Ein Wildfang aus dem Tierheim

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Nach drei tristen „hundelosen“ Monaten – unseren über alles geliebten Labradormischling Barnie mussten wir im November 2001 mit erst sieben Jahren schweren Herzens einschläfern lassen –, machten wir uns auf den Weg ins Kremser Tierheim. Auch Barnie hatten wir seinerzeit von dort geholt. Wir wollten eigentlich einfach einmal nur „schauen“ … Meine Familie und ich hatten keine Vorstellungen von Aussehen oder Charakter des geplanten neuen „Zuwachses“, außer dass es ein „handliches“ Weibchen sein sollte. Die nette Dame, die uns durchs Tierheim führte, meinte angesichts der gerade von einem Spaziergang zurück kommenden Hündin Winnie, „Ah ja, eine haben wir noch“.

Naturbelassener Wildfang
Winnie, eine 12 Monate alte ungestüme, kläffende, semmelfarbene Terriermischlingshündin, schwarze Schnauze mit Bart, stürmte ins Büro des Tierheims. Das bisschen Erziehung, das sie in ihrem Leben genießen durfte, erhielt sie durch die Pfleger im Tierheim Krems. Somit traf der Begriff „naturbelassen“ fast vollständig auf diesen Wildfang zu. Das Ergebnis: Vom ursprünglich geplanten „Nur mal schauen“-Besuch des Tierheims kamen wir mit Winnie zurück nach Hause.
Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit war natürlich Hundeschule angesagt. Obwohl ich in Hundeerziehung viel Erfahrung habe, brachte mich Winnie fallweise zur Verzweiflung. Anfangs gestalteten sich die Kurse zu einem Horrortrip. Wir betraten den Hundeplatz, und Winnie zerrte an der Leine und kläffte, bis wir wieder hinausgingen. Sie wollte nur mit allen anderen Hunden in der Gruppe spielen, aber nicht Folgsamkeit lernen.

Es war nicht leicht
Trotz ihrer langen Spaziergänge und häufigen Spielstunden mit anderen Hunden, die sie nach wie vor genießt, auch unmittelbar vor den Kursen, wurde es mit der Folgsamkeit nur sehr langsam besser, und auch das Kläffen ließ nur sehr langsam nach. Die ausgeprägte Selbständigkeit der Hündin und ihre gewisse „Terriersturheit“ machte mir das „Abrichteleben“ schwer. Äußerste Geduld war von Nöten. Ich musste alle Register meiner Erfahrung in Hundeerziehung ziehen – und selbst das war nicht immer ausreichend. Viele Ratschläge der Hundetrainer und anderer Hundebesitzer nahm ich zusätzlich dankend an.
Trotz immer wiederkehrender Rückschläge zeichneten sich durch Konsequenz und Durchhaltevermögen langsam die ersten kleinen Erfolge ab. Wir entwickelten uns nach und nach zu einem tollen Team.

Es geht „um die Wurst“
Natürlich hatte auch ich mit eigenen Schwächen zu kämpfen, da ich einem treuherzigen Hundeblick kaum widerstehen und deshalb nicht böse sein kann. Zu Hause hat Winnie fast Narrenfreiheit und ständiges „Nachsehen“ ihrer Familie, da sie ja ein „armer Tierheimhund“ und so ganz besonders lieb ist. Auch ihre bestechende Art, alle Familienmitglieder überschwänglich und „grinsend“ (durch die hochgezogene Oberlippe kann man die kleinen Vorderzähne sehen – ein Ausdruck heller Freude) zu begrüßen, lässt uns immer wieder dahinschmelzen.
Nach 2 Semestern Hundeschule und ständigen, kurzen Übungseinheiten auch während der Spaziergänge, kam der Tag der Begleithundeprüfung I, die wir bestehen sollten. Winnie wusste anscheinend, dass es nun „um die Wurst“ ging. Sie absolvierte alle Übungen mit Bravour und erhielt die Prüfungsnote „vorzüglich“. Beim dazugehörenden Turnier errang sie von 19 Teilnehmern den ersten Platz. Unsere Freude war riesengroß, jetzt einen nachgewiesenermaßen gut erzogenen „geprüften Begleithund“ zu haben.

Winnie, der Sofarutscher
Winnie selbst ist ihr Erfolg nicht wichtig. Wir, ihre neue Menschenfamilie, kümmerten uns vor der Prüfung genauso liebevoll um sie, wie auch jetzt. Genau so bequem wie vor der Prüfung liegt sie auch jetzt auf der Couch. Genau so sehr wie vor der Prüfung liebt sie ihr spezieller Hundefreund Onyx auch jetzt. Aber: Das Zusammenleben von Hund und Mensch gestaltet sich jetzt wesentlich einfacher, ausgeglichener und somit eindeutig schöner als vorher. Und mittlerweile verstehen wir uns auch ohne Worte. Bis zum Beginn des nächsten Hundeschulkurses hat Winnie nun eine wohlverdiente Pause. Ob sie sich freuen würde, wenn sie wüsste, dass wir beide demnächst einen Agility-Kurs belegen werden?

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