Prinzip des Lernens. Man könnte hier sogar von Clickertraining für Neugeborene sprechen: Der Welpe hat ein Bedürfnis, wird aktiv und bekommt für die richtige Problemlösung eine Belohnung in Form von Wärme oder Muttermilch. Außerdem fördert dieser milde Stress das Immunsystem und sorgt dafür, dass der Hund sein Leben lang mit Stress und verschiedenen Belastungen besser umgehen kann – eine wichtige Grundvoraussetzung für ein langes und zufriedenes Hunde­leben.

Die Übergangsphase: die dritte Lebenswoche
Die nächste Phase ist die soge­nannte Übergangsphase. Sie dauert nur eine Woche, nämlich vom 14. bis zum 21. Lebenstag. In dieser Zeit tritt der Welpe erstmals mit seiner Umwelt in Kontakt. Er öffnet die Augen und die Ohren, je nach Rasse zwischen dem 11. und 15. Tag. Visuelle und akustische Reize können allerdings erst ab der 3. Lebenswoche wirklich verarbeitet werden. Außerdem brechen nun die Milchzähne durch. Die vermehrte Bewegung trainiert weiterhin die Muskulatur und wird immer koordinierter. Außerdem sind die Kleinen jetzt auch endlich in der Lage, selbständig Kot und Harn abzusetzen.

Die Sozialisationsphase: die sensible Phase
Die Sozialisationsphase, die fließend in die sogenannte Juvenilphase übergeht, ist die entscheidende Phase im Hundeleben. Bis vor kurzem hat man sie in alle möglichen Unter­phasen unterteilt. Da aber diese Phasen in ihrer Dauer und Ausprägung sehr variabel sind und von der Rasse und dem Individuum abhängen, fasst man die Zeit zwischen der vierten Lebenswoche und der Pubertät etwa ab dem sechsten bis neunten Monat als ­Sozialisationsphase zusammen.

Zu Beginn dieser Phase nehmen die Neugier und die sozialen Beziehungen sowohl zu den Geschwistern als auch zu den menschlichen Mitbewohnern zu. Außerdem kommt es bis zur sechsten Lebenswoche immer noch zu Zellteilungen, also Wachstum im Hundehirn. Danach ist allerdings Schluss damit. Ab dann werden „nur noch" bestehende Nervenzellen weiter vernetzt und die Vernetzungen werden stabilisiert. Damit sind wir bei einem ganz entscheidenden Punkt angelangt: Nur Verknüpfungen, die benötigt werden, bleiben auch vorhanden. Alles, was nicht benötigt wird, weil die Reize fehlen, die es als Stimulus dafür braucht, wird in der Pubertät unwiderruflich abgebaut. Je mehr Umwelteindrücke der Hund also erfährt, desto mehr stabile Verknüpfungen entstehen, und desto leistungsfähiger sind nachher der Hund, sein Gehirn und sein Organismus. Hunde, die in dieser Phase die für sie und ihre Umwelt richtigen und wichtigen Reize präsentiert bekommen, können sich ihr Hundeleben lang besser auf Stress und wechselnde Lebensbedingungen einstellen. Zu diesen Reizen gehören zum Beispiel der Lebensraum des Hundes, Artgenossen, Menschen, Geräusche, Futter und vieles mehr.

Die Qualität und die Quantität der erfahrenen Umwelteindrücke bilden quasi ein Bezugssystem aus, das bei allen Entscheidungen, denen sich der Hund in seinem gesamten Leben stellen muss, herangezogen wird. Fehlen diese wichtigen Erfahrungen, kann sich das Gehirn nicht so entwickeln, wie es eigentlich sollte, und es kommt zu Mängeln, die nach der ­Pubertät nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Wenn Sie also zum Beispiel einen Hund aus Ostanatolien von der Straße haben, so hat ­dieser sicherlich wichtige Umweltreize ­seiner ehemaligen ­Heimat präsentiert bekommen, und sein Gehirn hat diese auch verarbeitet und die entsprechen­den dazugehörigen Verknüpfungen geschaffen. Aber das sind eben ganz andere Reize als die, mit denen ein junger Hund hier in unserer Zivilisation konfrontiert wird. Das führt dann oft zu Problemen für Hund und Halter, wenn dieser Hund nun plötzlich mit einer Großstadt und ihren Reizen konfrontiert wird.

