„Fake News“ – und keine News

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Hintergrund
Worum geht’s?
Ich möchte Sie durch meinen Blog, den Sie auch online lesen können, an den vielen, oft spannenden, freud-, aber manchmal auch leidvollen, stets aber authentischen Erfahrungen teilhaben lassen. Der Blog hat ein Open End, weil auch WUFF mit Ihnen als Leserin und Leser, vielleicht auch als (hoffentlich aktiver) Online-Rezipient, vulgo „User“, weitergehen wird (www.wuff.eu).
Schreiben Sie mir, fragen Sie mich! Ihre Reaktionen auf meinen Blog – so wie auch auf alle Artikel in WUFF – sind jederzeit willkommen und werden ggf. auch publiziert (jedoch nicht ohne Ihr Einverständnis). Und wenn Sie irgendetwas wissen wollen, das mit WUFF zu tun hat, fragen Sie mich einfach! (mosser@wuff.eu)
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und einen tieferen Einblick in das, was WUFF ausmacht.
Ihr Hans Mosser

Der Blog des Herausgebers

Neben erfundenen (Fake News) oder halbwahren-halb­falschen Nachrichten sind die verschwiegenen wohl am gefährlichsten. Solche Tabus gerade auch in der Hunde­welt ans Licht zu bringen, verschwiegene Wahrheiten aufzu­zeigen und Lügen aufzudecken – das ist immer auch ein Teil des Wesens von WUFF. Darüber und woran man die Qualität eines Hundemediums erkennen kann, in ­dieser Ausgabe des Blogs des Herausgebers von WUFF.

Fake News sind erfundene Nachrichten. Solche Sachen hat es wohl immer schon gegeben, und sie können Übles anrichten. Nicht minder ­gefährlich sind aber auch halbwahre, d.h. halbfalsche Informationen, die Meinung manipulieren. Während ich bei Fake News und Halbwahrheiten noch gezielt versuchen kann, die Wahrheit herauszufinden, so ist dies bei einer dritten Form nicht mehr möglich, nämlich bei den verschwiegenen Nachrichten. Wovon ich gar nichts höre oder lese, darüber kann ich auch nicht selbst ­recherchieren, das scheint inexistent. Und solche Nicht-Nachrichten hat es gerade auch in den Hundemedien zu Zeiten der Gründung von WUFF gegeben!

Das war uns auch eines der Motive, dieses Magazin auf die Beine zu stellen und sowohl den damaligen Tabus als auch dem rosarot verbrämten Gesülze die Wahrheit entgegenzustellen und aufzuzeigen. Welche Wahrheiten sind gemeint? Zum Beispiel das, was ich in meinem Editorial im September 1996 erwähne: „Die Zeit der Jubelmeldungen in der Rassehundezucht ist vorbei.“ Gemeint habe ich damit unter anderem die Rasseporträts, wie sie damals in den Hundezeitschriften publiziert wurden. Wenn man die las, musste man jede einzelne Rasse für die Idealrasse halten, jeden Hund für den idealen „­Familien- und Kinderhund“. Und – vor allem schienen damals alle Rassen kerngesund. Der Deutsche Schäferhund schien in den Porträts vor Kraft zu strotzen, wurde gepriesen als kerngesundes deutsches Kulturerbe. Die Wahrheit aber sah anders aus.

Das „Kulturerbe“ war krank bis tief in die Gene! Die Hüftdysplasie grassierte unter den Deutschen Schäferhunden in einem Ausmaß, dass Tierärzte dies schon als Normalzustand dieser Rasse bezeichneten. Dazu kamen andere Krankheiten wie die Bauchspeichel­drüsenentzündung und andere, die für den Hund und seinen Menschen Leid mit sich brachten. Wenn Sie sich die alten Zeitschriften anschauen, werden Sie darüber kaum etwas zu lesen finden. Tatsächlich waren das Tabus im Hunde­wesen. Der Grund – in der Zucht, oft besser als Vermehrung zu bezeichnen, und im Handel der Rassehunde, v.a. gerade des Deutschen Schäferhundes, ging es um viel Geld. Um sehr viel Geld. Und darum geht es auch heute vielfach, wenn Sie sich vielleicht an die Reportage über den Deutschen Schäferhund Toni erinnern („Der Deutsche Schäferhund als Ware – zwischen Zucht und Handel, Profit und Provisionen“, in WUFF 9/2012). Wir haben diese Geschichte mithilfe eines damaligen Mitglieds des Vereins Deutscher Schäferhunde bis ins Letzte recherchiert. Und Eines sage ich Ihnen! Auch wenn man als Journalist immer möglichst emotionalen Abstand von dem haben soll, über das man berichtet, so ging mir diese Geschichte sehr nahe.

