"Flirten" Sie mit Ihrem Hund – die andere Art der mensch-hundlichen Kommunikation

Wie schon der Untertitel anzeigt, geht es hier nicht um einen Aufruf dazu, dass Sie Ihren Hund ­sozusagen als „Flirtfaktor" einsetzen, wenngleich es unbestritten ist, dass Hunde Begegnungen ­zwischen Menschen fördern. Die Autorinnen meinen vielmehr das Flirten als Kommunikationsform ­zwischen Ihnen und Ihrem Vierbeiner – mit der Zauberformel „Blickkontakt" …

Unabhängig davon, wann, wo und mit wem Sie das letzte Mal geflirtet haben, wird Ihnen die Erinnerung daran jetzt hoffentlich ein Lächeln entlocken. Denn Flirten – übersetzt „Blumen schenken" – ist Genuss und Leichtigkeit. Es ist das gute Gefühl, ernst genommen zu ­werden, mehr noch: man fühlt sich beachtet und geschmeichelt, geht ganz und gar in der Aufmerksamkeit und Konzentration des Anderen auf und erwidert sie, fragt sich – leicht verschämt – meint die/der wirklich mich, hat natürlich das berühmte Kribbeln im Bauch und spürt die Emotionen. Schlicht und einfach eine positive Situation, eine schöne gemeinsame Zeit. Deshalb möchten wir Sie auffordern: Flirten Sie mit Ihrem Hund!

Nein, wenn Sie jetzt erwarten, eine schnelle und sichere Anleitung zu erhalten, müssen wir Sie leider enttäuschen. Denn auch Flirten hat viel mit Lernen und Erfahrung zu tun. Aber genau dadurch ist das Ziel – Sie und Ihr Hund als entspanntes TEAM in allen Situationen – möglich.

Der Weg

Beim „Flirten mit dem Hund" als etwas andere Art der Kommunikation steht die Konzentration auf den Partner, die positive Situation und schöne (!) gemeinsame (!) Zeit im Vordergrund. Denn – psssst – in Wahrheit gibt es doch einen Trick, wie Sie erreichen können, dass Ihr Hund keine anderen Vierbeiner beachtet, nicht an der ­Leine zieht oder widerwillig erst beim 4. Hörzeichen das Gewünschte ­ausführt. Diese Zauberformel heißt Blickkontakt. Ein Hund, der gelernt hat, Sie von sich aus freiwillig und gerne anzuschauen – zu „fragen" –, ist mit Kopf und Aufmerksamkeit bei Ihnen, kann damit den doofen Rüden aus der Nachbarstraße gar nicht anbaggern und ist offen für Informationen und gemeinsame Aktivitäten, zu denen Sie ihn einladen – als Antwort auf seine „Frage".

Training

Konkret bedeutet dies, dass SIE zuerst agieren müssen, nämlich dass SIE bereit sind, Ihrem Hund ­Konzentration, Aufmerksamkeit und gute Gefühle, aber auch Respekt und Achtung zu schenken – also tatsächlich mit ihm zu „flirten". Indem Sie jeden (wirklich jeden!) Blickkontakt, der von Ihrem Hund zu Ihnen geht, belohnen. Am Anfang zur Verstärkung, am einfachsten und besten mit Futter, aber auch mal mit einem gemeinsamen Spiel, das vielfältig sein kann (Bewegung, Beute, Berührung usw.). So lernt Ihr Hund sehr schnell, dass es sich lohnt, sich an Sie zu wenden.

Achtung

Achtung 1: Eine Belohnung soll auch wirklich eine Belohnung sein! ­Häufig hat und zeigt ein Hund in einer bestimmten Situation eine spezifische Erwartungshaltung. Wenn ein Hund z.B. in Futtererwartungshaltung ist, wird er ein Streicheln nicht als angenehm empfinden und der Hand vielleicht sogar ausweichen und sein Lieblingsspielzeug in diesem Moment ignorieren. Oder er nimmt das Stückchen Futter zögernd an, weil er eigentlich ein Zerrspiel erwartet.

