Eine Liebeserklärung an Molly

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Du bist schon viele Monate in unserer Familie, dazu gehören auch vier Zweibeiner, zwei Wuffis und zwei Katzen. Du hast unser Leben umgekrempelt und du bist wirklich anders, anders als meine bisherigen Hunde, du bist einfach Molly!

Die Entscheidung einen Hund zu holen, von dem man nichts weiß, von dem man nur ein paar Fotos im Internet sieht, wird von vielen belächelt. Ich habe das Risiko schon zum 3. Mal auf mich genommen (einen Tierheimhund, und meine beiden anderen Hunde sind aus dem Ausland) und mir einfach gesagt, das schaffe ich wieder. Wir wussten nur, du bist lieb, geduldig, magst Hühner und kleine Hunde, auch Kinder findest du ganz nett. Und dass du für einen Greyhound schon ein stolzes Alter hast, nämlich 8 Jahre. Viele deiner Gefährten sind nicht mehr, die haben die Chance gar nicht gehabt, so alt zu werden.

Für diese Beschreibung deines Wesens und die vorhandenen Fotos sind wir dann nach Deutschland gefahren und haben dich nach deiner langen Reise von Irland in Köln abgeholt. Es war schon rührend dich das erste Mal zu sehen und zu wissen, das ist unsere Molly, sie darf den Rest ihres Lebens bei uns verbringen und es in vollen Zügen genießen.

Zu Hause angekommen, die Tage vergehen wie im Flug und du hast viel zu lernen. Du hast verstanden, dass du nicht alles markieren musst, du hast ein eigenes Bettchen nur für dich, du musst es nicht teilen. Du hast auch einen eigenen Hundenapf, der 2x am Tag gefüllt wird, um deinen Riesenhunger zu stillen, und du musst ihn nicht verteidigen, die anderen zwei Hundedamen haben nämlich auch jede einen. Das Spazierengehen hat dir am Anfang überhaupt keinen Spaß gemacht, raus beim Gartentor hast du dich mit allen Vieren dagegengestemmt, um mir zu sagen: ich will hier nicht weg, wer weiß, ob ich wieder heimkomme. So haben wir dann für einen 20-Minuten-Spaziergang fast eine Stunde gebraucht. Doch auch diese Hürde haben wir gemeistert und jetzt liebst du es, du siehst die Leine und wedelst aufgeregt, weil du weißt, es ist ja so toll draußen zu schnüffeln und Neues zu entdecken. Aber wen wundert’s, dieses Gefühl hattest du bestimmt noch nie. Du hast auch bestimmt das erste Mal Schnee gesehen und unter deinen Pfoten gespürt. Es hat dich nicht gestört, selbst der Kurzurlaub in den Salzburger Bergen hat dir gefallen, Toben mit Ajka im hohen Schnee und endlich Hund sein dürfen. Bei einem quer liegender Baumstamm verlierst du völlig die Fassung, denn du hast nie gelernt wie es ist die Natur unter deinen langen Beinen zu spüren und über Hinternisse auf ­Feldern oder in Wäldern zu springen. Doch jetzt schaffst du es, wir haben es immer wieder mit gutem Zureden versucht, und plötzlich hast du es verstanden. Und Stiegensteigen ist wie Hindernisse überwinden, nur dass sich das mehrmals wiederholt, daher sagst du gleich im vorhinein, da müsst ihr mich rauf- oder runtertragen, das mache ich nicht mit. Aber kein Problem, du bist so leicht, dass auch ich dich tragen kann.