Zurück zum April 1996, als wir nur wenige Monate nach dem Erscheinen der allerersten Ausgabe von WUFF die Serie „Tabus in der Kynologie“ starteten. Im Editorial von damals kritisierte ich „im Rassestandard festgeschriebene Erkrankungen“, „Hundevermehrung statt seriöser Rassezucht“ oder die „Massentierhaltung von Hunden in den Welpenfabriken des europäischen Ostens.“ Und obwohl diese Länder mittlerweile Mitglieder der EU sind, hat sich da fast nichts geändert.

WUFF wird`s nicht mehr lange geben?
Wir haben auch viele andere Wahrheiten den Fake News oder den Tabus der damaligen Hundezeitschriften ent­gegengesetzt. Das war so völlig gegen den journalistischen Mainstream in den Hundemedien, sofern man diese damals überhaupt als Journalismus bezeichnen konnte. So hielt uns die Redakteurin eines anderen Magazins für „verrückt“. Ich erinnere mich noch gut, wie sie mir auf einer Hundeausstellung beim WUFF-Stand sagte: „Ihr vergrault Euch die eigene Leserschaft!“ Und sie meinte, dass es WUFF wohl nicht mehr lange geben würde. Ihre „Analyse“ stützte sie auf mein Editorial vom September 1996, das ich oben schon erwähnt habe, und bezog sich auf folgenden Absatz:

„Wer einen Hund ins Haus nimmt, muss sich mit ihm beschäftigen. Wenn das nicht möglich ist, dann lasse man lieber die Finger davon. Man tut sich nichts Gutes, vor allem nicht seinem Hund und auch nicht seiner Umgebung. Seinem Hund ausreichenden Sozialkontakt zu verweigern ist eine Form von Tierquälerei“, schrieb ich. Damit riet ich tatsächlich Menschen ab, sich einen Hund zu nehmen, wenn bestimmte Voraussetzungen nicht vorliegen. Aber warum hätte ich das nicht schreiben dürfen? „Manche Ihrer Leser werden sich dadurch angegriffen fühlen und aufhören, Ihr Magazin zu lesen“, meinte dazu die Redakteurin des anderen Blattes.

Dasselbe meinte sie auch zu einer weiteren meiner Aussagen, in der ich mich auf den in den 1990er Jahren explodierenden Hundesport bezog und schrieb: „Der Hund als reines Sportgerät, als bloßer Gebrauchsgegenstand, als Nutztier. Wer so denkt und handelt, sollte keinen Hund haben. Denn auch er verweigert ihm artgerechte Behandlung“.

Das war den Machern der damaligen Hundemedien „starker Tobak“. Wie kann der Herausgeber eines gerade erst kaum ein Jahr am Markt befindlichen Hundemagazins „derart frech“ schreiben? Wir hielten es aber nicht für frech, sondern vielmehr für die Wahrheit, die gesagt werden musste. Das war eben der Unterschied von WUFF zu den damaligen anderen: Wir hatten eine Mission. Wir waren unabhängig und aufgrund unserer Hauptberufe auch nicht darauf angewiesen, mit WUFF Geld zu verdienen. Das war der große Unterschied. Wir hatten keine Angst vor der Kritik der starken Hundeverbandslobbys – eine der Folgen habe ich ja auch im letzten Blog beschrieben. Sie erinnern sich, als wir von der größten österreichischen Hunde­ausstellung ausgesperrt wurden, weil wir kritisch über den Verbandspräsidenten berichtet hatten (WUFF 4/2017).