Achtung 2: Es handelt sich bei dieser Methode um eine operante Konditionierung, – für Eilige: Vom Hund freiwillig gezeigte und angebotene Verhaltensweisen werden belohnt, damit verstärkt und gefestigt. ­Sprechen Sie Ihren Hund nicht an, um seine Aufmerksamkeit zu erhalten (denn damit würden Sie einen Reiz vorgeben ­klassische Konditionierung). Warten Sie, bis er selbst auf die Idee kommt (weil sonst nichts, aber auch gar nichts passiert), sich an Sie zu wenden. Das kann unter Umständen beim ersten Mal sehr lange dauern. Also sehr lang. Richtig lang. Aber dann müssen Sie alles geben. Ganz großes Feuerwerk.

Die nächsten Schritte

Die Rückmeldung an Ihren Hund wird stets mit Ihrer vollen Aufmerksamkeit und Freude gegeben. Setzen Sie spannungsvolle Mimik ein, loben Sie verbal, machen Sie den Affen.
Denken Sie einfach daran, was Sie tun ­würden, um das Interesse einer Person zu fesseln. Unter ­Umständen alles! Ein strahlendes Lächeln, ein Blinzeln, eine Haarsträhne hinter das Ohr streichen, eine Augenbraue etwas hoch­ziehen, die Nase kräuseln, hüsteln, mit dem Ohr wackeln (Gratulation etc.). Die Zeit und die Erdrotation werden irrelevant, nur Sie und Ihr Gegenüber existieren (und das Bild in Ihrem Kopf). Der Blickkontakt wird auch im Alltag stärker eingebaut und avanciert zum entscheidenden Schlüssel­faktor, er wird forciert und – wenn die Basis gefestigt ist – eingefordert. Die Türe öffnet sich nur nach vorherigem Blickkontakt, die Straße wird nur nach vorherigem Blick­kontakt überquert, das Spiel mit einem anderen Hund darf erst nach dem rückfragenden Blick zu Ihnen erfolgen. Denken Sie immer wieder an die Grundstimmung beim Flirten: Sie wollen bei dieser Art Blickkontakt Ihren Hund nicht ­fixieren oder einschüchtern, sondern der tollste ­Partner des Universums sein.

Wie beginnen?

Wählen Sie daher die Umgebung immer so, dass Ihr Hund das, was Sie von ihm möchten, auch umsetzen kann. Fangen Sie nicht draußen, wenn der größte Feind Ihres Hundes ge­rade vorbei läuft an, Blickkontakt zu üben. Üben Sie zu Hause in bekannter, ­ruhiger Umgebung. Wenn es dort sicher (!) funktioniert, gehen Sie in den Garten, auf den Balkon, in die Garage oder an ein anderes ruhiges Plätzchen. Halten Sie die Balance ­zwischen Belohnung und den gesteigerten Anforderungen. Reicht im Haus mittlerweile ein Kopfnicken als positive Rückmeldung, so ziehen Sie bei Ablenkung bitte wieder alle Register: F² (Flirten*Futter). Ein Hund, der Ihren Blickkontakt sucht, obwohl er neben den offenen Hundekeksen im Futtergeschäft oder durch ein Einkaufszentrum läuft, wird sich auch von einem Eber nicht beeindrucken lassen – und schon gar nicht von irgendeinem anderen Hund.

„FLIRTEN mit dem HUND" wurde von Resi Rübbelke (www.hundeund­ruebbelke.de) als neue Methode ent­wickelt, um den Hundehalter zu lehren, seinen Hund als Gefährten im Alltag wieder neu zu entdecken, sich gewissermaßen wieder ganz neu für ihn zu entscheiden. Vieles ist im ­täglichen Zusammenleben längst zur ritualisierten Routine geworden: der eine kennt den anderen und sein Verhalten wie seine Westentasche. Genau hier angesetzt, erleben beide neue Verhaltensmuster, gehen auf­gefrischt und wieder unvoreinge­nommen ­miteinander um. Ein spannendes Unterfangen mit großen Erfolgs­aussichten für eine neue Zukunft.

Los geht’s

Sie können jederzeit damit ­anfangen. Am einfachsten natürlich bei der ­ersten Begegnung mit Ihrem neuen (vierbeinigen) Partner, aber es ist glücklicherweise – wie meist im
Leben – nie zu spät!

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