Elfriede Ott – Für die Grande Dame des ­österreichischen Theaters ist ein Leben ohne Hunde unvorstellbar

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Drei Buchstaben im Kreuzworträtsel. Eine Institution. Und die titelgebende Figur in „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott." WUFF-Society-Reporter Volker Grohskopf hat die 87-Jährige Doyenne der Josefstadt zu Hause besucht – und eine Frau mit vielen Mitbewohnern gefunden.

Der Besuch in ihrem Sommerhaus in Maria Enzersdorf – mit dem Ausblick auf die sanft geschwungenen Hügelketten der Weinberge – wird zu einer Revue durch sieben Jahrzehnte Wiener ­Theatergeschichte. Im Wohnzimmer, bei Kaffee und Topfenstrudel, wird die Vielfalt ihres Lebens sofort greifbar, und ihre drei kleinen Hunde – Cindy, Annie und Pipsi -, die mich beschnüffeln, herzlich umwedeln und freundlich umherbellen, vermitteln erfrischende Lebensfreude und turbulente Lebendigkeit, beides Markenzeichen der Schauspiellegende, Elfriede Ott.

Ein Leben für die Bühne
Ob als Kammerschauspielerin, Professorin am Wiener ­Konservatorium, Sängerin, Regisseurin, TV-Star oder Autorin – Elfriede Ott hat ihr Leben dem Theater verschrieben und gilt als „Grande Dame" der Wiener Volks­komödie. Das konnte auch der Wunsch des Vaters, dem zuliebe sie erst eine Uhrmacherlehre ­absolvierte, nicht verhindern. 1925 in Wien ge­boren, zog es sie bereits als Kind zur Bühne, die junge Elfriede nahm heimlich privaten ­Schauspielunterricht bei Burgschauspielerin Lotte Medelsky. Ihr Talent setzte sich durch: anstatt den Familienbetrieb zu übernehmen, ergatterte sie bereits mit 18 Jahren eine Rolle am Wiener Burgtheater im Stück „Die goldene Harfe" von Gerhard Hauptmann. So debütierte sie im Juni 1944 in der vorletzten Premiere vor der kriegsbedingten Schließung aller Theater. Ihre damaligen Partner sind Theatergeschichte: Raoul Aslan, Horst Caspar, Hermann Thimig, Fred Liewehr, Alma Seidler. „Die habe ich alle vom Stehplatz aus gekannt und auf einmal stehe ich mit ihnen auf der Bühne." Aber auch nach fast siebzig Jahren erweckt diese Erzählung noch eine Ahnung davon, was das bedeutet haben muss. „Im Burgtheater habe ich vor Kriegsende dann allerdings nicht mehr gespielt, aber danach noch vier Jahre im Ausweichquartier im Ronacher."

Bald darauf folgten die „Wanderjahre", die sie über Graz, Hamburg, Zürich wieder zurück nach Wien führten, wo sie Mitglied des Theaters in der Josefstadt wurde. Wie „nebenbei" entstanden zahlreiche Soloprogramme mit Texten, Liedern, Chansons, Couplets und Parodien, die die Zeit der Wiener Volkskomödie bis zur Gegenwart umspannen. Die unnachahmliche Mischung aus wienerischer Musik und charmant vorgetragener Conference mit der typischen ­Ott-Note machten ihre Abende zu einem eigenen Marken­zeichen. Mit den Programmen „Phantasie in Ö-Dur", „Die lustigen Klassiker" und „Melancholie mit Flinserl" ging sie in ganz Europa auf Tournee.

Neben der Schauspielerei unternahm Elfriede Ott immer wieder Ausflüge zur Operette, absolvierte Auftritte bei den Salzburger Festspielen, beim Salzburger Straßentheater bis hin zu den Wiener Festwochen. Auch im Fernsehen war sie in zahlreichen Produktionen wie zum Beispiel in „Hallo … Hotel Sacher, Portier" Anfang der 1970er Jahre zu sehen. Einem breiten Publikum wurde sie bald darauf durch die ORF-Stegreif-Serie „Die liebe Familie" bekannt. Warum ihr die Unterhaltung im Blut liegt, begründet die Doyenne der Josefstadt augenzwinkernd: „Nur Menschen, die privat nicht so lustig sind, können andere Menschen unterhalten."

