Eine ungewöhnliche Freundschaft: Hund & Waschbär

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Als Melanie Freier mit der kleinen unterernährten Waschbärdame, um deren Leben sie mit dem Förster streiten musste, nach Hause zu ihrem Hund kam, begann zwischen den beiden Tieren eine unglaubliche Freundschaft.

„Was habe ich da jetzt nur wieder gemacht?“ – das ist mein erster Gedanke, als ich mit der kleinen Waschbär­dame, um deren Leben ich mit unserem ­Förster streiten musste, zu mir in die Wohnung komme und mein Hund Spike, ein American Staffordshire ­Terrier, mich freudig begrüßt. Doch die Begrüßung des pelzigen „Mitbringsels“ fällt erstmal aus, denn ich habe noch überhaupt keine Ahnung, wo ich die kleine Dame unterbringen soll.

So kommt sie zuerst einmal in mein Badezimmer, sodass ich schnell den Spike zum Gassi ausführen kann. Danach organisiere ich in nur 15 Minuten für das Waschbärchen eine kleine Bleibe, einen Hasenkäfig, und Futter. Dass der Spike an diesem Tag ein wenig zurückstecken muss, nimmt er mir kein Stück übel – riecht es doch im Badezimmer viel zu ­interessant und aufregend.

Zuerst muss ich die Dame allerdings zum Tierarzt bringen, einen kleinen Gesundheits-Check machen, bevor sie dann für genau 2 Monate bei uns einzieht. Zuerst sieht es aber gar nicht gut für sie aus. Ihre Körpertemperatur ist 2 Grad unter der Normaltemperatur und unterernährt ist sie dazu auch noch. Also muss sie erst einmal auf­gepäppelt und gestärkt werden, bevor sie entwurmt werden kann.

Die erste Woche vergeht, und die Dame wird immer aktiver. Zu einer Begegnung mit Spike ist es noch nicht gekommen. Das Badezimmer reicht der Waschbärdame aber schon bald nicht mehr aus. Meine ­Bedenken liegen nun bei Spike. Wird er sie als Freund oder Feind, oder gar als ­Mahlzeit ansehen?

Erste Begegnung von Hund und Waschbär

Zusammengeführt werden also beide zunächst mit Maulkorb, und siehe da, ein Spike, der Hund, der Katzen nicht leiden kann, freut sich über ­dieses ­kleine Fellbündel und leckt es ab. Oder ist es doch nur Vorkosten? Nein! Schon am selben Abend nehme ich die kleine Dame, sie heißt übrigens Hope (da ich die Hoffnung, sie am Leben zu erhalten, nicht aufgegeben habe), mit zum letzten Gassigang. Da sie mir dann aber auf dem Arm zu anstrengend wird, setze ich sie ins Feld ab, um zu schauen, wie sie sich dort verhält. Ich bin baff; mein Hund ist so lieb und so fasziniert von der kleinen Hope wie ich über die ganze Situation.

Da steh’ ich mit meinem sogenannten Kampfhund und einem Waschbär­baby im Feld und gehe Gassi. Hope folgt uns, wie es für ein Wildtier überlebenswichtig ist, bloß nicht ­verloren gehen. Die Tage und Spaziergänge werden immer ­schöner. Hope und Spike laufen wie ein ­Pärchen nebeneinander, manchmal tritt er sogar auf sie drauf, woraufhin sie meist in seinen Fuß beißt. Doch lässt er sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen, obwohl die kleinen Wasch­bärzähnchen unheimlich scharf sind.

Eingespieltes Team
Zuhause sind die beiden ein eingespieltes Team darin, meine Wohnung auf den Kopf zu stellen. Hope wühlt mit Vorliebe in meinen Pflanzen, während Spike sie auf hündische Art zum Spielen animieren will. Es ist einfach herrlich, und meist sind die beiden danach so müde, dass sie auch mal zusammen auf dem Sofa einschlafen. Ich wusste bisher nicht, wie zärtlich mein Hund sein kann. Im Spiel mit Hope setzt er wie immer gern sein Maul ein, dies aber so ­vorsichtig, dass sie auch schon mal ihren Kopf reinsteckt und seinen Speichel ableckt.

Ich darf Hope in meine Arbeit mitnehmen, die Transportbox von Spike dient dazu als Ruheplatz. Kommen die Waschbärdame und ich nach Hause, wird Hope freudig begrüßt, während sie als Erstes nur seinen Napf im Sinn hat, sind da doch immer so leckere Sachen drin. Am meisten mag sie frisches Huhn, und da ich Spike nach BARF füttere, habe ich auch immer frische leckere neue Mahlzeiten im Haus.

Mit anderen Waschbären in großem Tierpark-Gehege
Zwei Monate begleitet Hope uns durchs Leben, sie vergehen einfach zu schnell. Dennoch – einen Waschbären als Haustier zu halten, halte ich weder sinnvoll für das Tier – es wäre einfach nicht artgerecht – noch für die Wohnungseinrichtung. Ich habe mir schon zu Anfang, als ich sie zum Aufpäppeln zu mir nahm, Gedanken gemacht, wo Hope ihr weiteres Lebens verbringen soll, und mich für einen Tierpark, den Tierpark Edersee, entschlossen.

Der Tag des Abschieds fällt mir sehr schwer. Hope fehlt mir nun jeden Tag. Dass es aber Spike derart ­mitnimmt, hätte ich nicht gedacht. Er schaut immer wieder im Badezimmer nach, ob sie vielleicht doch noch da ist.
Man hat das Gefühl, er erwartet, dass sie vielleicht gleich aus der ­nächsten Ecke geschossen kommt und ihn ­spielend angreift. Als ich den nun nicht mehr benötigten Käfig endgültig sauber mache, steht Spike ­daneben, horcht angestrengt und schaut immer wieder in den Käfig, ob sich nicht doch vielleicht etwas bewegt oder quietscht. Mittlerweile hat er es ganz gut verkraftet und genießt ­wieder die volle Aufmerksamkeit ­seines Frauchens, die er vorher mit der Waschbärdame teilen ­musste. ­Diese hingegen hat sich perfekt an das Leben unter freiem Himmel angepasst und tollt jetzt mit anderen Waschbären durch ein großzügiges Gehege im Tierpark Edersee.

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