Einkaufen geh’ ich nicht mehr …

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Ich gehe nicht mehr einkaufen, das habe ich nicht mehr nötig. Wozu dieses teure Zeug kaufen, ein Lebensmittelskandal jagt den anderen, und bezahlen sollen wir auch noch dafür. Nicht nur das Geld liegt auf der Straße, sondern auch das, was ich zum täglichen Leben brauche. Meine Hunde bringen es mir … Meine Hündin Sunny hat mich vor ein paar Wochen auf diese Idee gebracht. Sie kam mit einem völlig unversehrten Krapfen aus dem Gebüsch, den sie mir brav vor die Füße legte. Super, dachte ich, geht das wieder los. Die Leute schmeißen ihren gesamten Hausmüll in den Wald, und meine Hunde muss ich schimpfen, wenn sie die so verführerischen Leckerbissen doch mal verspeisen.

Eine Frau kam uns entgegen, in der Hand eine leere Plastiktüte (Was da wohl drin war – und wo es jetzt ist?). „Sie nehmen die Häufchen ihrer Hunde aber schon mit nach Hause …?“ meckerte sie, als sie meiner Hunde ansichtig wurde. Noch mit dem Krapfen in der Hand antwortete ich freundlich „Natürlich, ich habe immer meine Tütchen dabei“.

„Lebensmittel-Rettungshunde“ …
Ein paar Meter weiter entdeckte meine Colliehündin Queen eine halbe Packung noch sauber verpackte Schoko-Muffins. Wie sie es immer macht, wenn sie etwas findet, wälzte sie sich erstmal drin und nahm die Farbe eines Tricolor-Collies an. Die Muffins waren also für mich verloren. Mist, hätten die doch so wunderbar zu dem Krapfen von Sunny gepasst, und mein Kaffeebesuch heute Nachmittag hätte etwas mehr Auswahl gehabt.

Eine Mutter mit Kinderwagen begegnete uns. Sie sah angewidert meine Hunde an „… und dann haben wir wieder überall die Hundehaufen rum liegen“, murmelte ihr rot geschminkter, appetitlicher Mund.

Gedacht getan, fing ich nun an, diese auf so schreckliche Weise entsorgten Lebensmittel als meine Chance zu sehen. Das ewige Gejammer „Euro ist Teuro“ ist seit diesen Tagen für mich erledigt. Ab sofort ging ich mit offenen Augen durch die Landschaft. Inzwischen zu effektiven „Lebensmittel-Rettungshunden“ ausgebildet, wurden meine Hunde immer sehr bald fündig. Bei Queen war das Schwierigste an der Ausbildung ihr beizubringen, dass sie sich nicht in den Lebensmitteln wälzen darf. Mein einziger „Fressfeind“ war mein Collierüde Juno, er hielt nicht viel von Teilen und dachte meistens, dass das alles nur für ihn rum liegt.

Eines Morgens brachte mir Sunny eine prall gefüllte Papiertüte. Ich traute meinen Augen nicht, zwei knusprige Leberkässemmeln, eine war zwar angebissen, doch mein Frühstück stand schon mal fest. „Braves Hundi …“, im Tausch dafür kassiert Sunny ein Leckerchen. Queen sollte natürlich auch nicht leer ausgehen, und ich schickte sie auf Suche. Es dauerte auch nicht lange, als sie, stolz wie Oskar, mit einem runden, weißen Päck-chen aus dem Wald kam. Entsetzt nahm ich zur Kenntnis, dass es sich hierbei um eine gut gefüllte Babywindel handelte. Nur gut, dass ich ihr beigebracht hatte, sich nicht mehr zu wälzen. Ich musste an die rot belippte Mutter mit Kinderwagen denken „ … und dann haben wir wieder überall die Windeln rum liegen“? Zu Queens Rehabilitation muss ich sagen, dass sie später noch das Abendessen in Form eines halben Cheeseburgers und Pommes besorgte, die Cola war leider schon leer.

„Sie achten aber schon auf …?“
Vor vierzehn Tagen war „Mediterrane Woche“. Sunny und Queen fanden Fladenbrot, noch ganz gut verwertbare Lammknochen, ein leider schon angebrochenes Glas Oliven und ein halbes Hähnchen. Nachmittags zum Kaffee die süße Brioche, die meine Mädels in Gemeinschaftsarbeit unter einem Baum gefunden hatten. Inzwischen hatten wir auch das Auffinden von Getränken trainiert, es gab heute noch Pfirsicheistee. Wir trafen einen Mann im Wald, ein leerer Korb baumelte an seinem Arm „… sie achten aber schon auf die Hinterlassenschaften ihrer Hunde“ tat er sich wichtig. „Selbstverständlich achte ich darauf“ sagte ich „… und nicht nur auf die!“ fügte ich mit einem verschmitzten Blick auf meine schon gut bestückte Leinentasche hinzu.

Die letzte Woche war nicht so gut, es hat geregnet. Regentage sind keine guten Tage, irgendwie gehen die Leute da nicht raus, um ihren Müll in den Wald zu werfen. So musste ich mich den ganzen Vormittag mit einer fast leeren Packung Butterkeks und ein paar Scheiben Weißbrot begnügen. Eine Frau kam uns beim Spaziergang entgegen, einen großen Eimer in der Hand. Sollte sich mein Schicksal für heute doch noch zum Guten wenden? „SIE HALLO – nehmen Sie mal ihre Hunde an die Leine, die machen überall ihre Haufen hin!“, rief sie mir schon von weitem zu, während sie die Speisereste aus dem Eimer in die Wiese kippte. Hmm, Schweinsbratenrest, ein paar Kartoffeln, Salat mit Dressing und Milchreis, fein, hatte ich schon lange nicht mehr, und ganz frisch!

Gestern war wieder ein sehr guter Tag. Ein halbes Baguette, leider ohne Butter, und zu Mittag gab es die Suppenknochen, sogar mit Fleisch dran, die Sunny aus dem Graben gefischt hatte. Eine fast komplette Packung Spritzgebäck und zum wiederholten Male Muffins. Irgendwo in unserer Siedlung muss ein gnadenloser Muffins-Mörder unterwegs sein. Queen schleppte dann noch einen Karton mit einer halben Pizza und eine Schale mit Salatresten an, die ich mir aber für heute aufgehoben habe. Leider hat sie keinen Rotwein dazu gefunden. Juno hat mir wieder zwei Scheiben Brot vor der Nase weggeschnappt, aber was soll’s, ich muss halt besser aufpassen.

Mehrere Frauen mit Kindern kamen uns entgegen. Die Kinder lutschten Bonbons und Schokoriegel mit Papier unten dran, dass die Fingerchen nicht schmutzig werden. Die Mütter hatten in Servietten eingewickelte Leberkässemmeln in der Hand. Ich getraute mich, sie anzusprechen: „Sie passen aber schon auf, dass das Papier nicht auf der Straße landet?“ – und schließlich noch eine Frage: „Essen Sie die Leberkässemmel ganz zu Ende oder werfen Sie die jetzt dann gleich weg …?“

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