Fila Brasileiro

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Die Heimat des Fila Brasileiro erkennt man am Namen: Brasilien. Obwohl der genaue Werdegang der Rasse im Dunkeln liegt, kann man sagen, dass seine Geschichte auf die Zeit der Entdeckung Südamerikas zurückgeht. Hunde der Siedler und Einwanderer (Doggenartige und Bluthunde) sind seine Urahnen. In seiner Heimat wurde der Fila in früherer Zeit als Treib- und Jagdhund für Großwild eingesetzt, während er heute als Schutz- und Wachhund, seltener als Hütehund Verwendung findet. In Europa schätzen ihn Liebhaber der Rasse als ausgezeichneten Wach-, Begleit- und liebevollen Familienhund.

Erster Fila in Österreich
Der Fila Brasileiro wurde erst 1946 vom brasilianischen Dachverband als Rasse anerkannt. Der erste offiziell im Zuchtbuch eingetragene Wurf fiel am 15.7.1947. 1954 brachte Herzog Albrecht von Bayern den ersten Fila nach Europa. Der erste ins Österreichische Hundezuchtbuch eingetragene Fila war Aurora von Stammham. Am 29.10.1960 fiel der erste Wurf in Österreich.

Ausgeprägter Familiensinn
Der ausgeprägte Familiensinn des Fila, seine Zuneigung und Toleranz zu den eigenen Kindern und anderen Haustieren sind wenig bekannt. Familienmitgliedern gegenüber ist er sehr sensibel und sucht stets ihre Nähe. Vertraulichkeiten mit Fremden lehnt er zwar ab, verhält sich jedoch außerhalb seines Reviers zu diesen neutral. Das angeborene Misstrauen erfordert zwingend eine äußerst umfassende Prägung auf Mensch und Umwelt schon vom Welpenalter an.

Instinkt und Erziehung
Vom Instinkt her ist der Fila ein Jagdhund für Großwild und Hütehund für Rinderherden. Sein meist stark ausgeprägter Jagdtrieb und Bewegungsdrang stellt seine Besitzer bei Spaziergängen oft vor größere Probleme. Filas sind sehr temperament- und kraftvoll, sie reagieren blitzschnell mit ungeahnter Wendigkeit. Die Stadt und enge Mietwohnungen entsprechen nicht ihrem Naturell. Die Erziehung sollte von einem erfahrenen, einfühlsamen Hundeführer mit Konsequenz (nicht Härte) und viel Motivation erfolgen. In den Sparten Unterordnung und Fährte kann der Fila beachtliche Leistungen erbringen. Dass der Fila nur in absolut verantwortungsvolle Hände gehört, muss wohl nicht extra erwähnt werden.

Gesundheit und Lebenserwartung
Wie auch andere große Hunderassen, können auch beim Fila verschiedenste gesundheitliche Probleme auftreten. Das Hauptproblem stellt sicher die gefürchtete Magendrehung dar. Sie ist bei den jung sterbenden Filas Todesursache Nummer eins, gefolgt von Herzerkrankungen und diversen orthopädischen Problemen. Jeder Fila hat Vorfahren mit Magendrehung in seiner Ahnentafel – einer mehr, einer weniger. Hier sind die Züchter gefordert, bereits operierte Hunde aus der Zucht zu nehmen bzw. keine stark betroffenen Linien zusammenzuführen. Eine freiwillige kardiologische Untersuchung (inkl. Herzultraschall) vor dem Zuchteinsatz wäre wünschenswert, bleibt aber in den meisten Fällen leider nur ein – sinnvoller – Wunsch.

Hunde, die von den vorgenannten Erkrankungen verschont bleiben, werden ca. 10 bis 12 Jahre alt, wobei als Todesursache bei den älteren Filas Tumore an erster Stelle stehen. Einzelne Exemplare wurden sogar über 14 Jahre alt.

