Ein Yorky auf Reisen

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An einem schönen Sommernachmittag des Jahres 2000, als ich gerade durch die Wiener Innenstadt spazierte, kam mir in den Sinn, dass ich schon längere Zeit nicht mehr auf Urlaub gewesen bin. Diesen pflege ich immer gemeinsam mit meinem inzwischen 5 Jahre alten Yorkshire Terrier namens „Tommy“ zu verbringen. Schließlich muss ich ihn berufsbedingt oft genug in der Obhut meiner Eltern lassen.

Diesmal Kanaren statt Österreich
Zum x-ten Mal auf Wanderurlaub in die schöne Bergwelt Österreichs zu fahren hatte ich diesmal keine Lust. Wie von unsichtbarer Hand geleitet, stand ich plötzlich vor einem Reisebüro. „Fragen kostet nichts“ dachte ich mir beim Betreten und verließ bald darauf mit einem Arm voll Prospekte mit Reisezielen im Mittelmeerraum und auf den Kanarischen Inseln das Büro. Zu Hause angekommen, begann die Suche nach einem geeigneten Reiseziel, wobei sich bald Gran Canaria herauskristallisierte. Mein Hund betrachtete mich argwöhnisch, als ich anfing hektische Telefonate mit seiner Tierärztin, der Spanischen Botschaft, dem ausgesuchten Reiseveranstalter, der Fluglinie und dem Hotel zu führen. Damals ahnte Tommy noch nicht, was ihm bevorstand, und dass wir die Berge Österreichs bald gegen jene von Gran Canaria tauschen würden. Eine Vorahnung hatte er wohl, als wir den Tierarzttermin um einen Monat vorverlegten, weil sonst die Tollwutimpfung während des Auslandsaufenthaltes ihre Gültigkeit verloren hätte, ich mir von meiner Tierärztin eine Notfallapotheke zusammenstellen ließ und wir ein paar Tage darauf beim Amtstierarzt für ein amtliches Gesundheitszeugnis vorstellig wurden.

Bei Lauda Air in der Kabine
Parallel dazu wurden diverse Reisevorbereitungen getroffen, unter anderem sicher gestellt, dass im Hotel die Mitnahme eines Hundes erlaubt ist (schriftliche Bestätigung) – was gerade im Ausland nicht so selbstverständlich ist, wie wir das in unseren Breitengraden gewohnt sind. Natürlich wurde auch die Mitnahmeerlaubnis in den Passagierraum des Flugzeugs eingeholt. Wir buchten bei der Lauda-Air, welche uns per Charterflug in fünf Stunden nach Gran Canaria bringen sollte. Glücklicherweise wiegt Tommy inklusive Hundetasche weniger als 8kg, wodurch er als „pet in cabin“ (Mitnahme in der Kabine) eingebucht wurde.

Vorübungen
Tommy ist alles andere als ein possierlicher Schoßhund und er kann manchmal auch recht stur sein. Deshalb war es wichtig sicherzustellen, dass er in der angekauften Hundetasche während des Fluges auch sitzen bleiben würde. Somit wurde er wochenlang immer wieder zu langweiligen Sitzübungen in seiner Hundetasche verdonnert.
Nach Besuch des Amtstierarztes überschlugen sich die Ereignisse: Nun wurden die Koffer gepackt, die Reisedokumente sortiert, das Taxi bestellt und die Blumen in der Wohnung versorgt. Am Reisetag selbst ist Tommy seine Vorliebe für Würste aller Art zum Verhängnis geworden, denn in seiner Gier bemerkte er die in dem Wurstzipfel versteckte Beruhigungstablette nicht. Vom Einchecken am Flughafen bekam er deshalb nicht mehr viel mit. Er trabte gleichgültig hinter seinem Frauerl hinterdrein, rollte sich dann bei nächster Gelegenheit ein, schlug die Pfoten über dem Kopf zusammen und dachte sich wahrscheinlich „Das darf doch alles nicht wahr sein!“.