In der Zwischenzeit haben wir auch erfahren, dass du mehr als 80 Rennen laufen musstest, und weil du so gut warst und so viel gewonnen hast, musstest du auch ein paar Greyhound-Babys auf die Welt bringen. Da war ich doch sehr traurig! Nicht, dass ich das nicht schon vorher gewusst habe, weil ich dann doch überlegt hätte dich nicht zu mir zu holen, NEIN, es tat mir soooo weh, dass man dir das alles angetan hat, und dass ich es sein darf, die dir noch ein schönes Leben ermöglicht, dass du hoffentlich den Schrecken in Irland vergisst und wir dir die Liebe geben können, die du die letzten acht Jahre nicht erhalten hast. Das war es, was mich so traurig aber auch wütend gemacht hat. Was tut man euch an, warum sind Menschen so grausam?
Auch ich habe einiges gelernt seit du bei mir bist: Greyhounds sind wirklich anders! Du bist sensibel und vergötterst deinen Menschen. Hat man dein Vertrauen gewonnen, so weichst du nicht mehr von meiner Seite. Dein Blick und dein Verhalten drückt volle Hingabe für deinen Menschen aus. Du beruhigst auch meine Seele, denn ich brauche Geduld und keine harten, scharfen Worte, um dir etwas beizubringen. Du bist so ruhig, wanderst durchs Haus oder beim Spazieren hinter mir her und ich merke fast nicht, dass du da bist. Du bist anders und hast es verdient, dass man dich auch so behandelt. Einen großen Nachteil hast du aber auch: wenn mein Spitz Mimi eines Tages nicht mehr sein sollte, muss ich mir eine Alarmanlage zulegen, weil du nämlich jeden freundlich begrüßt und zum Bellen bist du einfach zu bequem. Was mir noch sehr gefällt, dass du im Winter immer korrekt gekleidet bist, denn du brauchst einen Mantel, den du dir ohne Probleme anziehen lässt, du verlangst fast danach, so brav lässt du dir das warme Teil über den Kopf streifen. Praktisch sind auch deine langen Beine! Meine beiden anderen Hunde sind viel kleiner und dadurch nach dem Spazieren im Regen immer am Bauch nass, bei dir, liebe Molly, ist nicht einmal ein Tröpfchen am Bauch und die Pfoten lässt du dir ohne Probleme abwischen, denn du hast Geduld ohne Ende. Das zeigt sich auch beim Zubereiten deines Abendessens, du würdest eine Stunde auch hinter mir stehen und mir zusehen, wie ich deine leckere Mahlzeit mache. Der Spitz Mimi hat sich inzwischen schon 10x im Kreis gedreht und vor Freude gebellt, du behältst Contenance und wartest friedlich. Im Haus willst du nur chillen, man merkt gar nicht, dass du da bist.

Wenn ich zurückdenke, wie schüchtern und ängstlich du am Anfang warst. Du hast dich so verändert, bist richtig lebendig geworden und tobst auf der Hundewiese mit allen Hunden. Ist gerade kein Spielgefährte da, dann drehst du auch 2–3 Runden im Vollgas alleine, um deine neue gewonnene Freiheit und Lebensfreude zu zeigen.

Die Katzen, die auch bei uns leben, sind kein Jagdobjekt mehr für dich. Nach bereits 4 Monaten hast du gelernt, dass sie dazu gehören und nicht gejagt werden dürfen. Sie laufen dir schon mutig vor der Nase vorbei, als wärst du schon immer da. Das nenne ich schon ein Wunder: beim Einzug wurden sie mit fletschenden Zähnen von dir angeknurrt, echt toll, was du in deinem Alter noch alles gelernt hast.

Ich denke so oft an deine Hundefreunde in Irland und auch daran, was aus deinen Babys geworden ist. Sie hatten vielleicht nicht so ein Glück wie du und fristen ein schreckliches Schicksal.

Ich habe mich seit deiner Ankunft bei uns immer mehr mit der Thematik befasst und Grausames erfahren:
Die Greyhounds haben in Irland den Status eines Nutztieres – bringt es die (Geld-)Leistung nicht mehr, die gefordert wird, ist es nutzlos, d.h. der sichere Tod wartet! Diese Hunde dürfen nie in einer Familie leben, sie hausen in Käfigen, verbringen in diesen bis zu 22 Stunden am Tag und müssen dort auch ihr Geschäft erledigen. Sie werden nur für Training oder Rennen aus diesen Gefängnissen geholt, nie erfahren sie Liebe und Zuneigung! Es gibt keine Tierheime wie in Österreich oder Deutschland, der Hund wird in der Tötungsstation entsorgt und innerhalb von 48 Stunden eingeschläfert. Bei den Wettrennen verletzte Hunde werden meist an Ort und Stelle getötet, Zeit ist Geld! So werden viele Greyhounds nur zwischen 3­­–4 Jahre alt, wenn sie für die Rennen nichts taugen, werden sie schon viel früher entsorgt. Schaffen es die Rennhunde ohne schwere Verletzung zu überleben, werden sie nach den Qualen der Rennindustrie auch noch nach Asien (China, Vietnam) geflogen, um auch dort noch einmal ausgebeutet zu werden oder im Kochtopf zu landen. Sie werden nur für die Geldgier des Menschen gezüchtet, Liebe und Geborgenheit hat hier nichts verloren.

Meine Mollymaus, ich verspreche dir ein Leben in Sicherheit mit vielen Streicheleinheiten und langen Spaziergängen. Alle Greyhounds haben es verdient, dass wir sie schützen und ihr zauberhaftes Wesen schätzen.
http://www.greyhoundforever.at

Pdf zu diesem Artikel: tierschutz_molly

 

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