Ernährung für die Gelenke

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Gelenkserkrankungen wie die Osteoarthrose und ­Osteoarthritis älterer Hunde sind häufiger als man denkt. Da sie sich ­schleichend entwickeln, fallen sie den Haltern oft erst in einem Spätstadium auf. Sie bedeuten gerade für das Lauftier Hund eine große körperliche Einschränkung mit daraus folgenden nega­tiven Veränderungen im Verhalten. Dadurch haben sie letztlich auch ungünstige Auswirkungen auf die Mensch-Hund-Beziehung. Eine bloße Schmerztherapie ist zu wenig, da diese das Fortschreiten der Erkrankung nicht verhindern kann. Neben gezielter Bewegungstherapie, ggf. Physiotherapie zur Muskelstärkung und einem Gewichtsmanagement sind daher Substanzen, die am Gelenksknorpel wirken, von entscheidender Bedeutung, um das Ausmaß und die Folgen der Gelenkserkrankung zu ver­mindern und insbesondere um ein Fortschreiten aufzuhalten. Dazu ge­hören zunehmend neue Ernährungskonzepte, die auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen beruhen.

Wenn Ihr Hund sich aus einer liegenden Position ­langsamer oder umständlicher erhebt, wenn er nicht mehr so freudig spielt wie sonst oder Sie nicht mehr so überschwänglich begrüßt wie ­früher; wenn er nach einer Ruheperiode steif oder nur langsam geht oder wenn er gar zu lahmen beginnt, dann könnte er an der häufigsten Gelenkserkrankung leiden, die ­Hunde betrifft: ­Osteoarthrose, eine ­chronisch fortschreitende Erkrankung mit Zerstörung des Gelenksknorpels und Veränderungen am darunter­liegenden Knochen, sowie mit reaktiven Entzündungsschüben (Osteoarthritis). Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit und damit eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensqualität des Hundes sind die zentralen Symptome (s. Tabellen auf Seite 54).

Die Erkrankung kann nur ein oder auch mehrere Gelenke betreffen, am ­häufigsten sind dies Knie, Hüfte, Schulter und Ellbogen. Die starken Schmerzen des Hundes können zu – vorerst für den Halter ­unerklärlichen – Verhaltensänderungen führen, der Hund will sich bspw. nicht mehr an­fassen lassen oder knurrt oder schnappt plötzlich beim Streicheln.

Häufige Erkrankung
Gut 20% aller Hunde älter als ein Jahr, die in einer Tierarztpraxis vorgestellt werden, leiden an Osteoarthrose (Brunnberg 2005; Godfrey 2005; Fox 2007). Vor allem größere Rassen sind davon betroffen, ganz besonders der Deutsche Schäferhund, ­Rottweiler und Berner Sennenhund sowie ­Retriever-Rassen. Als Risikofaktoren für die Entwicklung einer Osteoarthrose gelten neben genetischen Faktoren sowie Dysplasien Übergewicht, körperliche Über- oder Unterbeanspruchung des Hundes sowie Folgen von Gelenksverletzungen.

Therapeutische Ansätze
Da die Knorpel- und ­Knochenveränderungen nicht rückgängig gemacht werden können, ist die Erkrankung prinzi­piell nicht heilbar. Ziel der ­Therapie ist es daher, einerseits die Beschwerden zu ­lindern und andererseits das Fort­schreiten der Erkrankung zu bekämpfen.
Die Therapie der ­Osteoarthrose – das zeigen alle aktuellen wissen­schaftlichen ­Studien – besteht heute in einem sog. „multimodalen“ Ansatz. D.h. das vom Tierarzt geleitete therapeutische Konzept der Osteoarthrose umfasst mehrere Bereiche. Dies sind:

  • Schmerzbekämpfung,
  • Entzündungshemmung,
  • kontrollierte körperliche Bewegung und ggf. Physiotherapie,
  • Gewichtsmanagement (Reduktion von Übergewicht),
  • Substanzen mit knorpelschützender Wirkung und eine
  • gelenksspezifische Ernährung.

Häufig werden von Tierärzten auch ergänzende Heilverfahren empfohlen, wie Homöopathie und Akupunktur sowie Golddrahtimplantationen.