Unzählige Urkunden an der Wand geben Zeugnis ­darüber, dass sie im Laufe ihrer Karriere Ehrungen und Titel ge­sammelt hat wie kaum andere. Über diese Anerkennung habe sie sich jedes Mal gefreut, genauso wie darüber, dass ihr Film „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott" von den Lesern einer österreichischen Tageszeitung zum Lieblingsfilm des Jahres 2010 gewählt wurde. „Ich bin noch immer sehr gerührt, bitte schreiben Sie das!" regt sie an und bekennt, dass es sie einige Zeit gekostet hat, bis sie sich daran gewöhnte, die titelgebende Figur eines Films zu sein. Trotz unzähliger Abende auf der Bühne und jeder Menge Fernsehproduktionen war dieser Dreh ihr erster für einen Kinofilm.

1950 heiratete sie den Schauspieler und Komiker Ernst Waldbrunn; diese Ehe wurde 1964 geschieden. danach lebte sie mit Hans Weigel zusammen, den sie kurz vor seinem Tod 1991 heiratete. Gemeinsam mit ihm hat sie vor 30 Jahren die sommerlichen Nestroy-Spiele auf der Burg Liechtenstein in Maria Enzersdorf, wo beide seit 1971 lebten, gegründet. Seit dem ersten Tag begeistert dort „die Ott" mit ihrem engagierten Ensemble das Publikum mit Komödienspielen unter freiem Himmel. Jede Saison wurde gespielt, keine war umsonst. Mag es Zufall sein, dass die Wahl für das dies­jährige Jubiläum der Nestroy-Festspiele auf das gleich­namige Stück gefallen ist?

Nichts im Leben ist umsonst getan …
„Der konsequente Glaube daran, dass all das ­Engagement nicht umsonst sein kann, brachte uns ans Ziel. Die Vision vom Komödienspiel unter freiem Himmel wurde Wirklich­keit. Und so ist es bis heute. Und die ganze Mühe war in ­keiner einzigen Spielsaison umsonst. Und so soll es auch bleiben. Nicht zuletzt deswegen ist die Wahl für das 30-jährige Jubiläum heuer auf die Posse „Umsonst" gefallen. Ich werde das auch in diesem Glauben weiterführen und ich freu‘ mich schon riesig auf mein Publikum, denn es gibt für mich nichts Schöneres als vor Freunden zu spielen."

Die Burg Liechtenstein scheint auch der ideale Platz für Theaterkunst zu sein. Es ist nicht nur die Burg eine ­eindrucksvolle Kulisse, sondern auch die ganze Landschaft findet sich in den Aufführungen wieder. Allerdings werde Grande Dame der Wiener Volkskomödie von der fürstlich-liechtenstein’schen Verwaltung mit Ende der heurigen Aufführungsserie hinausgeschmissen. Denn die provisorische Bühne vor der Burg steht zur Hälfte auf dem Grund der Liechtensteins und die Stiftung Fürst Liechtenstein will nun den Vertrag für die nächsten Jahre nicht mehr verlängern. Dies bestätigt die Intendantin: „Das sagen sie uns schon seit Jahren, haben es aber immer wieder hinausgezogen und jetzt müssen wir leider endgültig weg."

Die Nestroy-Festspiele in Maria Enzersdorf sind damit aber nicht Geschichte. Künftig will die Siebenundachtzigjährige, die im vergangenen Jahr zur Ehrenbürgerin der Stadt Wien ernannt wurde, auf einer Wiese im Park des Hunyadi-Schlosses wieder von vorne beginnen, „ganz arm und vor 200 statt vor mehr als 500 Zuschauern. Ich bin eben eine Kämpferin."