Was sich rasch wieder ändern sollte
All das zuvor Erwähnte zeigt, dass der Umgang mit der Rasse nicht immer leicht ist. Vielen Hundefreunden ist der Fila zu anstrengend, und sie wenden sich wieder anderen Rassen zu. Die Nachfrage geeigneter Interessenten nach Welpen ist daher sehr bescheiden. Bis Mitte der 90er Jahre wurde die Rasse in Österreich mit viel Umsicht und Sorgfalt gezüchtet. Gewissenhafte Züchter bemühten sich, ihre Welpen an wirklich ausgesuchte, geeignete Plätze zu vermitteln. Nie wurde mehr als ein Wurf pro Jahr in die Welt gesetzt. Der eine oder andere Interessent musste schon mal geduldig auf seinen Welpen warten. Zur Zeit fallen jährlich drei Würfe oder mehr. Leider ist die für so ein kleines Land „rege Zuchttätigkeit" der Rasse in keinster Weise dienlich. Mittlerweile besitzen einige höchst ungeeignete Personen einen Fila Brasileiro, was sich leider auch schon negativ bemerkbar macht. Seit etwa einem Jahr findet man leider immer häufiger Filas in Tierheimen, ausgesetzte Hunde und leider sogar einen Beißvorfall.

Nur wer sich wirklich mit dem Charakter der Rasse identifizieren kann und bereit ist, mit seinem Hund durch dick und dünn zu gehen, sollte einen Fila besitzen.

Augen auf beim Welpenkauf
Eigentlich sollten es ja schon alle WUFF-Leser wissen, dass man einen Welpen nur bei einem, in einen Dachverein eingebundenen, seriösen Züchter kauft. Lassen Sie sich nicht von Inseraten in Tageszeitungen täuschen. Ein seriöser Züchter wird seinen Welpenkäufern und vor allem seinen Hunden das ganze Leben beistehen. Die Verantwortung des Züchters endet nicht bei Abgabe der Tiere! Auch wird ein guter Züchter nur so viele Hunde halten, wie es seine räumlichen und sonstigen Möglichkeiten zulassen. Wenn Hunde nur in Kennel-Boxen untergebracht sind, sollten die Alarmglocken läuten. Jeder Mensch kann sich nur um eine gewisse Anzahl von Tieren wirklich kümmern. Scheuen Sie sich nicht, gesundheitliche Befunde und Ahnentafeln der Elterntiere zur Ansicht zu verlangen. Bitte seien Sie kritisch! Andererseits müssen Sie aber auch verstehen, dass der Züchter auch Sie genauestens kennen lernen möchte, denn ein Fila sollte aus den genannten Gründen nicht an Jedermann verkauft werden!

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Knochenstarker Molosser
Der Fila ist eine molossoide Rasse. Sein knochenstarkes Gebäude ist rechteckig mit guten Proportionen. Hündinnen müssen sich durch eine feminine Gesamterscheinung deutlich von Rüden unterscheiden. Die Größe des Kopfes sollte immer mit dem Gebäude harmonieren. Sowohl zu starke Wangenbildung als auch ein zu kurzer Fang sind fehlerhaft. In Ruhestellung ist der Oberkopf frei von Faltenbildung. Der Fila hat dicke, lose Haut am ganzen Körper, besonders am Hals, wo sie die Kehlwamme bildet.

Haarkleid
Das Haarkleid ist kurz und glatt, einfärbig oder gestromt, mit oder ohne schwarze Maske. Weiße Abzeichen an Pfoten, Brust und Schwanzspitze dürfen maximal 25% ausmachen. Weiße, gefleckte oder mausgraue Hunde sind auf Ausstellungen zu disqualifizieren.

Größe und Gewicht
Die Schulterhöhe der Rüden sollte zwischen 65 und 75cm liegen bei einem Mindestgewicht von 50kg, Hündinnen sollten zwischen 60 und 70cm hoch sein und mindestens 40kg Körpergewicht haben.

Passgang
Der Fila hat einen raumgreifenden, elastischen Gang, dessen Hauptmerkmal der Passgang ist. Im Schritt wird der Kopf tiefer als der Rücken getragen. Im Galopp zeigt der Fila eine ungeahnte Geschwindigkeit, er kann sehr schnell die Richtung ändern.

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An einem Fila interessiert? Hier hilft man Ihnen weiter:

– Molosser Club Austria: Tel. +43 (0)2622/254 21
  Web: http://www.molosser.at

– Die Autorin dieses Portraits:
  Tel. +43 (0)676/355 46 86
  Web: http://www.fila-brasileiro.at

 

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