Knorpelschützende Substanzen
Mehrere wissenschaftliche Studien bei Menschen und bei Hunden haben die knorpelschützende (chrondroprotektive) Wirkung verschiedener Substanzen nachgewiesen, darunter vor allem Glukosamin und Chondroitinsulfat (J. Reginster 2000; G. McCarthy 2007; D. Uebelhart 2008; O. Bruyère 2008). In einer amerikanischen ­Studie wurde gezeigt, dass vor allem die Kombination beider Substanzen für die Wirksamkeit verantwortlich ist
(B. Fox 2009).

Glukosamin und Chondroitinsulfat sind wichtige Vorstufen für bestimmte Bestandteile des Gelenksknorpels, die Proteoglykane, die dem Knorpel seine Elastizität geben. Dadurch funktioniert der Knorpel quasi als Stoßdämpfer in den Gelenken. Interessanter­weise ­finden sich im Blutserum von Hunden mit Osteoarthrose erhöhte Spiegel von Chondroitinsulfat und Hyaluronsäure. Die Wissenschaftler nehmen an, dass durch die ­Zerstörung des Gelenksknorpels diese Substanzen in erhöhtem Maße frei ­werden und ­letztlich im Blut­serum der ­Tiere ­zirkulieren. Aus diesem Grund ­bemühen sich die Forscher derzeit, diese Substanzen als mögliche Biomarker für die Osteoarthrose zu identifi­zieren, um damit die Erkrankung und vor allem ihr Ausmaß leichter und früher diagnostizieren zu können
(K. Nganvongpanit 2008).

Jedenfalls zählen Glukosamin und Chondroitin derzeit zu den entscheidenden Substanzen in der Langzeit­therapie der Osteoarthrose. Bei oraler Zufuhr reichern sie sich in der Gelenksflüssigkeit an. Es werden wahrscheinlich entzündungshemmende Effekte sowie eine Hemmung oder zumindest Verlangsamung der Knorpelzerstörung sein, welche für die positiven klinischen Wirkungen von Glukosamin und Chondroitin, die zu einer Abnahme der Symptome führen, verantwortlich sind (G. McCarthy 2007). Die stärksten Wirkungen entfalten sie bei leicht- bis mittelgradiger Osteoarthrose.

Weitere Substanzen, die in Studien ihre Wirksamkeit bei der Osteoarthrose nachgewiesen haben, sind Extrakte der Grünlippenmuschel sowie Anti-oxidanzien und Omega-3-Fettsäuren, deren Wirkungen ich in einer WUFF-Artikelserie ausführlich beschrieben habe („Heilung durch Ernährung“, WUFF 10/2008 bis 2/2009). Auch hier scheint die Hemmung von bestimmten entzündungsfördernden Parametern der zentrale Angriffspunkt der Wirksamkeit zu sein. Dadurch lässt sich die Dosis von Schmerzmitteln, die zu Beginn der Behandlung höher dosiert werden müssen, herabsetzen. Außerdem sind diese Substanzen durch ihre weitgehende Nebenwirkungsfreiheit für eine Langzeitbehandlung deutlich besser geeignet als Schmerzmittel, und sie werden auch als Futterergänzungsmittel oder in ­kommerziell erhältlicher Hundenahrung angeboten.

Fazit
Gesunde funktionierende Gelenke sind für das Lauftier Hund von allergrößter Bedeutung. Ihr Einfluss auf die Lebensqualität des ­Tieres ist unbestritten. Die Osteoarthrose ist eine häufige Erkrankung der Gelenke, die aufgrund ihres schleichenden Verlaufes oft erst relativ spät diagnostiziert wird und die Lebensqualität des Hundes stark beeinträchtigt. Je früher die Diagnose erfolgt, umso effektiver sind die therapeutischen Möglichkeiten. Fallen Ihnen daher bei Ihrem Hund Symptome auf, wie eingangs geschildert, oder gehört er zu den Risikorassen, dann sollten Sie Ihren Tierarzt aufsuchen. Er wird mit Ihnen die vielfältigen therapeutischen ­Möglichkeiten besprechen, die Ihrem Hund das Leben wieder lebenswert machen und das Fortschreiten seiner Gelenks­erkrankung bremsen können.

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Dr. Hans Mosser
Der Arzt und Theologe Mag. Dr. Hans Mosser ist Mitbegründer und Herausgeber von WUFF und arbeitet im Hauptberuf als leitender Arzt und ­Professor in einem Universitätsklinikum.

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