Es ging und geht uns um einen seriösen Journalismus. Sowohl gut ausgesuchte Autoren als auch ein eigenes WUFF-­Redaktionsteam und eigene Recherchen, die mitunter mehrere Monate dauern – das ist seriöser Journalismus. WUFF ist das Original, schrieb ich einmal in einem Editorial, weil damals begonnen wurde, uns zu kopieren. Ich habe damals gesagt, wenn eine gute Sache sich dadurch vervielfältigt, soll mir das recht sein. Außerdem darf man Leserinnen und Leser nicht für dumm verkaufen. Da war ich mir immer sicher, denn ich habe mich auch selbst immer als Leser gesehen. Auch heute versuche ich immer, meine Herausgeberschaft von WUFF unter einem solchen Gesichtspunkt zu sehen.

Hundeblätter allüberall
Es ist heute durch das Internet leichter als jemals zuvor, eine Art Hunde­medium auf die Beine zu stellen, entweder nur digital oder digital und gedruckt. Man braucht nur ein paar PR-Beiträge sammeln, die kostenlos publiziert werden dürfen/sollen, kopiert ein paar Sachen mehr oder weniger unerlaubt von anderen Medien und kauft sich vielleicht noch ein, zwei Artikel von Autoren dazu. Und tatsächlich gibt es mittlerweile zahllose solcher Medien, die mehr durch Buntheit als durch Qualität auffallen. Dennoch ist es für den weniger Erfahrenen in diesem Hundemedien-Dschungel mitunter schwer, sich zurechtzufinden. Das ist übrigens auch das Thema eines Vortrages bzw. einer Präsentation, die ich am 26. Mai 2017 bei den Salzburger Hundstagen (http://www.salzburger-hunds­tage.at/dozenten) halten werde. Wenn es Sie interessiert, kommen Sie hin. So wie Sie mich kennen, werden Sie auch einige weitere Referenten schon von WUFF her kennen, wie etwa Sophie ­Strodtbeck, Thomas Baumann oder Dr.Dorit ­Feddersen-Petersen.

Woran also erkennt man wirklich die Qualität eines Hundemagazins? Das Thema benötigt viel mehr Platz als ich in diesem Blog zur Verfügung habe, weshalb ich daher nur ein paar Aspekte anreißen kann:

1. Die das Medium produzierenden Personen sind namentlich bekannt, man kann mit ihnen direkt Kontakt aufnehmen, und diese Personen erscheinen Ihnen authentisch.
2. Das Medium verfügt über eine eigene Redaktion und – vor allem – eigene Recherchen.
3. Das Medium ist unabhängig von politischen und sonstigen Einflüssen – und dazu gehören auch die hundepolitischen der großen Zuchtverbände!
4. Die Autoren des Mediums repräsentieren eine große Meinungsvielfalt zu den verschiedenen Themen.
5. Objektive Reportagen und Nachrichten sind klar unterscheidbar von Meinungen und Kommentaren.
6. Dennoch hat das Medium auch eine klare Blattlinie, die erkennbar sein muss.
7. In dem Medium werden stets die ­neuesten wissenschaftlichen Forschungen und Erkenntnisse zum Thema Hund vorgestellt, und zwar dies durch die Redaktion. Es geht also nicht darum, einfach eine Pressemeldung eins zu eins zu übernehmen, sondern sich den originalen (meist in Englisch verfassten) wissenschaftlichen Artikel zu besorgen, selbst zu studieren und dann darüber zu berichten. Dazu braucht das Medium natürlich einen Redakteur, der sowohl guten Kontakt zur Wissenschaft hat als auch in der Lage ist, komplizierte wissenschaftliche Zusammenhänge zu erklären. Und nicht zu vergessen, der zudem auch fähig ist, die jeweilige ­Studie zu bewerten. Denn es stimmt nicht immer, was Wissenschaftler aus den Ergebnissen schlussfolgern.
8. Und hier sind nun SIE gefragt. Mich interessiert wirklich, nach welchen ­Kriterien Sie ein Hundemagazin be­werten. Was macht für Sie die Qualität eines Hundemediums aus? Schreiben Sie mir bitte ein paar Zeilen dazu ­(mosser@wuff.eu). Ihr Kommentar hilft mir auch bei der Vorbereitung meines Vortrages am 26. Mai 2017 bei den Salzburger Hundstagen.

Pdf zu diesem Artikel: hundeblog_05_2017

 

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