Im Studio der Erfahrungen
Auch um den Nachwuchs auf Österreichs Bühnen sorgt sich Elfriede Ott. Sie gründete und unterrichtete lange Zeit die Schauspielabteilung des Konservatoriums der Stadt Wien. Mittlerweile hat sie ihr eigenes Studio. Im ­„Studio der Erfahrungen" bietet Elfriede Ott Workshops und ­Seminare an. Denn die Arbeit mit jungen Menschen liegt der ­temperamentvollen Schauspiellegende im Blut: ­„Junge Menschen sind nicht immer ein Jungbrunnen, man ist manchmal ­richtig ausgelaugt. Aber ich liebe es und wollte auch als junger Mensch schon unterrichten."

Eigene Kinder wollte Elfriede Ott allerdings lange Zeit keine haben, doch im Alter von 82 Jahren wurde sie dann dennoch Mutter und adoptierte Goran, einen ihrer Schauspielschüler. Dass Ott im hohen Alter noch Mutter wurde, war für viele Menschen Gesprächsstoff. „Es wurde viel geredet. Aber ich habe alles weggeschoben. Er passt auf mich auf und er beschützt mich. Wir gehen gemeinsam auf Reisen und mir geht es richtig gut", erzählt sie strahlend. Goran soll ihr Werk weiterführen und sich um ihre Nestroyspiele sowie um ihr Studio kümmern.

Hunde verdienen unsere Liebe
Doch nicht nur fürs Theater, auch für Tiere hat Elfriede Ott ein großes Herz: „Ich habe immer Hunde gehabt. Ich kann es nicht verstehen, wenn Menschen ohne Tiere leben wollen. Sie wissen nicht, was ihnen entgeht", erklärt die legendäre Volksschauspielerin, während sie ihre vierbeinigen ­Lieblinge streichelt. In ihrem „Stall", wie sie ihr Zuhause liebevoll bezeichnet, wohnen derzeit drei Hunde und drei Katzen, Putzi, Minky und Nikolaus. Da gibt es Cindy, eine 15-­jährige Mischlingshündin, die ihr Frauchen auch auf Reisen begleiten darf, sowie die ­6-jährige Annie, einen semmel­blonden Terriermischling, und die 4-jährige Pipsi, eine kleine ­Chihuahua-Lady. Alle drei waren in Not geraten und von der vorbildlichen Tierliebhaberin gerettet.

„Meine Sekretärin und Freundin, Frau Fritzi Gubig, hatte eigentlich einen Hund für Bekannte gesucht und ist dabei damals auf Cindy gestoßen. Cindy wurde als Welpe an einer Autobahn ausgesetzt und landete im Tierheim. Sie war unglaublich entzückend und die Fritzi nahm sie erst mal mit nach Hause. Naja – und irgendwie sind wir die Cindy dann einfach nicht mehr ­losgeworden. Wir hatten sie viel zu lieb ­gewonnen", lacht die Hunde­närrin, wie sie sich selbst bezeichnet. Es folgten zwei weitere ­Adoptionen, Annie, und vor ca. vier Jahren Pipsi, denn das Leid ausgesetzter Tiere geht der Künstlerin nahe: „Man kann ja kaum hinschauen, wie es den armen Tieren geht. Leider kann ich nicht alle nehmen."

Cindy, Annie und Pipsi hatten Glück und haben bei Elfriede Ott den Himmel auf Erden gefunden: „Für mich ist ein Hund nicht nur ein Hund, sondern ein Familienmitglied, und genau so werden sie bei uns auch behandelt", betont die quirlige Schauspiel-Legende. Auch wenn die Bühne ihr Leben ist, so freut sich die Grande Dame des Theaters jedes Mal sehr aufs Nach-Hause-kommen: „Denn hier, mit meinen Tieren, das ist halt mein Paradies."

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