Der Youngster also muss in ­seinem Verhaltensrepertoire dieses Bezugssystem für „Bekanntes und Gewohntes" anlegen können, um sich nachher seinen Lebensumständen anpassen und sich in verschiedensten ­Situationen angemessen verhalten zu können. Positive Lernerfahrungen, die besonders in dieser Zeitspanne enorm wichtig sind, vermitteln dem Welpen ein Gefühl von emotionaler Sicherheit und Kontrolle über die an ihn gestellte Anforderung und stärken dadurch sein Selbstvertrauen. Darum sollte der Hund gerade in dieser Zeit so viel positive Erfahrungen wie möglich machen, um das Risiko von eventuell später auftretendem unangemessenem Meideverhalten in alltäglichen Situationen so gering wie möglich zu halten. Alles in dieser Zeit Abgespeicherte, eben auch das negative, kann weitreichende Folgen für das spätere Verhalten des Hundes haben! Passen Sie also gut auf Ihr Hundchen auf und tragen Sie dafür Sorge, dass er keine negativen Erfahrungen macht, die er nicht bewältigen kann.

Fordern, aber nicht überfordern
Für Sie als Halter ist es wichtig, dass Sie den Welpen zwar früh fördern und fordern, ihn aber keinesfalls über­fordern! Wichtig für Ihren Hund ist es in dieser Zeit, dass er Reize ­präsentiert bekommt, die er aktiv aufsuchen kann, wenn er will, dass er aber nicht durch ein „Zuviel" überfordert wird. Denn heutzutage sieht man sehr viele überforderte Hunde – meist passiert das durch Unwissenheit des Besitzers, der es in der Regel optimal machen will und dabei über das Ziel hinaus schießt. Auch hier gilt: Die Dosis macht das Gift. Also ist „montags Haupt­bahnhof, dienstags Flughafen, mittwochs ­Fußgängerzone, donnerstags Hundeschule usw." eher nicht zielführend.

Lassen Sie Ihren Hund das Tempo bestimmen, mit dem er neue Reize kennenlernen möchte. Bieten Sie ihm verschiedene Geräusche, Dinge, ­Menschen, Bodenuntergründe, ­Futtersorten und Ähnliches an, aber überlassen Sie ihm die Geschwindigkeit der Kontaktaufnahme. Denn der Weg ist immer eine Zweibahnstraße zwischen Welpe und Umwelt: Der Welpe sucht Reize gezielt auf und formt dadurch seine Umwelt, und diese wiederum formt ihn oder besser sein Gehirn.

Ein Tipp zum Schluss. Wenn Sie Ihrem Welpen etwas wirklich Gutes tun wollen, dann heißt das Zauberwort: „Ruhe, Ruhe, Ruhe".

HINTERGRUND

Prä- und postnatale Einflüsse auf den Welpen

■ Umweltbedingungen während der Trächtigkeit

■ Stresshormonpegel während der Trächtigkeit

■ Das Stresshormon Kortisol ist ­plazentagängig

■ Viel Stress der Mutter während der Trächtigkeit beeinflusst nachhaltig die Stresstoleranz der Welpen

■ Welpen von ­überforderten, gestressten Müttern mit ­schlechtem Brutpflegeverhalten sind weniger bindungsbereit und werden selber „schlechte" Mütter.

Für die Entwicklung des Welpen ­relevante Lebensphasen

Man unterscheidet mehrere für die Entwicklung des Welpen wichtige Lebensphasen. Ihre Bedeutung wird im Artikel ausführlich erklärt.

1. pränatale Phase:
   
vor der Geburt

2. Neonatale Phase:
   
Von der Geburt bis zum 14. Tag

3. Übergangsphase:
   
dritte Lebenswoche

4. Sozialisationsphase:
   
vierte Lebenswoche bis zur Pubertät (= 6. bis 9. Monat)

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