Jetzt geht’s los
Unser Flug wurde bald aufgerufen und als wir zum Boardingschalter gingen, hörte ich im Vorübergehen andere Reisende sagen: „Schau, da fliegt ein Hund in den Urlaub – unser armer Wastl muss zu Hause bleiben“. Vielleicht wurde ihm da bewusst, dass er ein privilegierter Vierbeiner ist – schließlich wird pro Flugzeug nur ein Hund mitgenommen. In der Maschine wurden wir bereits von den freundlichen Stewardessen begrüßt und nahmen Platz – Tommy in seiner Hundetasche und wir auf den reservierten Sitzplätzen. Vom Flug selbst  bekam mein Hund nicht viel mit, denn es überkam ihn eine immer stärker werdende Müdigkeit, gegen die anzukämpfen es sich nicht lohnte. Bei der Ankunft war Tommy immer noch ziemlich schläfrig.

Nicht vor Touristen…
Beim Verlassen des Flughafens überkam ihn dann schon ein etwas dringendes Bedürfnis seitens seiner Blase. Im angeschlossenen Busterminal, wo die Touristenbusse auf die ankommenden Urlauber zu warten pflegen, befanden sich einige dicke Säulen, die sich für Rüden normalerweise anbieten, benetzt zu werden. Auf Grund der ungewohnten Umgebung und der Tatsache, dass ihn eine ganze Reisegruppe dabei beobachtete, wurde er etwas verlegen.

Chef der Promenade
Nach einer Stunde Transfer erreichten wir das Hotel, wo wir freundlich willkommen geheißen wurden. Im Zimmer machten wir es uns gleich gemütlich und vom Balkon aus konnte Tommy das erste Mal in seinem Leben das Meer sehen. Die traumhafte Hotelanlage konnte mein Hund leider nur von oben bewundern, denn betreten durfte er sie nicht. So verließ er das Hotel nur zum Gassi-Gehen, wo ihm eine recht passable Promenade zur Verfügung stand und er sich bald wie zu Hause fühlte. Es gab dort keine Hunde, die ihm das neue Revier streitig machen konnten und so war er der Chef – der Chef der Promenade.
Die ersten zwei Tage des insgesamt 14 Tage dauernden Urlaubs war Tommy allerdings nicht wohl zumute: Erstens war ihm viel zu heiß, zweitens musste er sich erst mit der noch ungewohnten Umgebung auseinandersetzen und drittens war ja auch sein Frauerl nicht so oft bei ihm, wie er es sonst im Urlaub von ihr gewohnt ist. Seine „Zweibeiner“ gingen natürlich auch ihren Hobbys nach und hielten sich in der wunderschönen Poollandschaft und am Meer auf, ließen ihn aber nie längere Zeit allein. Er vertrieb sich  – im glücklicherweise klimatisierten Zimmer – die Zeit des Alleinseins in erster Linie, indem er viel schlief und bei Bedarf das sich dem Zimmer nähernde Hauspersonal verbellte.

Wassernachschub für Yorky
Da das Leitungswasser im Hotel leicht salzhältig war, musste ich literweise Mineralwasser ohne Kohlensäure aus dem nahegelegenen Supermarkt heranschleppen. Ich schmuggelte es mit großer Kunst an der Rezeption vorbei in unser Zimmer. Tommy hatte einen großen Durst und kein Mitleid für sein Frauerl. Warum fährt sie auch mit ihrem Hund ausgerechnet in ein Land mit chronischer Wasserknappheit?!
Nach ein paar Tagen normalisierte sich das Leben des ungewöhnlichen Trios und auch Tommy fing langsam an, das Intermezzo auf dieser spanischen Insel zu genießen. Wir mieteten für einige Tage ein Auto, mit dem wir bequem die Insel entdeckten. Wir fuhren nicht nur um die ganze Insel, sondern auch ins landschaftlich interessante Landesinnere. Diese Tage genoss mein Hund ganz besonders, konnte er doch wieder etwas Neues entdecken, neue Eindrücke sammeln und den ganzen Tag seine menschlichen Begleiter bei sich haben. Wir genossen auch die verbleibenden Tage, ehe wir wieder die Koffer packen mussten und den Rückflug antraten, welcher auch ohne Probleme verlief.

Schöner ist’s gemeinsam
Wieder daheim angelangt, kann ich nur festhalten, dass es sicher einfacher für uns gewesen wäre, meinen Hund zu Hause zu lassen. Aber ich bin mir sicher, dass ich den Urlaub ohne seine Anwesenheit gewiss nicht in dem Maße genossen hätte als es der Fall war, hängen wir alle doch sehr aneinander.

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